Taiwanerin im Landkreis Ludwigsburg Erdbeben: Kornwestheimerin fiebert mit Taiwanern

Viele Gebäude in Hualien im Osten Taiwans wurden durch das Erdbeben beschädigt. Foto: -/TVBS via AP/dpa

Vor einer Woche bebte die Erde in Taiwan. Yvonne Yuan stammt von der Insel und lebt in Kornwestheim. Sie erzählt, wie Freunde die Naturkatastrophe erlebten und warum diesmal weniger Menschen starben als beim letzten großen Beben.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

„Ich habe über eine Warnmitteilung auf meinem Handy relativ schnell von dem Erdbeben erfahren. Große Angst hatte ich aber nicht“, sagt Yvonne Yuan. Die Lehrerin ist eine von 40 Staatsbürgern Taiwans im Kreis und lebt seit sechs Jahren in Kornwestheim. Am vergangenen Mittwochmorgen hat das stärkste Erdbeben seit 25 Jahren Taiwan erschüttert. Besonders schlimm waren die Stadt und der gleichnamige Kreis Hualien im Osten betroffen, Yuans Familie und Freunde leben im dichter besiedelten Westen der Insel. Bei dem Erdbeben der Stärke 7,4 sind nach offiziellen Angaben 13 Menschen getötet und mehr als 1100 Menschen verletzt worden, zahlreiche Gebäude wurden beschädigt.

 

415 Taiwaner in der Region

„Erdbeben sind in Taiwan relativ häufig. Dieses war aber ein besonders schlimmes“, sagt Yvonne Yuan. Freunde hätten ihr berichtet, dass es schrecklich gewesen sei, selbst im entfernten Westen des Landes, das etwa so groß wie Baden-Württemberg ist. Fast eine Minute lange habe die Erde gebebt. Dabei seien die Menschen nicht nur von links nach rechts, sondern auch von unten nach oben geschüttelt worden. „Das ist sehr unangenehm“, berichtet Yuan. Sie ist froh, dass ihren Bekannten und Verwandten in Taiwan nichts passiert ist.

Yuans Ehemann kommt aus Kornwestheim. Sie lernten sich kennen, als er beruflich in Taiwan war. Vor zwölf Jahren kehrten sie nach Europa zurück, lebten zunächst in Irland und Frankreich. Ihre Tochter besucht die sechste Klasse eines Gymnasiums.

Taiwan, wo knapp 24 Millionen Menschen leben, liegt am Rand zweier tektonischer Platten und ist deshalb ein erdbebengefährdetes Gebiet. 1999 kamen bei einem Beben der Stärke 7,3 mehr als 2400 Menschen ums Leben. Der von Deutschland diplomatisch nicht anerkannte Staat investierte danach in Erdbebenprävention, gab mehr Geld für Bildungsprogramme für Katastrophenfälle aus und erweiterte seine Beobachtungsstationen für seismische Aktivitäten.

Erdbeben-Übung schärft Sinne

„Einmal im Jahr gibt es einen Probealarm, bei dem das ganze Land ein schweres Erdbeben simuliert“, sagt Yvonne Yuan. Dabei lasse jeder alles stehen und liegen und suche sich einen sicheren Unterschlupf. Laut Yuan stoppten selbst auf der Schnellstraße Fahrer beim Probealarm ihre Autos, um sich in Sicherheit zu begeben. Außerdem gebe es in Taiwan überall Erdbeben-Rucksäcke zu kaufen. In denen seien wichtige Dinge wie Trinkwasser, Lampen, Nahrung und Bargeld. „Man geht davon aus, dass Geldautomaten nicht funktionieren werden nach einem schweren Erdbeben“, sagt die Kornwestheimerin.

Taiwan habe in den letzten Jahren immer deutlicher gespürt, dass man sich nur auf sich selbst verlassen könne. Das Land – für die Volksrepublik China ist es ein Teil ihres Staates – wird international von den meisten Ländern nicht anerkannt. Das erschwere etwa bei Ereignissen wie der Pandemie den Austausch mit der Weltgesundheitsorganisation. Deshalb bereite man sich auf viele Dinge so vor, dass externe Hilfe nicht zu erwarten ist, so Yuan.

Aus ihrer Sicht bestehe der Konflikt mit China nur mit dessen Regierung und nicht mit der Bevölkerung. Yuan unterrichtet an der von Taiwan finanzierten Chinesischen Schule Stuttgart in Feuerbach und hat Taiwaner wie auch Chinesen in ihrem Bekanntenkreis.

In Baden-Württemberg leben Angaben des Statistischen Landesamts zufolge 1425 Taiwaner und Taiwanerinnen, in der Region Stuttgart 415.

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