Taktikanalyse zu VfB gegen Bochum Kampf der Stuttgarter gegen die Bochumer Wand

Von Jonas Bischofberger 

Taktikblogger Jonas Bischofberger analysiert die VfB-Partie gegen VfL Bochum und erklärt, warum die Stuttgarter gegen Bochums Pressing nur schwer vorankamen.

Blogger Jonas Bischofberger analysiert die Partien des VfB Stuttgart. Foto: Shutterstock/STZN 2 Bilder
Blogger Jonas Bischofberger analysiert die Partien des VfB Stuttgart. Foto: Shutterstock/STZN

Stuttgart - Am Freitagabend erwartete den VfB die taktisch wohl komplizierteste Herausforderung der Saison gegen den VfL Bochum. Gertjan Verbeeks VfL Bochum hebt sich mit mutigem Offensivfußball, extremer Mannorientierung und hohem Pressing deutlich von den anderen Mannschaften der Liga ab. Entsprechend schwer tat sich der VfB mit seinem gerade an die Schwächen des handelsüblichen Zweitligisten angepassten System.

– Bochums Manndeckung schließt die Schnittstellen

– Stuttgart mit Dribblingansätzen

– Hooglands Verletzung als später Knackpunkt

Hier geht’s zur Einzelkritik der VfB-Spieler im Spiel gegen VfL Bochum.

Der VfB begann in seiner üblichen 4-1-4-1-Formation. Die Achter spielten sehr hoch, die Flügel breit und etwas tiefer. Die Außenverteidiger wiederum waren einen Tick offensiver unterwegs als sonst, bemühten sich aber dennoch um eine stabile Absicherung. Die fünf Offensivkräfte attackierten gemeinsam die Abwehrkette und versuchten, sich über Läufe in die Schnittstellen anzubieten. Das Problem dabei war: In Bochums Pressing gibt es praktisch keine Schnittstellen.

Bochums Manndeckung

Mannschaften, die mit Viererkette verteidigen, haben gegen den VfB oft das Problem, dass ihre Abwehrreihe in Unterzahl gegen Stuttgarts fünf Offensivspieler gerät. Meistens ist es dann der Raum zwischen Außen- und Innenverteidiger, der anfällig für Diagonalläufe von Asano und Gentner wird. Bochum vermied solche Freiräume von vorneherein, indem sie in einer relativ strikten Manndeckung verteidigten. So ließ sich zum Beispiel Losilla gegen Asano fast dauerhaft in die Abwehr fallen und stellte eine Fünferkette her. Ähnlich machte es Stiepermann gegen den etwas defensiveren Gentner. Durch die ständige Bewachung fanden die beiden erst mal keine Freiräume, in die sie hätten hineinlaufen können.

Vom nominellen 4-2-3-1 der Bochumer war in der Praxis also nicht viel zu sehen. Es waren aber nicht nur die Manndeckungen, die die Grundformation bei den Gästen einigermaßen unkenntlich machten. Gleichzeitig war das 4-2-3-1 quasi nach rechts gekippt: Rechtsaußen Gündüz zog sich im Pressing etwas zurück und pendelte zwischen Green und Insua, während Quaschner als zweite Spitze neben Mlapa aufrückte. Die beiden stellten gemeinsam mit Zehner Wurtz Stuttgarts Innenverteidiger und den Sechser zu, sodass Langerak immer wieder die kurzen Anspielstationen ausgingen und er zum langen Ball greifen musste. Durch die Manndeckungen kam der VfL auch gut in die Zweikämpfe und holte sich Balleroberungen und Kontermöglichkeiten. Eine davon mündete im Führungstor durch Losilla.

Stuttgart antwortet mit Dribblings

Bochums Manndeckungen hatten aber auch ihre Schwachstellen. Die Verteidiger bekamen durch die klaren Zuordnungen im direkten Duell naturgemäß weniger Unterstützung als in einem raumorientierten Pressingsystem. Gegen die vielen guten Dribbler des VfB hätte das fatal enden können. Tatsächlich zeigte der VfB gute Ansätze durch diagonale Dribblings der Flügelstürmer und Außenverteidiger in das unterbesetzte Bochumer Zentrum hinein. Die Stuttgarter standen sich aber am Flügel gelegentlich auf den Füßen, zogen ihre Manndecker mit sich und stellten sich so gegenseitig die Wege in die Mitte zu. Zudem hatte der jeweilige VfB-Spieler nach dem Andribbeln immer noch eine massive Bochumer Abwehr vor sich.

Gerade im Anschluss an solche Dribblings war außerdem die Bewegung ohne Ball zu simpel organisiert. Die VfB-Spieler blieben im Wesentlichen in ihren zugewiesenen Räumen und interagierten nach klar definierten Mustern. Das ganze war also nicht allzu komplex und für die Manndecker leicht zu überblicken. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit bekam der VfB ein bisschen mehr Tempo und Überraschungsmoment in seine Abläufe rein, nicht zuletzt durch den gut einrückenden Zimmer. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der VfL im Pressing aber auch schon deutlich zurückgezogen.

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Weiterer Spielverlauf

Nach der Pause versuchte Bochum, wieder höher und aggressiver zu verteidigen. Gerade auf den Seiten bekamen sie wieder mehr Zugriff als vor der Pause, zumal Verbeek auf der Rechtsverteidigerposition mit Gyamerah für Dawidowicz offensiv gewechselt hatte. Den Gästen gelang es so, den VfB wieder besser vom eigenen Tor fern zu halten und über Konter Gefahr auszustrahlen.

Nach etwa einer Stunde stellte Wolf dann auf 4-4-2 mit Ginczek als zweiter Spitze um. Dieses 4-4-2 mit seiner noch klareren Raumaufteilung und dem einen oder anderen Absicherungsproblem ließ sich erst einmal gar nicht so gut an. Die Behandlungsphase von Hoogland nutzte der VfB aber direkt zum Ausgleichstreffer. Mit Maxim als eingerücktem Linksaußen stellte Wolf den Bochumern dann noch einmal eine gar nicht so einfache Aufgabe, während die Gäste mit dem angeschlagenen Hoogland als Stürmer kaum noch hinten raus kamen. Ein weiterer Treffer gelang dem VfB aber nicht mehr.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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