Talfahrt bei Trucks Daimler sieht keine Krise im Lkw-Geschäft

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Der Stuttgarter Autobauer Daimler rechnet in diesem Jahr mit einem deutlichen Absatzrückgang und einer niedrigeren Rendite im Lkw-Geschäft. Truck-Chef Wolfgang Bernhard hält dennoch an seinen ehrgeizigen mittelfristigen Zielen fest.

Die Lkw-Marke Mercedes-Benz will in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Foto: dapd
Die Lkw-Marke Mercedes-Benz will in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Foto: dapd

Stuttgart - Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard hält an seinen ehrgeizigen Absatz- und Renditezielen fest, obwohl der größte Lkw-Hersteller der Welt derzeit mit einem heftigen Gegenwind zu kämpfen hat. Bis 2020 sollen weltweit 700 000 Lastwagen verkauft werden, bekräftigte Bernhard auf einer Investorenkonferenz. Im vorigen Jahr waren es einschließlich des Gemeinschaftsunternehmens mit chinesischen Lkw-Hersteller Foton fast 572 000 Fahrzeuge. China gehört zu den Regionen, in denen Bernhard ein deutliches Wachstumspotenzial sieht.

Die konjunkturelle Talfahrt vor allem in den USA sowie in Brasilien wird in diesem Jahr laut Bernhard zu einem deutlichen Absatzrückgang und Stellenstreichungen führen. Das Unternehmen hatte am Dienstag erst bekannt gegeben, dass in den USA sowie in Mexiko weitere 1240 Jobs wegfallen. Am Mittwoch bestätigte Stefan Buchner, der Chef der Lkw-Marke Mercedes-Benz, dass in Brasilien, wo derzeit nach mehreren Kürzungsrunde in zwei Werken noch 10 200 Mitarbeiter beschäftigt sind, weitere 2000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Dazu wurde Anfang Juni ein neues Abfindungsprogramm gestartet. Nachdem die Umsatzrendite der Truck-Sparte seit dem Antritt von Bernhard als Lkw-Chef vor drei Jahren Schritt für Schritt bis auf 7,3 Prozent gesteigert wurde und das mittelfristig angepeilte Ziel von acht Prozent bereits in Sichtweite zu kommen schien, stellt sich der Daimler-Vorstand in diesem Jahr auf einen Rückgang der Rendite ein.

Massives Sparprogramm

Bernhard sieht die Truck-Sparte jedoch nach einem massiven Sparprogramm besser für einen Konjunkturabschwung gewappnet als noch vor einigen Jahren. „Wir haben deutlich mehr Wasser unter dem Kiel“, sagte der Daimler-Vorstand. „Wenn der eine oder andere Markt zurückkommt, wird sich zeigen, wie stark wir sind“, sagte Bernhard mit Blick auf das Renditeziel von acht Prozent. Trotz der erwarteten Rückgänge werde die Truck-Sparte in diesem Jahr immer noch ein sehr gutes Ergebnis erzielen. „Wir sind weit von einer Unternehmenskrise entfernt – es wird ein Superjahr in einem Umfeld, das nicht vorteilhaft ist“, sagte Bernhard.

Ein neues Sparprogramm ist laut Bernhard nicht geplant. „Wir brauchen kein zusätzliches Programm. Wir sind gut aufgestellt, um weiter profitabel zu wachsen“, sagte der Daimler-Vorstand. Gleichwohl präsentierte Bernhard ein ganzes Bündel von Maßnahmen, mit denen die Ertragskraft weiter gestärkt werden soll. Schritt für Schritt sollen immer mehr gemeinsame Komponenten, wie Motoren oder Getriebe in die Fahrzeuge mehrerer Marken des Konzerns eingebaut werden. Teil dieser Standardisierung ist auch eine elektronische Box in der Größe einer Videokassette, die künftig markenübergreifend in die Daimler-Trucks eingebaut und das Herzstück des vernetzten Lkw werden soll. Damit werden alle Echtzeit-Daten gesendet und empfangen. Mit weltweit rund 365 000 vernetzten Lastwagen sieht sich Daimler hier in einer Spitzenposition.

Neuordnung der Produktionsabläufe

Ein deutliches Wachstum peilt auch die Lkw-Marke Mercedes-Benz an. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Absatz von 140 000 auf 200 000 Fahrzeuge zulegen, sagte Markenchef Buchner. Um die Kosten zu senken, soll die Fertigungszeit je Fahrzeug deutlich gesenkt werden, und zwar um ein Viertel binnen zwei Jahren. Dies soll unter anderem durch eine Neuordnung des Produktionsabläufe erreicht werden, so Buchner. Der Markenchef bekräftigte, dass die Beschäftigung im Montagewerk Wörth mit einer Stammbelegschaft von derzeit 11 000 Mitarbeitern in diesem Jahr stabil bleiben soll. Auf mittlere Sicht wird jedoch mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Die Unternehmensleitung hat sich bereits Ende 2014 mit dem Wörther Betriebsrat darauf geeinigt, dass dort bis zum Ende des Jahrzehnts etwa 500 Stellen wegfallen, weil einfache Tätigkeiten, wie etwa in der Vormontage oder der Logistik an Zulieferer vergeben werden. Im Gegenzug hat das Management zugesagt, dass an dem rheinland-pfälzischen Standort insgesamt eine Milliarde Euro investiert werden sollen.

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