Talk-Show für Bodensee-Autorin Gaby Hauptmann Fernsehkarriere mit über 60 Jahren noch möglich

Von Uwe Bogen 

Sie wird Botschafterin gegen den Jugendwahn: Mit 61 Jahren bekommt Gaby Hauptmann eine Talkshow beim SWR. „Lachen“ ist ihr Rezept zum Jungbleiben. In Stuttgart brachte die Autorin Gerhard Schröder und dessen Frau zum Lachen.

Trafen sich im Neuen Schloss in Stuttgart bei der Verleihung des Lothar-Späth-Awards (von rechts): Gerhard Schröder, seine Frau Soyeon Schröder-Kim, Autorin Gaby Hauptmann und ihr Lebensgefährte Josef „Pep“ Schmidbauer. Foto: Wolfgang List
Trafen sich im Neuen Schloss in Stuttgart bei der Verleihung des Lothar-Späth-Awards (von rechts): Gerhard Schröder, seine Frau Soyeon Schröder-Kim, Autorin Gaby Hauptmann und ihr Lebensgefährte Josef „Pep“ Schmidbauer. Foto: Wolfgang List

Stuttgart - Die Mutter von Gaby Hauptmann ist vor kurzem im Alter von 100 Jahren „friedlich beim Mittagsschlaf“ für immer eingeschlafen. Kurz davor war die Schriftstellerin noch mit ihrer Mutter in einer Parfümerie. Die Verkäuferin wollte wissen, „welche Produktlinie“ die alte Dame nehme, weil sie so wenig Falten habe. Ihre Antwort: „Höchstens mal die Marke in der blauen Dose.“ Die 100-Jährige verriet, was außerdem ihrer Gesundheit dient: „Zweimal die Woche ein Cüpli.“ Cüpli ist der Schweizer Ausdruck für ein Glas Sekt oder Schampus.

Gute Gene hat also Gaby Hauptmann, die mit 61 Jahre noch mal durchstartet. Ende April 2019 wird sie Moderatorin einer neuen Talk-Show im SWR-Fernsehen am Samstagabend – an jenem Sendeplatz, an dem bis vor drei Jahren Frank Elstner die „Menschen der Woche“ präsentierte. Beworben hat sich die Autorin darum nicht. TV-Produzent Werner Kimmig hatte die am Bodensee lebende Gaby Hauptmann gefragt, ob sie sich vorstellen könne, einen wöchentlichen „Talk am See“ zu moderieren. Ohne Casting und Probesendung wird dieses Projekt im nächsten Jahr realisiert, wie der SWR bestätigt.

Sendung wird freitagabends am Bodensee aufgezeichnet

Mit 61 vor die Kamera! Beim SWR-Fernsehen ist diese Nachricht eine echte Überraschung. In der „Landesschau“ mussten in der Vergangenheit etliche Moderatorinnen jenseits der 50 abtreten. Bei Fernsehfrauen geht die Angst um, weit vor der Rente ihren Platz vor der Kamera räumen zu müssen. Gaby Hauptmann ist als neue Botschafterin gegen den Jugendwahn nun der Beweis dafür, dass es auch anders geht. Sie will Frauen beim Älterwerden Mut machen, nicht beim Powergeben nachzulassen. Ihre Devise lautet: „Man kann, wenn man will.“ Ihr Können, ungekünstelt und locker mit Menschen reden zu können, dürften ihr geholfen haben, dass die Schriftstellerin nun das Erbe von Frank Elstner antritt. Mit ihm will sie sich nicht vergleichen. „Wir machen etwas ganz anderes“, versichert sie. Einladen wolle sie nicht nur bekannte Menschen. „Ich bin ganz und gar nicht promigeil“, sagt Gaby Hauptmann. Die Geschichten, die ihre Gäste erzählen können, seien wichtiger als Berühmtheiten.

„Lachen hilft mehr als Botox“

Ihr Rezept zum Jung- und Fitbleiben erklärt die künftige Moderatorin so: „Lachen hilft mehr als Botox.“ Wenn sie auftaucht, gibt es immer viel zu lachen. So auch jüngst in Stuttgart im Neuen Schloss. Bei der Verleihung des Lothar-Späth-Awards traf sie Altkanzler Gerhard Schröder und dessen koreanische Frau Soyeon Schröder-Kim. Vor vielen Jahren, als Schröder noch Ministerpräsident in Niedersachsen war und Gaby Hauptmann Jungautorin mit dem Buch „Suche impotenten Mann fürs Leben“, saßen beide in der Talk-Sendung „3 nach 9“. „Wenn Sie jemals Bundeskanzler werden, werde ich Familienministerin“, sagte sie. „Ja, klar!“, meinte er. Der Titel des Buchs machte seine koreanische Frau jetzt so neugierig, dass sie sagte, sie wolle es lesen. Die Autorin lud Frau Schröder-Kim in ihre neue Sendung ein. Dass Gaby Hauptmann mit 61 neu startet, ist schon ein Cüpli wert.

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