Verpufft der Tankrabatt an den Tankstellen? Aktuelle Auswertungen zeigen, wie viel wirklich bei den Autofahrern ankommt.

Digital Desk: Lukas Böhl (lbö)

Zum 1. Mai 2026 ist die Energiesteuer auf Kraftstoffe gesenkt worden. Dadurch sollten Benzin und Diesel an der Zapfsäule günstiger werden. Erste Preisstatistiken zeigen tatsächlich einen deutlichen Rückgang direkt nach Inkrafttreten der Maßnahme. Gleichzeitig machen die Daten klar: Die Entlastung kommt nicht überall gleich stark an – und die Preise steigen im Tagesverlauf weiterhin deutlich.

 

Nach Angaben des Bundeskartellamts wurden die Energiesteuersätze auf Kraftstoffe zum 1. Mai für zwei Monate gesenkt. Die Steuerentlastung beträgt demnach 14,04 Cent je Liter. Einschließlich des geringeren Mehrwertsteueranteils ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von bis zu rund 16,7 beziehungsweise 17 Cent pro Liter.

Was die Preisstatistiken zeigen

Die aktuellen Statistiken von tankpreise.de, clever-tanken.de und ich-tanke.de zeigen übereinstimmend: Am 1. Mai gab es bei Super E5, Super E10 und Diesel einen klaren Preisrückgang.

In den Diagrammen von clever-tanken.de ist für die letzte Woche ein auffälliger Knick nach unten zu sehen. Bei Super E10 lagen die Durchschnittspreise in den Tagen vor der Steuersenkung ungefähr zwischen 2,09 und 2,11 Euro je Liter. Am 1. Mai fiel der Wert sichtbar auf knapp unter 1,98 Euro. Danach stieg der Preis wieder leicht an und lag am 2. Mai bei etwa 1,99 Euro, am Folgetag knapp über 2,00 Euro.

Ein ähnliches Bild zeigt die Statistik für Diesel. Vor dem 1. Mai lagen die Durchschnittspreise laut Diagramm bei rund 2,18 bis 2,20 Euro je Liter. Am 1. Mai fiel der Preis auf ungefähr 2,06 Euro. Anschließend stieg er wieder leicht an, blieb aber zunächst unter dem Niveau der Vortage.

Auch die Screenshots von tankpreise.de zeigen diesen Verlauf. Für Super E5 ist dort für Deutschland ein deutlicher Rückgang am 1. Mai zu erkennen. Vor der Steuersenkung lag der Durchschnittspreis im Bereich von etwa 2,11 bis 2,13 Euro je Liter. Am 1. Mai fällt die Linie je nach Screenshot auf etwa 1,94 bis knapp unter 2,00 Euro. Danach steigt der Preis wieder auf rund 2,02 bis 2,04 Euro.

Bei Diesel zeigt tankpreise.de ebenfalls einen Rückgang: Vor dem 1. Mai bewegt sich der Durchschnittspreis im Diagramm ungefähr zwischen 2,14 und 2,16 Euro. Am 1. Mai sinkt er auf gut 2,02 Euro. Danach steigt die Linie wieder leicht auf etwa 2,05 bis 2,06 Euro.

Die längerfristigen Diagramme von ich-tanke.de zeigen den 1. Mai ebenfalls als starken Ausschlag nach unten. Sowohl bei Diesel als auch bei Super E5 und Super E10 ist im Sechs-Monats-Verlauf ein abrupter Preisrückgang um den 1. Mai herum sichtbar.

Wie stark sind die Preise gefallen?

Aus den sichtbaren Diagrammen lässt sich kein exakter amtlicher Durchschnittswert ablesen. Die Kurven sprechen aber für einen Rückgang in einer Größenordnung von rund 10 bis 15 Cent pro Liter. Das passt zu den vom Bundeskartellamt genannten Zwischenständen: Demnach sanken die Preise vom 30. April auf den 1. Mai im Durchschnitt um knapp 13 Cent. Am Vormittag des 1. Mai lag der Rückgang zeitweise bei rund 14 Cent.

Damit ist ein erheblicher Teil der rechnerischen Entlastung an der Zapfsäule angekommen. Vollständig lässt sich die Weitergabe anhand dieser Statistiken aber nicht belegen. Die theoretische Entlastung liegt bei bis zu rund 16,7 Cent pro Liter. Die sichtbaren Preisrückgänge bleiben im Durchschnitt eher darunter.

Preise steigen nach dem Rückgang wieder

Auffällig ist in allen kurzfristigen Statistiken: Nach dem Tiefpunkt am 1. Mai ziehen die Preise wieder an. Das ist bei Super E5, Super E10 und Diesel zu sehen.

Bei tankpreise.de steigt Super E5 nach dem Rückgang am 1. Mai wieder von knapp unter 2,00 Euro auf etwa 2,02 bis 2,04 Euro. Diesel steigt von gut 2,02 Euro auf etwa 2,05 bis 2,06 Euro. Bei clever-tanken.de ist bei Super E10 nach dem Tiefpunkt knapp unter 1,98 Euro ebenfalls wieder ein Anstieg in Richtung 2,00 Euro zu erkennen. Diesel steigt nach dem Rückgang auf etwa 2,06 Euro wieder in Richtung 2,09 Euro.

Das bedeutet nicht automatisch, dass der Tankrabatt nicht weitergegeben wurde. Kraftstoffpreise ändern sich im Tagesverlauf stark. Gerade die Mittagsspitze ist in den vom Bundeskartellamt genannten Zahlen deutlich: Am 1. Mai stieg Diesel zur Mittagszeit im Schnitt von etwa 2,04 Euro auf rund 2,17 Euro. Bei E5 ging es von etwa 2,01 Euro auf 2,13 Euro, bei E10 von etwa 1,95 Euro auf 2,07 Euro.

Am 2. Mai zeigte sich ein ähnliches Muster. Gegen 10.30 Uhr lagen die Durchschnittspreise laut Bundeskartellamt bei etwa 2,06 Euro für Diesel, 2,03 Euro für E5 und 1,97 Euro für E10. Kurz nach 14 Uhr waren es bereits rund 2,15 Euro Diesel, 2,11 Euro E5 und 2,05 Euro E10.

Regionale Unterschiede bleiben groß

Nach den Angaben des Bundeskartellamts fiel die Preissenkung nicht überall gleich aus. Bei Diesel bewegte sich der Rückgang vom 30. April auf den 1. Mai je nach Region im Schnitt zwischen etwa 9,5 und 16 Cent. Bei E5 lag die Spanne zwischen etwa 10 und 15,5 Cent.

Damit gab es regionale Unterschiede von bis zu 6,5 Cent bei Diesel und bis zu 5,5 Cent bei E5. In weiten Teilen Süddeutschlands lag das Preisniveau am 2. Mai vormittags laut Bundeskartellamt etwa 5 bis 7 Cent niedriger als in Mittel- und Norddeutschland. Als Erklärung werden Unterschiede bei Raffinerie- und Großhandelspreisen zwischen den Regionen genannt.

Was lässt sich daraus ableiten?

Die Statistiken sprechen dafür, dass der Tankrabatt an den Zapfsäulen insgesamt angekommen ist. Bei allen drei Kraftstoffarten ist unmittelbar nach dem 1. Mai ein klarer Preisrückgang sichtbar. Die Größenordnung liegt nach den Grafiken und den Angaben des Bundeskartellamts ungefähr bei 10 bis 15 Cent pro Liter.

Gleichzeitig zeigen die Daten drei Einschränkungen: Erstens entspricht der Rückgang im Durchschnitt nicht durchgehend der rechnerisch möglichen Entlastung von bis zu rund 17 Cent. Zweitens steigen die Preise nach dem Rückgang wieder sichtbar an. Drittens gibt es große Unterschiede zwischen Regionen, Uhrzeiten und vermutlich auch einzelnen Tankstellen.

Ein abschließendes Urteil ist deshalb nach den ersten Tagen nicht möglich. Dafür müssten Rohölpreise, Raffineriepreise, Großhandelspreise und die normale Tagespreisdynamik genauer einbezogen werden.