Tankstelle mitten in Gerlingen Selbst die Tankstellen-Chefin wünscht sich günstigere Spritpreise

Die Frau von der Tankstelle: Insa Erdmann-Bartl verkauft mitten in Gerlingen Sprit. Foto: Simon Granville

Die Tankstelle von Insa Erdmann-Bartl ist Kult. Seit über fünf Jahrzehnten gibt es sie mitten in Gerlingen. Die 52-jährige Chefin liebt ihren Job – hohe Spritpreise dagegen nicht.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Insa Erdmann-Bartl ist im Ort bekannt wie ein bunter Hund. Die quirlige 52-Jährige betreibt mitten in Gerlingen eine Tankstelle, und wer die Chefin bei der Arbeit trifft, merkt ihr die Leidenschaft für ihren Job rasch an. Der selbst – oder gerade – in diesen Zeiten hart ist: Denn die Spritpreise können noch so hoch sein, Insa Erdmann-Bartl profitiert so ganz und gar nicht davon.

 

In Spitzenzeiten fließen an ihren vier Zapfsäulen monatlich rund 200 000 Liter Sprit in die Fahrzeuge der Kunden. Pro Liter erhält Insa Erdmann-Bartl zwischen anderthalb und drei Cent – unabhängig von den Preisen für Benzin und Diesel. Sie könne nur dann über den Sprit mehr Geld verdienen, wenn mehr Leute tanken. Doch hohe Preise bedeuten weniger Kundschaft. Je mehr Geld der Sprit kostet, desto mehr bangt Insa Erdmann-Bartl also um ihren Verdienst.

Regierung senkt Mineralölsteuer: Hoffnung für Tankstellen und Kunden

Jetzt scheint Entlastung in Sicht: Die Bundesregierung senkt die Mineralölsteuer. Demnach soll die Energiesteuer bei Diesel und Benzin um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter begrenzt auf zwei Monate gesenkt werden. Die Regierung erwartet nach eigener Aussage, dass die Mineralölbranche die Entlastung weitergebe. Auf billigeren Sprit hofft auch Insa Erdmann-Bartl.

Gehört dazu: der Tankstellenshop. Foto: Simon Granville

Die Gerlingerin hat auf die Preise für Benzin und Diesel, was sie für das Mineralölunternehmen Aral verkauft, das wiederum dem britischen BP-Konzern gehört, keinen Einfluss. Die Preise werden zentral am Unternehmenssitz in Bochum gesteuert. Kurz bevor sie steigen oder sinken, kommt bei Insa Erdmann-Bartl ein Zettel aus der Kasse mit der Information, dass die Preise gleich umgestellt werden. Die Preisanzeige verändert sich automatisch. Die Literpreise von Marken-Tankstellen wie Aral sind für gewöhnlich ein paar Cent teurer als die der freien Tankstellen. „Ich wäre auch gern günstiger“, sagt Insa Erdmann-Bartl. Das geht allerdings nicht.

Ihre Kunden wüssten, dass sie nichts für die Preise könne. „Keiner versteht die hohen Preise, und alle sind sauer. Die Wut kriegen wir aber nicht ab“, sagt die Unternehmerin, die ein insgesamt zehnköpfiges Team aus Angestellten hat. Sie lacht. Ihre Eltern seien damals immer angerufen worden, wenn sich die Spritpreise änderten. Danach stiegen sie auf die Leiter, um die Preise händisch umzustellen. „Früher wurde auch noch das Tanken für die Kunden übernommen.“

Zentral gelegen: Waschanlage als Umsatzbringer

Umsatz macht Insa Erdmann-Bartl eher mit Zigaretten, Zeitschriften, Kaffee, Kaltgetränken und Snacks. Einen großen Batzen Geld bringt die Waschanlage, um die sie deshalb besonders froh ist. „Die Leute konsumieren von allem weniger“, stellt Insa Erdmann-Bartl fest. Sie schätzt, dass vier Fünftel der tankenden Kunden noch was in ihrem Shop kauft oder das Auto waschen lässt. Andererseits kämen in der Weilimdorfer Straße viele Leute wie Handwerker vorbei, die nicht tanken, sondern nur den Shop oder die Waschanlage nutzen. „Ich habe das Glück, dass die Tankstelle zentral liegt“, meint Insa Erdmann-Bartl. Seit dem Brand im Engelbergtunnel sei die Weilimdorfer Straße noch frequentierter.

Insa Erdmann-Bartl ist mit der Tankstelle aufgewachsen. Ihre Familie betreibt sie seit über fünf Jahrzehnten. Die Eltern übernahmen sie im Jahr 1970. Erst pachteten sie die Tankstelle, bald kauften sie das Grundstück samt Haus. Die Infrastruktur wie die Tanks im Boden, die Zapfsäulen und der Preismast gehört indes Aral. „Wir konnten immer irgendwie davon leben“, sagt Insa Erdmann-Bartl. Zumal Tankstellen früher ganz besondere Orte waren: Energydrinks beispielsweise habe man nur dort bekommen, ebenso gekühlte Getränke, erinnert sich Insa Erdmann-Bartl. „To-Go-Eis gab es nur bei mir.“ Wo heute die familieneigene Waschanlage ist, reparierte ihr Vater einst Fahrzeuge. Er hatte bei Daimler eine Lehre im Kfz-Bereich gemacht.

„Mir hat die Arbeit immer Spaß gemacht“ – Insa Erdmann-Bartls Einstieg

Mit 15 Jahren begann Insa Erdmann-Bartl bei ihren Eltern als Aushilfe zu jobben. Als die Mutter krank wurde, sprang zunächst die ältere Schwester ein, um den Vater zu unterstützen. Insa Erdmann-Bartl, ausgebildete technische Zeichnerin, stieg später mit ein. „Mir hat die Arbeit immer Spaß gemacht. Ich mag alle Menschen und habe sie gern um mich herum.“ Die Kunden wiederum kämen gern in die Weilimdorfer Straße, „weil wir freundlich sind“, sagt Insa Erdmann-Bartl und grinst. Sie kenne alle Kunden, viele seien Stammkunden.

Dann wird sie ernst. Würde das Gelände nicht ihr gehören, hätte sie den Beruf wohl längst an den Nagel gehängt. „Ich müsste sonst Personal einsparen und täglich mindestens zehn bis zwölf Stunden hier sein“, sagt Insa Erdmann-Bartl, Mutter von fünfjährigen Zwillingen. Als Nicht-Eigentümerin wäre nämlich eine Pacht fällig. Gleichwohl sind inhabergeführte Tankstellen eher unüblich. Ebenso ist es offenbar eine Ausnahme, dass es wie bei Insa Erdmann-Bartl zu jeder Autowäsche einen Kaffee gratis gibt. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“

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