Tankstelle und Produktion vor Ort „Grüner“ Wasserstoff aus Waiblingen

In Waiblingen soll man demnächst Wasserstoff tanken können. Foto: dpa/Hannibal Hanschke

Die schon seit einiger Zeit angedachte Wasserstoff-Tankstelle in Waiblingen kann gebaut werden. Der Betreibergesellschaft wurde jetzt die Genehmigung erteilt. Das Besondere an dem Projekt: Der benötigte Wasserstoff wird vor Ort produziert.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Es könne losgehen: Eine von den Stadtwerken Waiblingen und der Schleswig-Holsteiner Firma GP Joule gegründete Projektgesellschaft hat laut eigenen Angaben die Genehmigung für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur in der Stauferstadt erhalten. Auf einem Grundstück am Rande eines Fachmarktzentrums in der Stuttgarter Straße soll nicht nur eine Tankstelle entstehen, sondern der Wasserstoff auch hergestellt werden. Die Verantwortlichen sprechen vom „ersten nachhaltigen Wasserstoffmobilitätsprojekt in der Region“.

 

Wasserstoff wird selbst produziert

Der Wasserstoff soll vor Ort von einem Elektrolyseur erzeugt werden. Mit „grünem“ Strom werde Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Wo genau der Strom herkommen wird, teilt die neue Unternehmung HY.Waiblingen, an der die Stadtwerke rund die Hälfte der Anteile halten, nicht mit. Nur so viel: Das nachhaltige Wasserstoffprojekt solle grünen Wasserstoff aus „regionalen erneuerbaren Energien“ produzieren. Ursprünglich war vorgesehen, den kompletten Strom über Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Daimler-Hallen auf dem Waiblinger Hess-Areal selbst zu herzustellen. Wegen der für den ÖPNV ungünstigen Verkehrslage wurde von dem Standort Abstand genommen.

Nun also soll im Anschluss an das Fachmarktzentrum am Waiblinger Tor gebaut werden. Das selbst erklärte Ziel der Projektpartner – neben den Stadtwerken und GP Joule gehört die Innovations- und Technologietransfergesellschaft Item UG dazu – ist, Anfang des kommenden Jahres mit der Produktion zu starten.

Tankstelle für Brennstoffzellenbusse

Der vor Ort erzeugte Wasserstoff soll gespeichert und an der Tankstelle nebenan als Treibstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge bereitgestellt werden. An der Tankstelle können sowohl Brennstoffzellen-Lkw und -Busse als auch Autos befüllt werden, die jeweils unterschiedliche Druckbetankungen benötigen. Ein großer Abnehmer könnte ein Teil der Busbetriebe sein, die im Auftrag des Landkreises unterwegs sind. Der Kreis hat auch mit Blick auf das Projekt für die Neuausschreibung mehrerer Buslinien im Unteren Remstal den Einsatz von Brennstoffzellenbussen verbindlich vorgegeben.

Darüber hinaus soll der in Waiblingen produzierte Wasserstoff nach Möglichkeit auch als grüne Alternative in industriellen Prozessen zum Einsatz kommen. Für diesen Zweck sollen zwei Wasserstofftrailer am Produktionsstandort bereitgestellt werden, in denen der Wasserstoff gespeichert und anschließend zu den Industriekunden geliefert werden kann.

Stadtwerke-Geschäftsführer spricht von Leuchtturmprojekt

Bernhard Zipp, der Geschäftsführer von HY.Waiblingen und zugleich Geschäftsführer der Stadtwerke Waiblingen, ist überzeugt: „Der Baustart für unser Wasserstoffmobilitätsprojekt markiert einen entscheidenden Schritt für die Energiewende in der Region.“ Das „Leuchtturmprojekt“ werde seiner Ansicht nach nicht nur die lokale Wertschöpfung stärken, sondern auch als Vorbild für viele weitere nachhaltige Energieprojekte dienen.

Das Projekt HY.Waiblingen, das nach dem Vorbild des von GP Joule initiierten Wasserstoffmobilitätsprojektes eFarm Nordfriesland realisiert wird, erhält eine Förderung im Rahmen des bundesweiten Programms HyLand von knapp 5,3 Millionen Euro.

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