„Tannhäuser“ in Heidenheim Wagner, gegen den Strich gebürstet
Bei den Opernfestspielen Heidenheim gibt es jetzt „Tannhäuser“ Open Air in der Burgruine: in einer kurzweiligen Inszenierung vor wunderschöner Kulisse.
Bei den Opernfestspielen Heidenheim gibt es jetzt „Tannhäuser“ Open Air in der Burgruine: in einer kurzweiligen Inszenierung vor wunderschöner Kulisse.
Erlösung geht anders. „Heil, Heil!“ singt der Chor in der Schlussszene, und ginge es nach Richard Wagner, dann ginge der Titelheld nun befreit ein „in der Seligen Frieden“. Tut er aber nicht. Bei den Opernfestspielen Heidenheim endet „Tannhäuser“ mit einer Erdrosselung: Im nach vorne hin offenen, rot glänzenden „Drive Motel“ von Venus, das Stefan Brandtmayr auf die Bühne gestellt hat, stranguliert Wolfram von Eschenbach seinen Kumpel.
Er kann nicht anders. Zumindest nicht in dieser Inszenierung. Die findet am Sonntagabend zwar in der lauschigen Frischluft-Atmosphäre von Burg Hellenstein statt, treibt dem Stück aber alles Salbungsvolle, Getragene und Betuliche aus. Der Regisseur Georg Schmiedleitner sorgt für Tempo – und stellt Tannhäuser als Stinkstiefel, Revoluzzer und Narzissten auf die Bühne. Dieser Mann stört: den Freundeskreis, die Moralvorstellungen der Gesellschaft. Immerfort auf der Suche nach Aufmerksamkeit, fällt er den anderen beim Sängerwettstreit ins Wort, pinkelt auf die Bühne, rempelt, tobt. James Kee spielt das Enfant terrible grandios, und als Sänger hält er nicht nur durch (was angesichts der langen Erzählung im letzten Akt eine echte Leistung ist), sondern steigert sich sogar.
Dabei hilft ihm auch die Akustik: Auf der Tribüne im ehemaligen Rittersaal klingt das Orchester immer leiser als die Stimmen. Hier muss kein Sänger forcieren, und man bräuchte, gäbe es nicht die eine oder andere nichtdeutsche Artikulation, keine Übertitelung – so gut versteht man das Gesungene. Auch Marcus Bosch sorgt am Pult der Stuttgarter Philharmoniker für einen klaren, lichten, außerdem oft fein beschwingten Klang. Szenisch wie musikalisch ist in Heidenheim ein sehr leichtfüßiger „Tannhäuser“ zu erleben. Herausragende Sänger sind Birger Radde als Wolfram und Leah Gordon als Elisabeth, die hier einmal nicht das Klischee der heiligen Anti-Hure erfüllen muss. Das entzieht dem Stück zwar einen Teil seines theatralisches Potenzials, doch die Regie kompensiert das reichlich. Und die Natur spielt ebenfalls mit: Pünktlich zur „Abendstern“-Arie erscheint die Venus am Nachthimmel. Heil, Heil!
Tannhäuser“ in Heidenheim : nochmals am 8., 9., 16., 22. und 30. Juli. Karten unter 073 21 / 327 42 20 und www.opernfestspiele.de