Tante-Helene-Lädle im Freilichtmuseum Beuren Einkaufen und in Nostalgie schwelgen

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Das Museumslädle in Beuren ist ein Original-Laden aus Nürtingen aus dem Jahr 1929. Ehrenamtliche führen das Geschäft und verkaufen regionale Zutaten, Emaille-Geschirr und die beliebten Himbeerbonbons.

Der Erlös aus dem Tante-Helene-Laden kommt dem Freilichtmuseum zugute. Hier gibt es Einblicke in das ländliche Leben  zu früheren Zeiten. Foto: Ines Rudel 9 Bilder
Der Erlös aus dem Tante-Helene-Laden kommt dem Freilichtmuseum zugute. Hier gibt es Einblicke in das ländliche Leben zu früheren Zeiten. Foto: Ines Rudel

Beuren - Neunzig Jahre und mehrere Umzüge hat das Tante-Helene-Lädle mittlerweile auf dem Buckel. Seit 1997 wird es im Freilichtmuseum Beuren von Mitgliedern des Fördervereins betrieben. Eröffnet wurde es 1929 in der Werastraße in der Nürtinger Innenstadt. Benannt ist es nach seiner Betreiberin Helene Schach, die den damaligen Kolonialwarenladen von 1945 bis 1992 führte und alles für den täglichen Bedarf anbot: Seife, Getreide, Putzmittel, Nudeln, Nüsse, Kaffee und Süßigkeiten wie Bonbons aus dem Glas. Die gibt es auch heute noch im Tante-Helene-Lädle – einzeln aus der Bonbonnière. „Die sind bei uns der Renner, vor allem die Himbeerbonbons und die Brausestäbchen“, sagt Ingrid Plessing.

Ehrenamtliche aus dem Förderverein organisieren den Laden

Die 65-Jährige ist eines von 57 Mitgliedern des Fördervereins des Freilichtmuseums, die das Museumslädle führen. Beim Kassendienst wird sich abgewechselt, jeder wird so oft eingeteilt, wie er kann und möchte.

Etwa dreimal im Jahr hat Ingrid Plessing Ladendienst. Dafür fährt sie aus ihrem Heimatort Schlaitdorf extra nach Beuren. „Ich mache das jetzt seit 22 Jahren, und ich freue mich jedes Mal drauf.“ Plessing ist gelernte Kauffrau und mittlerweile wie viele aus dem Tante-Helene-Team in Rente.

„Am besten weichen Sie die Geschirrtücher vor dem Waschen in kaltes Wasser ein. Dann sind sie saugfähiger“, berät sie eine Kundin, die dem Freilichtmuseum einen Besuch abgestattet hat, bevor sie ins Lädle kam. Dort einkaufen kann man aber auch, ohne ins Museum zu gehen.

Laden hat schon viele Umzüge hinter sich

Bis vor ein paar Jahren war der Laden in einer Scheune im Museumsdorf untergebracht, bis er im Zuge des neu gebauten Eingangshauses an seinen neuen Standort verlegt wurde. Insgesamt dreimal ist der Laden bereits umgezogen und im Originalzustand wieder aufgebaut worden – eine der Kernkompetenzen des Museums. Ein paar Treppenstufen führen nach oben in den Verkaufsraum, genauso, wie es früher in der Werastraße der Fall war, erklärt Plessing. Die Eingangstür ist über Eck, als ob sie sich an einer Straßenecke befinden würde. Drinnen steht die Verkaufstheke aus den 20er Jahren, über deren Tresen bereits die Kolonialwaren der Familie Schach gingen. Kokosraspel, Muckefuck, Erbswurst, Nudeln, Pomade, Mehl, Marmelade, Gewürze und Süßigkeiten.

Im Regal hinter der Verkaufstheke geben die Schilder auf den Schubladen Aufschluss darüber, wie damals verkauft wurde. Reis, Mehl und andere Lebensmittel wurden offen aus Schubladen herausgenommen und abgewogen. „Das geht so heute natürlich nicht mehr. Wobei, jetzt kommen ja solche Läden wieder in Mode, diese Unverpackt-Läden“, sagt Plessing.

„Viele Kunden fühlen sich hier in frühere Zeiten versetzt“

„Wir versuchen jedenfalls, so viel wie möglich in Anlehnung an die damalige Zeit im Sortiment zu haben. Wir setzen auf regionale Produkte und auf Waren, die an frühere Zeiten erinnern, wie etwa Emaille-Geschirr.“ Auch die Geschirrtücher, für die sich die anwesende Kundin interessiert, gehören zum Sortiment des historischen Ladens. Die Frau bestaunt die vielen Dosen, historischen Kaffeemühlen und alten Verpackungen, die zur Dekoration ausgestellt sind. „So eine Keksdose habe ich auch noch zu Hause, da kommen immer die Weihnachtsplätzchen rein“, sagt sie und zeigt auf einen der Blechbehälter im Regal, bevor sie sich für die karierten Geschirrtücher entscheidet.

„Viele Kunden fühlen sich hier in frühere Zeiten versetzt. Manche kennen solche Läden aus ihrer Kindheit. Wir tauschen uns hier aus. Das ist einfach schön“, sagt die ehrenamtliche Verkäuferin.

Typische Lebensmittel und Spezialitäten wie Alblinsen, Wibele, Hägenmark, Honig, Wein und Spirituosen aus der Umgebung gehören zu den Verkaufsschlagern im Tante-Helene-Lädle, dessen Erlös der Museumsarbeit zugeführt wird. Außerdem gibt es handgefertigtes Holzspielzeug, Handarbeiten von Mitgliedern des Fördervereins, Backformen für typische Leckereien wie Springerle oder Pfitzauf. Einen besonderen Service liefern die Mitarbeiter laut Plessing obendrauf: „Manche Gerichte kennen die Leute heute ja gar nicht mehr. Wenn jemand Interesse hat, geben wir auch Rezepte zu den jeweiligen Spezialitäten raus.“

Einkaufen im Tante-Helene-Lädle

Öffnungszeiten Vom 31. März bis zum 3. November 2019 ist das Lädle dienstags bis samstags von 12.30 bis 17.30, sonntags von 11 bis 17.30 Uhr geöffnet. Einkaufen ist unabhängig von einem Museumsbesuch möglich.

Förderverein Der Förderverein Freilichtmuseum Beuren unterstützt seit 1994 das Museum. Der Verein hat rund 2800 Mitglieder, von denen viele mit ehrenamtlichem Engagement die Idee des Museums fördern, einen Lern- und Erlebnisort für die ländliche Kulturgeschichte zu bieten. www.freilichtmuseum-beuren.de.