Tanya Lieske bei der Lesart in Esslingen Die Dino-Jagd macht Lust aufs Lesen

Die Autorin Tanya Lieske weiß genau, was Kinder gerne lesen wollen. Foto: Roberto Bulgri/n

Tanya Lieske weiß, was Kinder gerne lesen. Mit dem zweiten Band ihrer „Weltklasse“-Reihe war die Autorin nun bei der Esslinger Lesart zu Gast. Zur Begeisterung ihrer jungen Fans.

Reporter: Alexander Maier (adi)

„Lesen ist ein grenzenloses Abenteuer der Kindheit“, hat uns die unvergessene Astrid Lindgren ins Stammbuch geschrieben. Schon deshalb sollten Erwachsene alles dafür tun, dass Kinder und Jugendliche dieses Abenteuer so oft und so intensiv erleben können wie nur möglich. Tanya Lieske tut das Beste, um junge Menschen für das Lesen zu begeistern: Sie schreibt ebenso spannende wie unterhaltsame Kinderbücher, die genau den richtigen Ton für das junge Publikum treffen. Dass das bei vielen Mädchen und Jungen ankommt, hat Lieske als Gast der Esslinger Literaturtage Lesart einmal mehr erfahren: Ob in einer öffentlichen Lesung im Kutschersaal oder bei zwei Auftritten in örtlichen Schulen – ihre jungen Zuhörerinnen und Zuhörer waren begeistert bei der Sache.

 

Nachwuchs-Detektive im Einsatz

Die Jungs und Mädchen, von denen die Kinderbuchreihe „Wir sind (die) Weltklasse“ (Hanser Verlag, 15 Euro) erzählt, sind ganz schön pfiffig. Sie kommen aus aller Herren Länder – und wer bei ihnen ins Klassenzimmer guckt, kann eine Weltreise machen, ohne selbst verreisen zu müssen. Zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Frau Meister erleben Mariam, Bianca, Yussuf, Francis, Artem und all die anderen eine herrliche Schulzeit. Die Rektorin Frau Grützkow ist ganz in Ordnung, und der Hausmeister heißt nur Herr Schrecklich, ist aber eigentlich ganz nett. Im zweiten Band der Reihe, der den Untertitel „Die verschwundene Matilda“ trägt, ist das detektivische Gespür der Kinder gefragt, als am ersten Schultag nach den Sommerferien der heiß geliebte Klassendino Matilda plötzlich nicht mehr an seinem angestammten Platz steht. Klar, dass die Kids der Weltklasse beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn einem nur wenige Spuren wie ein graues Haar oder einen blauen Wollfussel zur Verfügung stehen ...

Das junge Lesart-Publikum hätte gar zu gern gewusst, was hinter Matildas Verschwinden steckt, doch da hielt sich Tanya Lieske bedeckt: „Am besten lest ihr das selbst im Buch nach.“ Das zu erreichen, ist ja schließlich das Anliegen der Autorin, die sich auch als Literaturkritikerin und Radiomoderatorin einen Namen gemacht hat: „Literatur ist für mich mehr als Schrift auf Papier. Das, was Menschen denken und schreiben, gestaltet die Welt, in der wir leben.“ Und weil man gar nicht früh genug damit anfangen kann, in die Welt der Bücher einzutauchen, schreibt Tanya Lieske besonders gern für ein junges Publikum. „Wir leben in bewegten Zeiten“, sagt die Autorin. „Ob wir in der Lage sind, zuzuhören und Texte zu verstehen, kann mit entscheidend dafür sein, wie es mit unserer Demokratie weitergeht.“ Lesen und Schreiben eröffneten die Möglichkeit zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und könnten großes Lebensglück bescheren. „Wenn eines von beidem wegfiele, wäre das schrecklich für mich.“

Die Weltklasse gibt es wirklich

Zwei „Weltklasse“-Bände sind bereits erschienen, ein dritter soll demnächst folgen. Dass Tanya Lieske den richtigen Ton trifft, um junge Leserinnen und Leser zu begeistern, mag auch daran liegen, dass ihre Weltklasse ein reales Vorbild hat. Vor Jahren hat sie bei einem Schulbesuch eine Klasse und deren Lehrerin kennengelernt, die sie begeistert hat. Und weil sie es liebt, über Kinder zu schreiben, ist daraus eine ganze Buchreihe entstanden.

Die dürfte gerne ewig weitergehen, wenn es nach ihren jungen Esslinger Fans geht. Doch dem Projekt ist eine natürliche Grenze gesetzt: Nach der vierten Klasse werden die Kids verschiedene Schulen besuchen – die Weltklasse wird dann nur noch Erinnerung an eine wunderschöne Schulzeit sein. Doch auch da hatten ihre Zuhörerinnen und -hörer eine Lösung parat: „Dann schreiben Sie einfach über jedes Kind ein eigenes Buch.“ Langweilig würde das bei einer Autorin wie Tanya Lieske, die Kindern ganz viel mitgeben möchte, gewiss nicht.

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