Tanz im Forum in Ludwigsburg Der Krieg und seine Folgen – „Troja“ von Andonis Foniadakis

Szene aus „Troja“ Foto: Marie-Laure Briane

Und immer wieder Krieg: Das Forum am Schlosspark in Ludwigsburg eröffnet seine Spielzeit mit Andonis Foniadakis’ „Troja“ und dem Ballett des Gärtnerplatz-Theaters.

Seit es Menschen gibt, werden Kriege geführt. Jede blutige Auseinandersetzung trägt als Echo den Keim für künftige Kämpfe in sich. Es ist ewig das Gleiche. Andonis Foniadakis geht es in seinem jüngsten Ballett „Troja“, Ende Juni am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz uraufgeführt, ums Grundsätzliche. In Anlehnung an Euripides’ „Die Troerinnen“ befragt der von Maurice Béjart geprägte, in Paris lebende Choreograf die kollektiven Folgen von Kriegen. Am Samstag eröffnete das Tanzforum Ludwigsburg die Saison mit diesem ebenso düsteren wie bilderreichen Werk und machte für das Gärtnerpatz-Orchester sogar den Graben auf.

 

Ihr Schrei gilt den Frauen Trojas

Zwei Ordnungen bestimmen anfangs die Bühne: Da ist das Heer der Griechen, das von einem stilisierten Tempeldach aus Stäben beschirmt wird. Zum Elektrosound tritt es stampfend, mit zackigen Armbewegungen als gleichgeschaltete Formation auf. Mit dem Hochfahren des hinteren Vorhangs werden die Figuren im kühlblauen Gegenlicht zu geisterhaften Schatten. Zwischen ihnen bricht sich als Künderin weiterer Schrecken eine barbusige Protagonistin mit gülden schimmerndem Schild Bahn. Ihr Schrei gilt den Frauen Trojas, die mit Reigentänzen und organischen Verschmelzungen die zweite Ordnung verkörpern. Diese zerbirst, als sie von den Eroberern umzingelt werden.

Erschütterung weicht der Ermüdung

Von nun an bestimmen in alle Richtung ausschlagende Arme, sich spreizende und umschlingende Beine und gummiartige Vor- und Rückbeugen das oft fahrige Geschehen. Dieses wird mehr über Bühnenbildwechsel, eingesprochene Texte rund um die Seherin Kassandra und die wechselvolle Musik (Avro Pärt, Bryce Dessner und Julien Tarride, der alle akustischen Stränge zusammenführt) evoziert als über die Sprache des Körpers. Das liegt vor allem daran, dass Foniadakis Dynamik und Tempo kaum variiert. So gilt für den Tanz das Gleiche wie für die Menschheit und ihre Kriege: Es wiederholt sich, die Erschütterung weicht der Ermüdung. Einzelne Szenen hallen dennoch nach, etwa das Frauensolo auf der Treppe, von der ein Junge (der troische Thronfolger Astynax) in den Abgrund gestoßen wurde. Der Schmerz der Mutter erfasst die herbeieilenden Frauen. Nun ist klar: Diese Tat wird nie vergeben werden. Ein weiterer Krieg ist programmiert.

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