Tanz im Wasserspeicher Willkommen im Menschenaquarium

„Counter Balance“ heißt Lior Levs Tanzstück, das eine Unterwasseratmosphäre schafft. Foto: Yakup Zeyrek/PZ

Die Freie Tanz- und Theaterszene öffnet den historischen Wasserspeicher im Stuttgarter Osten für die Kunst und das Publikum. Zum Auftakt ließ Lior Lev tanzen.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Stuttgart - Die schmucken Backsteinfassaden sind rot angestrahlt und leuchten den Weg: Noch bis Ende Oktober bespielt die Freie Tanz- und Theaterszene den historischen Wasserspeicher am Urachplatz im Stuttgarter Osten. Ein Neubau hat dazu geführt, dass in den Kammern des alten Speichers Ebbe herrscht und nun die Kunst einziehen kann.

 

„Interventionen II“ heißt das Programm, das den unterirdischen Ort mit Klanginstallationen, Tanz und Performances erlebbar machen will. Bevor das eigentliche Festival an diesem Freitag startet, gab es bereits am Dienstag und Mittwoch eine Art Warm-up. Das Produktionszentrum für Tanz und Performance zeigte aus Anlass seines 20. Geburtstags die Jubiläumsproduktion „Counter Balance“, für die der israelische Choreograf Lior Lev, ein Mitglied der ersten Stunde, elf Tänzerinnen und vier Musiker im Untergrund zusammenbrachte.

Sirenenhafter Gesang verstärkt die Unterwasseratmosphäre

Treppen und ein schmaler Gang führen in den Untergrund, eine Bahn aus blauem Licht weist den Weg durch eine von vielen Säulenreihen getragene Halle. Nur schemenhaft sind die Tänzerinnen hinter den Pfeilern der benachbarten Kammer zu erkennen. Tropfgeräusche, peitschende Perkussion und sirenenhafter Gesang schaffen eine Unterwasseratmosphäre; der Tanz greift sie mit Wellenbewegungen der Arme und mit Händen auf, die wie Flossen zittern.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Das Jubiläum – 20 Jahre Produktionszentrum

In Lior Levs Menschenaquarium geht es um den Schutz des Schwarms und die Verletzbarkeit des Einzelnen. Sommerleicht und in Weiß gekleidet wirken die Tänzerinnen meditativ wie Medusen, die mit fließendem Tanz Tiefe und Weite des Raums erkunden. Dann macht klagender Gesang die Halle zum sakralen Ort, dessen Leere auf der wippenden, schreitenden Gruppe lastet.

Am Ende wirken diese Tanzskizzen mit kräftigeren Impulsen in den Raum hinein; mehr davon hätten „Counter Balance“ gutgetan. Doch auch so malen die mit farbigem Licht ausgestrahlten Szenen den Kreislauf von Werden und Vergehen, von Auf- und Abtauchen stimmungsvoll in einen Raum, dessen besondere Atmosphäre lange nachhallt.

„Interventionen II“ bespielt den Wasserspeicher bis zum 31. Oktober. Vorstellungen Donnerstag bis Samstag: 19.30 Uhr, 20 Uhr und 20.30 Uhr. Sonntags: 17.30 Uhr, 18 Uhr und 18.30 Uhr. Anmeldung und Tickets unter www.tickets.ftts-stuttgart.de.

Info

Festival
„Interventionen II“ bespielt den Wasserspeicher bis zum 31. Oktober. Die Veranstaltungen finden in geführten Gruppen statt, sind nicht barrierefrei und nur mit 3-G-Nachweis zugänglich. Tickets sind online erhältlich unter: www.tickets.ftts-stuttgart.de. Vorstellungen Donnerstag bis Samstag: 19.30 Uhr, 20 Uhr und 20.30 Uhr. Sonntags: 17.30 Uhr, 18 Uhr und 18.30 Uhr.

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