Tanzdemo in Stuttgart Raver fordern mit lauter Musik mehr Raum für Subkultur
DJs und Raver haben sich am Samstag zu einer Tanzdemo durch Stuttgart eingefunden. Sie fordern mehr Raum für ihre Kultur und kritisieren insbesondere die Stadt.
DJs und Raver haben sich am Samstag zu einer Tanzdemo durch Stuttgart eingefunden. Sie fordern mehr Raum für ihre Kultur und kritisieren insbesondere die Stadt.
Es gibt ein Problem, womit sich Veranstalter von Musikevents in Stuttgart immer wieder konfrontiert sehen: Viele Standorte und Flächen, die junge Menschen gerne für Tanzveranstaltungen mit lauter Musik nutzen würden, scheitern an Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigung.
Um unter anderem auf dieses Thema aufmerksam zu machen, haben sich am Samstag insbesondere junge Menschen und Fans von elektronischer Tanzmusik zu einem Festzug durch Stuttgarts City eingefunden. Die Demonstranten spielten auf 17 Wagen mit DJs laute Musik und machten den Lärm, den sie ihrer eigenen Einschätzung nach sonst selten machen dürfen.
„Wir sehen keinen Widerspruch zwischen Subkultur und Wohnraum“, sagt DJ und Aktivist Maxim Janzen. Man könne auch mit Anwohnern an Konzepten arbeiten, doch brauche man dafür die Unterstützung der Stadt. Bei vielen Prüfungen von Flächen für kulturelle Nutzungen erhgielten sie kaum Hilfe von den Behörden, sagt er. Es gebe lange Wartezeiten und keine Vorschläge von der Stadt, so die Kritik. Daher gingen sie an diesem Tag auf die Straße.
Die DJs und Kollektive haben sich zunächst im Stadtgarten der Uni eingefunden, um auf ihre Ziele aufmerksam zu machen. Anschließend sind sie über die Theodor-Heuss-Straße durch die Stadt gezogen und haben weitere Kundgebungen veranstaltet. Zu ihren Forderungen zählen auch ein Runder Tisch für Subkulturen und Fördermittel.
Die Demonstrierenden haben nicht nur mit sehr lauter Musik, sondern auch mit bunten Outfits und Schildern auf sich aufmerksam gemacht. „Umgang mit Lärm neu denken“, fordern sie. Oder: „Nicht alle Schwaben können nach Berlin.“ Oder: „Bass statt Hass.“ Ein Wagen war dekoriert wie ein gigantischer Drachenkopf, in dessen Maul ein DJ-Pult aufgebaut war. Ein anderer Wagen war mit grünen Ästen und Pflanzen verziert. Das Motto: möglichst auffällig sein.
„Wie schwer wir es haben, in der Stadt einen Raum für unsere Kultur zu bekommen, kann man am Beispiel Contain’t sehen“, sagt die Aktivistin und DJ Rosa Klingelhöfer. Der Stuttgarter Kulturverein sucht seit Jahren nach einem dauerhaften Standort. Lange Zeit waren sie in den Wagenhallen untergebracht, mussten dann ihren Platz frei machen für die Interimsoper. „Es erweckt den Eindruck, als hätte die Stadt Milliardenbeträge für Hochkultur wie die Oper, aber nur wenig Förderung für unsere Subkultur“, sagt Rosa. Es bliebe viel Arbeit an Ehrenamtlichen hängen. Um ihnen Anerkennung zu geben, müsste man sie fair bezahlen. Darauf wollen sie auch mit der Tanzdemo aufmerksam machen.