Tanzen in Stuttgart Von „Upside down“ bis Schostakowitsch

Von Petra Mostbacher-Dix 

Eine Tanzschule und eine Disco haben zum Tanz geladen. Dort wurde für viele musikalisch veranlagte Stuttgarter die Nacht zum Tag.

Disco und Paartanz gemischt:  Die Stuttgart Dance Night hat viele junge und ältere Tänzer begeistert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Disco und Paartanz gemischt: Die Stuttgart Dance Night hat viele junge und ältere Tänzer begeistert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - In manchen Clubs geht die Party erst nach Mitternacht so richtig los. Nicht so in der Tanzschule Burger-Schäfer. Bereits in der ersten halben Stunde wurden auf allen drei Tanzflächen leidenschaftlich unzählige Beine geschwungen. Der Grund? Die erste Stuttgart Dance Night. Zu der hatten sich Werner Find, der seit mehr als 40 Jahren die Kultdisco Boa betreibt, und Jörg Galitz zusammengetan, der Geschäftsführer der ältesten, nämlich 1903 gegründeten, Tanzschule in der Landeshauptstadt. Das Geheimnis des Erfolgs? Die Tanzbegeisterten bekamen mehrere Tanzevents in einem geboten.

Während im großen Saal alias Dancefloor 3 nach dem Motto „Boa goes Burger-Schäfer“ zu Disco-Klassikern wie Diana Ross’ keckem „Upside down“, Gloria Gaynors „I will survive“, Kool & the Gangs funkigem „Fresh“ oder Barry Whites sexy Samtbass in „You’re the first, the last, my every­thing“ einzeln, zu zweit oder gar in Gruppen fröhlich geschwoft und mitgesungen wurde, schoben sich auf Floor 2 die Paare zu Schostakowitschs berühmtem zweitem Walzer, zu allerlei Piazzola-Tangos oder rasanten Salsa-Rhythmen über das Parkett.

Zwangloser Unterricht in der Disco

Falls sie es nicht schon draufhatten, holten sich die Tanzfans das nötige Rüstzeug dazu einen Raum weiter: Auf Dancefloor 1 zeigten Lehrer der Tanzschule Burger-Schäfer kostenlos, wie man sich mit Discofox-Schritten oder mit Salsaschwüngen durch den Raum bewegt – Stil, Form und Humor inklusive. „Meine Herren, da wir Gentlemen sind, machen wir es der Dame so leicht wie möglich. Damit sie nicht gelb im Gesicht wird, drehen wir nicht nur in die eine, sondern auch mal in die andere Richtung“, hieß es da, bevor die Paare die Drehungswechsel zu „Sweet ­Dreams“ von den Eurythmics ausprobieren konnten. „Das ist super. Mein Tanzkurs liegt 20 Jahre zurück“, freute sich Martin, „den kann ich hier endlich mal wieder auffrischen.“ Sprach’s und zog seine Begleiterin aufs Parkett. Die ließ sich nicht lange bitten, schließlich saß die Frisur wieder. Dafür sorgten die Experten von Haug und Vu an ihrem Stylingstand.

Dance Night soll sich wiederholen

Aber nicht nur die Workshops kamen bestens an, sondern das gesamte Konzept, Disco und Paartanz zu mischen. „Endlich eine Möglichkeit, tanzen zu gehen, wenn man nicht mehr 25 Jahre alt ist“, betonte Bettina. „Dafür gibt es viel zu wenig Möglichkeiten.“ Auch andere Besucher fanden, dass es zu wenig Bälle in der Stadt gebe, auf denen man Standard tanzen könne. „Das war früher anders“, so ein älterer Herr. Dass ein Bedarf bestehe, zeige nicht nur der Andrang, sondern die Altersmischung. „Hier sind auch einige junge Menschen, wohl gerade dem Teenageralter entwachsen, die offensichtlich gerne Paartanz machen. Wo sollen die das üben? Ich hoffe, die Dance Night findet öfter statt“, so der Herr.

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