Tanzgarden von Blau-Weiss Sindelfingen Mehr als nur auf der Bühne wackeln

Von klein bis groß: Die Kükengarde, die Juniorengarde und die Prinzengarde. Foto: Alexander Frommer/Alexander Frommer

In der Fasnetszeit darf zwischen schrägen Kostümen und lauter Musik die Tanzgarde nicht fehlen. Wie läuft die fünfte Jahreszeit für die Tänzerinnen ab? Wir haben Sonja Kontny, Trainerin der Prinzen- und der Kükengarde von Blau-Weiss Sindelfingen, gefragt.

Familie, Zusammenleben und Bildung: Julika Wolf (jwo)

Rechts, links, das Bein ganz nach oben, dann in den Spagat. Das alles immer exakt im Takt und ganz synchron. Ganz schön anstrengend sieht das aus, was die Prinzengarde der Gesellschaft Blau-Weiss Sindelfingen da aufs Parkett legt.

 

Derzeit ist sie jedes Wochenende unterwegs, auf Umzügen, Prunksitzungen oder Brauchtumsabenden. Und das zum Teil Freitag, Samstag und Sonntag. „Dieses Jahr haben wir einen sehr kurzen Fasching“, sagt Sonja Kontny, die die Prinzengarde trainiert. „Da sind die Auftritte geballt.“ Teilweise treten die Tänzerinnen an den Samstagen sogar zwei- bis dreimal auf.

Sonja Kontny kennt das nur zu gut. Sie hat selbst mit sieben Jahren angefangen, in der Garde zu tanzen. Inzwischen trainiert sie die Prinzengarde, in der Tänzerinnen ab 15 Jahren mitmachen. Auch die Kükengarde für die Fünf- bis Zehnjährigen trainiert sie. Bei beiden ist sie nicht die einzige Trainerin, die Kleinen trainieren sie zu dritt, die Großen zu zweit. Auch eine Juniorengarde für Tänzerinnen zwischen elf und fünfzehn Jahren gehört zu Blau-Weiss Sindelfingen – für die ist sie aber nicht zuständig.

Einen Show- und einen Marschtanz haben alle in petto. Rad schlagen, Spagat und Beinführung, das gehört alles zum Marschtanz dazu. „Der geht maximal vier Minuten, sonst wären die Tänzerinnen zu sehr aus der Puste“, sagt Sonja Kontny. Da sehe man, dass es ein richtiger Tanzsport sei – „und wir nicht nur bisschen auf der Bühne wackeln“. Beim Showtanz kann es auch mal länger gehen. Bis zu zehn Minuten am Stück tanzen manche Garden. „Wir sind bei der Prinzengarde bei sechs Minuten.“

Die Omas sind los: der diesjährige Showtanz der Prinzengarde. Foto: Blau-Weiss Sindelfingen

Die Küken tanzen kürzer. Bei ihnen ist die Faschingszeit auch nicht ganz so vollgestopft wie bei den Großen. Bei Abendveranstaltungen seien sie nie dabei, sagt Kontny. Trotzdem haben auch sie pro Woche drei bis vier Auftritte – etwa in Altersheimen. Die Auftritte dort haben inzwischen Tradition. Wie das genau kam, weiß Sonja Kontny auch nicht. „Als ich mit sieben Jahren angefangen habe, gab es das schon“, sagt die 36-Jährige.

Eigentlich kommt die Tanzgarde aus dem Karneval und ist damit eher im Rheinland und im Norden Deutschlands zu verorten. Wie kommt es also, dass es in Sindelfingen Gardetänzerinnen gibt? „Früher bestanden die Garden rein aus Männern, nur ein Tanzmariechen hat sie begleitet“, sagt Kontny. Die Stuttgarter Gesellschaft Möbelwagen habe die erste Mädchengarde in der Region gegründet. 1947 war das. „So ist das in die Region gekommen“, sagt sie. Inzwischen gebe es einige Garden in der Region. Leinfelden-Echterdingen und Renningen zählt sie auf – und auch viele Narrenzünfte haben Tanzgarden. Manche laufen mit fünf oder sechs Tänzerinnen auf, andere mit dreißig. In den Garden von Blau-Weiss Sindelfingen tanzen jeweils zwischen vierzehn und zwanzig Leuten mit. „Zurzeit haben wir keine Nachwuchsprobleme“, sagt Sonja Kontny. Das sei aber auch schon anders gewesen. Um die Corona-Jahre herum haben zum Beispiel viele Tänzerinnen aufgehört. Wobei das Wort „Tänzerinnen“ nicht ganz hinhaut. Denn obwohl zurzeit nur Mädchen und Frauen dabei sind, sind auch Jungen und Männer willkommen. „Bei den Kleinen machen Jungs oft noch mit“, sagt Sonja Kontny. „Aber wenn’s in Richtung Juniorengarde geht, haben viele keine Lust mehr.“

Zurzeit gibt es keine Nachwuchsprobleme – das war aber auch schon anders

Fragt man sie nach dem Schönen an der Garde, denkt Sonja Kontny nach. Dann sagt sie: „Wenn wir unterwegs sind, sind wir wie eine kleine Familie.“ Dazu gehören aber nicht nur die Garden, sondern auch eine Maskengruppe, die Musikband Blue-Brass und der Elferrat, quasi das Orga-Team von Blau-Weiss Sindelfingen. Seit 1971 ist der Verein stets gewachsen, 180 Mitglieder sind es heute. Auch ganze Familien sind vertreten: „Wir kriegen alle irgendwie unter“, sagt Sonja Kontny, die selbst auch im Elferrat ist.

Die Vorbereitungen fürs nächste Jahr stehen schon an

Für diesen Spaß nehmen die Tänzerinnen teilweise große Hürden in Kauf. Eine von ihnen fährt immer aus Pforzheim her. Sie komme aus dem Norden, sei in die Region gezogen und habe sich nach Garden umgesehen, sagt Kontny. Sie probierte ein paar aus, aber in Sindelfingen gefiel es ihr am besten.

Wenn die Saison Mitte Februar vorbei ist, können die Tänzerinnen erst mal ein wenig durchatmen. Das gilt allerdings nicht für die Trainerinnen: Die überlegen sich nämlich jetzt schon, wie die Tänze im nächsten Jahr aussehen können. Bis das Training Ende März wieder so richtig los geht, haben sie noch viel zu tun.

Blau-Weiss lädt die Kleinsten ein

Kinderfasching
Am Sonntag, 4. Februar, lädt Blau-Weiss Sindelfingen die kleinsten Narren zum Kinderfasching ein. Im Bürgerhaus Maichingen in der Sindelfinger Straße steigt die Party. Einlass ist um 11 Uhr, um 12 Uhr geht es los mit Spielen, Essen, Bonbons und vielem mehr.

Eintritt
 Für die Allerkleinsten unter drei Jahren kostet der Eintritt 2 Euro, alle über drei Jahren müssen 4 Euro bezahlen. Die Karten sind nur am Tag des Kinderfaschings erhältlich, und auch nur vor Ort.

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