Tarifkonflikt der Metallindustrie Mit Vollgas in die Garage
Die IG Metall ist in dieser Tarifrunde besonders herausgefordert: Sie muss in sehr kurzer Zeit die hohen Erwartungen an der Basis bremsen. Das gab es schon einmal, erinnert unser Autor.
Die IG Metall ist in dieser Tarifrunde besonders herausgefordert: Sie muss in sehr kurzer Zeit die hohen Erwartungen an der Basis bremsen. Das gab es schon einmal, erinnert unser Autor.
In der Metall- und Elektroindustrie kommt es zu einem Déjà-vu: Vor fast genau 16 Jahren, in der großen Finanz- und Wirtschaftskrise, haben die IG Metall und der Arbeitgeberverband einen Tarifkonflikt beigelegt, der von einer enormen Dynamik gekennzeichnet war. Der damalige Gewerkschaftschef Berthold Huber sagte später, man sei „mit Vollgas in die Garage“ gefahren.
Gemeint war, die IG Metall habe zügigst von ihrer Acht-Prozent-Rekordforderung Abstand nehmen müssen und ohne großen Widerstand einem Krisentarifabschluss zugestimmt – auch weil die alarmierenden Signale vorher nicht rechtzeitig erkannt wurden.
Die Lage heute ist mit der von 2008 nicht wirklich vergleichbar. Statt eines externen Schocks an den Finanzmärkten hat die Wirtschaft nun die Folgen der Transformation plus konjunkturelle Verwerfungen auszuhalten – beides zusammen sorgt für eine schlechte Stimmung in der Wirtschaft, wie man sie seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Eine hohe Dynamik des wirtschaftlichen Abschwungs ist aber ebenfalls festzustellen. Insofern entsteht heute wieder der Eindruck, als müsse die IG Metall mit Vollgas in die Garage fahren – auch wenn beide Seiten den Eindruck partout vermeiden wollen, dass sie mit dem neuen Tarifabschluss lediglich die Krise überbrücken wollen.
Die Gewerkschaft steht angesichts ihrer Sieben-Prozent-Forderung erneut vor einer großen Herausforderung: Sie muss in kurzer Zeit die Erwartungen an der Basis bremsen. Die Beschäftigten wollen weiterhin die hohen Preissteigerungen der jüngeren Vergangenheit ausgeglichen haben. Doch passt sich die Tonlage der IG-Metall-Funktionäre nur bedingt der schwierigen Lage an: Man muss gut zuhören, um die besorgten Einschätzungen wahrzunehmen. Da bleibt bis zur erhofften Einigung am 11. November in Hamburg noch einiges zu tun, damit die Enttäuschungen danach nicht zu groß ausfallen.