Tarifkonflikt im Einzelhandel Höchste Zeit zum Einlenken

Eine Demonstration im Herbst in Stuttgart: Zum schlagkräftigen Protest hat es in dieser Tarifrunde selten gereicht. Foto: 7aktuell.de/Andreas Werner

Es ist nicht erkennbar, wie Verdi in diesem Tarifkonflikt bei den Arbeitgebern noch mehr erreichen könnte. Ein weiteres Beharren auf der Forderung wäre riskant, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Der Tarifkonflikt im Einzelhandel wirkt wie eingefroren. Die Arbeitsniederlegungen – wie zuletzt kurz vor Ostern – sind in etlichen Bundesländern rar geworden, und die Schwerpunktaktionen bei den Handelsketten erscheinen eher bemüht. Letztlich lässt sich in der Fläche keine schlagkräftige Streikfront aufrechterhalten. Seit Jahresanfang hat Verdi keinen Druck mehr entfalten können, um die Arbeitgeber zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen.

 

HDE ist zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit

Diese zeigen sich nicht bereit, über die angebotene Lohnerhöhung von zehn Prozent für zwei Jahre noch hinauszugehen. Und es scheint ihnen ernst damit zu sein, dass sie andere Wege gehen wollen, wenn die Gewerkschaft nicht ihrerseits einen Lösungsweg einschlägt. Dass der Dachverband HDE den Mitgliedsunternehmen empfiehlt, die Entgelte vorab freiwillig um zehn Prozent anzuheben, ist kein Novum, aber ein geschickter Schachzug. Denn ein solches Lohnplus wird von vielen Beschäftigten als ausreichend empfunden. So geht mit dieser Perspektive die Streikbereitschaft immer weiter zurück.

Vorweganhebungen sind rechtlich nicht abgesichert

Doch wenn in diesem Rahmen praktisch jedes Unternehmen macht, was es will, ist auch der Rechtsunsicherheit für die Belegschaften Tür und Tor geöffnet. Freiwillige Lohnerhöhungen sind leicht wieder einzukassieren. In der Folge würde die zerklüftete Tariflandschaft noch weiter auseinanderfallen. All dies kann die Gewerkschaft nicht wirklich wollen. Unterm Strich sollte Verdi – konkret die Fachbereichsleitung in der Berliner Bundeszentrale – von ihren Maximalpositionen abrücken. Andernfalls könnte sie das noch vorhandene Vertrauen an der Basis gänzlich aufs Spiel setzen.

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