Tarifkonflikt im KfZ-Handwerk Zuspitzung im Tarifkonflikt des KfZ-Handwerks

Schon Mitte April kam es im Tarifkonflikt zu ersten Warnstreiks und einer zentralen Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Foto: IG Metall

Die Krise der Automobilindustrie beeinflusst auch die Tarifrunde im KfZ-Handwerk. Noch haben die Werkstätten gut zu tun – doch die Schwäche der Hersteller dürfte auch bei ihnen mit zeitlicher Verzögerung durchschlagen.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Mit einem Aktionstag versucht die IG Metall an diesem Dienstag, den Tarifkonflikt des baden-württembergischen Kfz-Handwerks zuzuspitzen. Geplant ist eine Demo zur zweiten Verhandlungsrunde in Leinfelden. Möglich, dass die Tarifrunde eskaliert, wenn im Südwesten bei den Forderungen nachgelegt wird. Nach Arbeitgeberangaben hat die Gewerkschaft etwa in Niedersachsen nachträglich 38 (statt bisher 30) bezahlte Urlaubstage gefordert – die Zusatztage als Wahloption zwischen Geld und Zeit.

 

„Die Taktik, eine zweite Forderung nachzuschieben, die so erheblich ist, wäre schon einmalig“, sagte der Tarifverhandlungsführer für das Kraftfahrzeuggewerbe Baden-Württemberg, Andreas Göritz, unserer Zeitung. Er rechne nun „mit dem Schlimmsten“. Nach seinen Worten haben die Arbeitgeber in Niedersachsen die Verhandlungen verlassen und das nächste Treffen abgesagt, weil sie die Zusatzforderung als Affront aufgefasst hätten. Wo am Ende der Pilotabschluss anstehe, sei offen, sagte der Rechtsanwalt.

Viele bekannte Niederlassungen von Warnstreiks tangiert

Bisher verlangt die IG Metall für die rund 55 000 Beschäftigten im Land 6,5 Prozent mehr Gehalt – mit der Erweiterung hätte die Forderung annähernd ein zweistelliges Volumen, so Göritz. Dies würde „nicht in die Verhandlungslandschaft der Industrie passen“. In der Branche werde schon gut verdient: In der häufigsten Lohngruppe des Kfz-Handwerks – wo der Geselle mit drei Jahren Berufserfahrung eingruppiert sei – betrage das Jahrestarifgehalt 59 800 Euro brutto.

Die IG Metall äußerte sich vor der zweiten Runde im Südwesten nicht zu ihrer Strategie. Klar ist, dass an diesem Dienstag neue Warnstreiks anstehen. Schon Mitte April hatte die Gewerkschaft die Beschäftigten in Stuttgart beispielsweise der Mercedes-Benz Niederlassungen, der BMW Niederlassungen, der Porsche Niederlassungen, der Volkswagen Automobile und Volkswagen Group OTLG, der Emil Frey Schwabengarage sowie Mercedes-Benz GTC und der Daimler Truck Niederlassung in allen Schichten zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Aus Arbeitnehmersicht läuft es in der Branche nicht schlecht: Bei einer bundesweiten Gewerkschaftsbefragung von Beschäftigten in Autohäusern und Werkstätten hätten 70 Prozent die Lage in ihren Betrieben als gut oder sehr gut bewertet, heißt es – das Servicegeschäft in den Werkstätten brumme und der Gebrauchtwagenhandel erzielt gute Renditen. „Die Auftragsbücher in den Werkstätten sind voll, die Beschäftigten arbeiten am Anschlag“, betont die IG Metall Region Stuttgart. Deshalb sei die Lohnforderung „mehr als gerechtfertigt“.

Dennoch geht die Krise in der Automobilindustrie nicht spurlos an den Betrieben vorüber. Positiv sei, so der Verhandlungsführer Göritz, dass die Hersteller und Zulieferer weniger neues Personal einstellen würden. „Dadurch bekommen wir wieder qualifizierte Auszubildende.“ Mit dem Interesse am Beruf des Automobil-Kaufmanns und des Kfz-Mechatronikers – also an den beiden größten Berufsgruppen –, aber auch am Verwaltungsbereich seien die Arbeitgeber derzeit zufrieden. Für viele junge Menschen seien dies weiterhin Traumberufe. „Wir bekommen wieder qualifizierten Nachwuchs, weil wir weniger Konkurrenz haben.“

Werkstätten spüren geringeren Neuwagenabsatz mit Verzögerung

Umgekehrt werde die Branche von den sinkenden Verkaufszahlen im Neuwagengeschäft belastet – „das bedeutet weniger Umsatz in den größeren Autohäusern“. Und wenn der Umsatz im Vertrieb sinke, dann gingen später auch die Aufträge in den momentan noch gut ausgelasteten Werkstätten zurück, weil deren Geschäft zeitlich nachlaufend sei. Für die Zukunft sei dort ebenso mit rückläufigen Zahlen zu rechnen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu IG Metall Warnstreik Tarifkonflikt