Am Freitag stehen in Baden-Württemberg viele Busse und Bahnen still. Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengestellt.

Baden-Württemberg - Das Land steht still: Am Freitag streiken über 7500 Fahrer im öffentlichen Nahverkehr. Doch wo wird überhaupt gestreikt? Wie sollen Pendler zur Arbeit kommen, wenn alle Busse und Bahnen im Depot bleiben? Übernimmt etwa die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) die Kosten für ein Taxi? Und kann es Ärger geben, wenn man wegen des Streiks zu spät zur Arbeit kommt? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Streik zusammengestellt.

 

Wo wird am Freitag gestreikt?

Betroffen sind die Städte Stuttgart, Esslingen, Baden-Baden, Freiburg, Heilbronn, Karlsruhe und Konstanz. Landesweit sind rund 7500 Fahrer im öffentlichen Nahverkehr - also beispielsweise in Stadtbahnen und Bussen - aufgerufen, sich am Freitag nicht hinter das Lenkrad oder den Steuerknüppel zu setzen. Verdi-Gewerkschafter Rudolf Hausmann schätzt, dass weit mehr als eine Million Fahrgäste die Auswirkungen zu spüren bekommen werden. In Stuttgart fallen auf allen Linien Busse und Stadtbahnen aus. Auch die Nachtbusse bleiben in der Nacht von Freitag auf Samstag im Depot.

In Esslingen sind die SVE-Linien 101, 102, 103, 105 und 118 betroffen genau wie die doe Endlinien 119, 120 und 121 auf die Filder. Auch alle Buslinien der städtischen Verkehrsbetriebe werden bestreikt. An den betroffenen Bushaltestellen informieren Plakate über den Streik und die aktuelle Situation - einen Notfallbusplan gibt es aber nicht.

Und wie lange soll der Streik dauern?

Aktuell ist der Streik auf einen Tag - den kompletten Freitag - angesetzt. Schon wer in den frühen Morgenstunden auf U-Bahn oder Linienbus wartet, steht sehr wahrscheinlich auf verlorenem Posten. "Am Freitag kommt man den ganzen Tag nicht vorwärts", hieß es von Seiten der SSB.

Fahren an diesem Tag denn dann gar keine Busse und Bahnen?

Doch, denn die Züge der Deutschen Bahn sind vom Streik nicht betroffen. Die SSB rät deshalb allen Kunden, wenn möglich auf diese Züge umzusteigen. Wer etwa in Stuttgart normalerweise mit einer der sieben S-Bahnen zur Arbeit fährt, hat dieses Mal Glück gehabt. Auch nicht betroffen sind Busse von Fremdfirmen. So werden etwa im SSB-Gebiet einige Buslinien von privaten Anbietern bedient - darunter einige Fahrten der Linien 90, 92 und 60. "Das ist aber nur vereinzelt auf weit draußen liegenden Linien der Fall", teilte die SSB mit. Besser sieht es in Esslingen aus. Hier wird beinahe die Hälfte aller Strecken auch von Privatanbietern abgefahren.

Taxikosten werden nicht erstattet

Übernimmt die SSB die Kosten, wenn ich ein Taxi zur Arbeit nehme?

Nein, das Taxi muss man schon selbst bezahlen. Die SSB argumentiert damit, dass sie nicht die Schuld am Streik trage. "Weil nicht die SSB streikt sondern von der Gewerkschaft ver.di bestreikt wird, kann die SSB keine Taxikosten erstatten.Die Servicegarantie gilt demnach nicht", heißt es im Facebook-Profil der SSB.

Ist es rechtlich in Ordnung, wenn ich wegen des Streiks zu spät komme?

Streik als Ausrede fürs Zuspätkommen gilt nicht als Entschuldigung: „Grundsätzlich ist jeder Arbeitnehmer verpflichtet, pünktlich zu kommen“, sagt der Heidelberger Arbeitsrechtler Michael Eckert. Grundsätzlich trage der Arbeitnehmer das sogenannte Arbeitswegerisiko. „Kommt er mehrmals nicht pünktlich kann er im schlimmsten Fall abgemahnt oder gekündigt werden.“ Es gebe nur eine Ausnahme, und zwar wenn er keinen Einfluss auf das Ereignis habe. „Das ist beispielsweise wenn die Bahn stehen bleibt aufgrund eines fehlerhaften Signals. Oder wenn ein nicht selbst verursachter Autounfall passiert.“

Und wie komme ich jetzt zu den Kickers?

Der Verein hat organisiert, dass zusätzliche Parkflächen rund um das Stadion genutzt werden können. Außerdem gibt es Shuttle-Busse vom S-Bahnhof Echterdingen. Im Facebook-Profil der Kickers und dem Kickers Fan-Forum können Fans außerdem Mitfahrangebote und -gesuche posten.

Warum wird überhaupt gestreikt?

Grund für den Streik sind die Verdi-Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV). Die Gewerkschaft fordert unter anderem kürzere Schichten, eine volle jährliche Sonderzahlung und 30 Tage Urlaub für alle unabhängig vom Alter. Ein weiterer Knackpunkt sind die Zulagen für Pausen zwischen geteilten Schichten. Diese Lücken von beispielsweise zwei oder drei Stunden sollen besser bezahlt werden, fordert Verdi. Bei der Sonderzahlung habe der KAV am Mittwoch 85 statt der geforderten 100 Prozent angeboten. Die dritte Gesprächsrunde ist für den 14. September geplant.

Wie viel verdient ein Bus- oder Straßenbahnfahrer denn im Moment?

Das Monatsbrutto liegt zwischen 2300 Euro und 2540 Euro. Mit Zulagen kommen die Fahrer auf maximal knapp 3000 Euro brutto. Berufsanfänger haben mit Zulagen höchstens 2700 Euro brutto Die Regelarbeitszeit pro Woche beträgt 39 Stunden.

Wo kann ich mich während des Streiks informieren?

In dieser Zeit bleiben alle SSB-Dienststellen und Kundenzentren geschlossen. Auch der SSB-Telefonservice ist dann nicht erreichbar. Ihre Fragen können Fahrgäste im Callcenter des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) unter 0711/19449 von 8 Uhr bis 17.30 Uhr loswerden. Die elektronische Fahrplanauskunft der VVS wird an diesem Tag umgestellt und zeigt nur Verbindungen ohne die bestreikten Verkehrsmittel an.