Tarifkonflikt in Südwest-Krankenhäusern OP-Notstand durch Streiks an den Unikliniken

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Erstmals im aktuellen Tarifkonflikt ruft die Gewerkschaft Verdi an den vier Unikliniken im Südwesten zu ganztägigen Warnstreiks auf. Womöglich reicht dieser Druck schon aus, um bei den nächsten Verhandlungen am Dienstag einen Durchbruch zu erzielen.

Viele Pflegekräfte der baden-württembergischen Universitätskliniken (hier bei einer früheren Demonstration in Tübingen) sehen sich zeitweise weiter überlastet. Foto: dpa/Sina Schuldt
Viele Pflegekräfte der baden-württembergischen Universitätskliniken (hier bei einer früheren Demonstration in Tübingen) sehen sich zeitweise weiter überlastet. Foto: dpa/Sina Schuldt

Stuttgart - Zur dritten Verhandlungsrunde für die baden-württembergischen Unikliniken will die Gewerkschaft Verdi die Arbeitgeber erstmals massiv in die Bredouille bringen. Am Montag soll an den Standorten Freiburg, Tübingen und Ulm gestreikt werden, am Dienstag in Heidelberg. An diesem Tag werden auch die Gespräche in Stuttgart fortgesetzt.

Die Streiks haben gravierende Folgen für die Hochleistungskrankenhäuser: Bereits von diesem Donnerstag an müssen sie ihr Angebot reduzieren, um die Zahl der Patienten bis Wochenanfang soweit zu verringern, dass die Notbesetzungen der Stationen an den Streiktagen ausreichen. Abgesehen von den Notfällen „wird das OP-Programm fast komplett eingestellt“, und es komme teilweise zu Bettenschließungen, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Irene Gölz unserer Zeitung. Patienten mit verschiebbaren Eingriffen würden für später einbestellt.

200 Euro pro Monat für Pflegekräfte zugestanden

Verdi fordert acht Prozent mehr Geld für 18 Monate. Zudem verlangt sie quasi eine Arbeitszeitverkürzung: Eine Stunde samstags, sonntags, an Feiertagen und in der Nacht soll wie eineinhalb Stunden bewertet werden. Nach der komplizierten Entlastungstarifrunde im Frühjahr 2018 ist dies eine heikle Forderung, weshalb der Arbeitgeberverband darüber nicht verhandeln will. „Der Tarifvertrag wirkt an einigen Stellen, er wird aber nicht konsequent umgesetzt“, argumentiert Gölz. In gesundheitsgefährdenden Schichten seien die „Leute noch maximal belastet“.

Beweglich zeigen sich die Arbeitgeber woanders: Einerseits haben sie eine fünfprozentige Lohnerhöhung für 36 Monate geboten. Und um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wollen sie auf Wunsch von Verdi eine monatliche Zulage für die Pflegekräfte in Höhe von 200 Euro zahlen. „In Kombination mit der vorgesehenen neuen Entgeltordnung, die ab Anfang 2020 greifen soll, sprechen wir hier bereits von einer Vergütungssteigerung für die Pflege von insgesamt elf bis 15 Prozent“, betonen die Verbandsvorsitzenden Gabriele Sonntag und Udo X. Kaiser. Im Gegenzug verweisen sie einerseits auf das hohe Lohnniveau der vier Unikliniken gegenüber kommunalen Häusern – und andererseits auf ein Defizit im zweistelligen Millionenbereich für dieses Jahr.

Ein Abschluss scheint schon greifbar

Bei der Pflege „können sie leicht gönnerhaft sein“, kontert Gölz. Die höheren Kosten seien über das Pflegepersonalstärkungsgesetz refinanziert. „Nicht blöd“ seien die Arbeitgeber. Sie wollten die Beschäftigten gegeneinander ausspielen, aber auch für Therapeuten, Labor- oder Verwaltungsmitarbeiter müsse es deutliche Zuwächse geben. Dem Vernehmen nach halten einige Arbeitgebervertreter den Tarifabschluss schon am Dienstag für gut möglich. „Ich glaube es noch nicht“, sagt die Verdi-Funktionärin. „Dann müssen sie noch ganz schön was hinlegen.“