Die Arbeitgeber im Finanzgewerbe stellen sich in den Tarifkonflikten völlig konträr auf: Bei den Privatbanken droht eine Eskalation – während bei den öffentlichen Banken ein baldiger Abschluss denkbar ist.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Seit mehr als einem halben Jahr ziehen sich die Tarifkonflikte bei den Banken schon hin – nun will die Gewerkschaft Verdi Zwangsmittel anwenden. Denn die Verhandlungen im öffentlichen Bankgewerbe haben bis zum späten Donnerstagabend erneut nicht den Durchbruch gebracht. Und bereits Anfang der Woche sind die Gespräche für die privaten Banken abgebrochen worden – gerade dort plant Verdi nun Warnstreiks.

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In der Auseinandersetzung für 60 000 Beschäftigte der öffentlichen Banken sind sich die Tarifparteien vor allem beim Geld noch uneins: „Die von der Arbeitgeberseite angebotenen drei Prozent sehen nur auf den ersten Blick gut aus“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck. Sie führten durch die lange Laufzeit von 36 Monaten zu einem deutlichen Kaufkraftverlust angesichts der hohen Inflationsrate. Weder die angebotene Einmalzahlung noch die eine Stunde Arbeitszeitverkürzung gleiche dies aus.

Öffentliche Bankarbeitgeber haben nachgelegt

Die Arbeitgeber hatten zuvor ein neues Gesamtpaket eingebracht: mit einer Corona-Sonderzahlung von 750 Euro, drei Prozent mehr Gehalt zum November 2022, zwei Sonderurlaubstagen im Jahr 2023 und einer Arbeitszeitverkürzung um eine Stunde zum 1. Januar 2024. „Wir haben uns beim Gehalt maximal auf die Gewerkschaften zubewegt, da gibt es keinerlei Spielraum mehr“, betont der Verhandlungsführer Gunar Feth. Weil die Auszahlung des steuerfreien Coronabonus bis Ende März erfolgen muss, will der Bundesverband öffentlicher Banken den Instituten empfehlen, die Sonderzahlung „schnellstmöglich und unabhängig vom Abschluss eines Tarifvertrags auszuzahlen“.

Die Verhandlungen mit Verdi und dem konkurrierenden Deutschen Bankangestellten-Verband (DBV) sollen, wie es heißt, „schnellstmöglich“ weitergehen. Ein Abschluss scheint nahe, nachdem es bei den Themen mobiles Arbeiten und Modernisierung des Manteltarifvertrags schon Anfang Dezember eine Annäherung gegeben hatte.

Warnstreiks eher erst im Februar

Angespannter ist die Lage für die rund 140 000 Beschäftigten im privaten Bankgewerbe. Sie sollen in den nächsten Wochen – also eher von Februar an – zu Warnstreiks aufgerufen werden. Hauptschauplätze der Aktionen werden in Baden-Württemberg traditionell die Bausparkassen Schwäbisch Hall und Wüstenrot sein – zudem die Commerzbank. In diesen Instituten kann Verdi, verglichen mit der restlichen Branche, auf einen relativ guten Organisationsgrad von etwa einem Drittel und mehr zählen.

Wo er hoch sei, werde man die Arbeitsabläufe behindern können, sagte der Stuttgarter Verdi-Experte Christian Miska unserer Zeitung. „Da sind Streikauswirkungen deutlich spürbar.“ Bei den Großbanken hingegen sei es schwierig, dem Arbeitgeber wehzutun. Es sei zudem ein Problem, wenn im Streik Filialen zur vorübergehenden Schließung gezwungen würden und sich die Kunden darüber nicht mehr wunderten, weil sie schon aus anderen Gründen oft vor geschlossenen Filialtüren stehen – eine Anspielung auf die weit verbreitete Sparpolitik der Banken.

Aggressiver Ton am Verhandlungstisch

Weil das Arbeitgeberangebot „sehr, sehr weit von dem entfernt ist, was wir uns vorstellen“, rechnet Miska mit einer hohen Streikbereitschaft. Ob der Druck ausreicht, ist zweifelhaft. Der beiderseitig aggressive Ton am Verhandlungstisch deutet eher auf eine weitere Hängepartie hin: Mit ihrem Verhalten, die ursprüngliche Gehaltsforderung von 4,5 Prozent noch zu verschärfen, stelle die Gewerkschaft infrage, ob eine baldige Fortsetzung der Verhandlungen sinnvoll sei, rügen die Bankarbeitgeber. Vieles spreche für eine „längere Denkpause“.

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