Tarifliche Ausbildung In welchen Branchen Azubis die höchsten Vergütungen erhalten

In Pflegeberufen des öffentlichen Dienstes werden die höchsten Ausbildungsvergütungen gezahlt. Foto: picture alliance/dpa

Der Fachkräftemangel führt in vielen Tarifbranchen zu überdurchschnittlichen Erhöhungen der Ausbildungsvergütungen. Einige Branchen stechen besonders positiv heraus.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Viele Auszubildende profitieren finanziell vom Werben der Arbeitgeber um den raren Nachwuchs: Nach einer erneut kräftigen Erhöhung der tarifvertraglichen Vergütungen im Ausbildungsjahr 2024/25 gibt es nur noch sehr wenige Branchen, in denen Azubis im ersten Jahr laut Tarifvertrag weniger als 1000 Euro im Monat erhalten.

 

Dies zeigt eine aktuelle Studie von 20 ausgewählten Tarifbranchen, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erstellt hat. Die jungen Menschen kämen auf ein Einkommen, das in der Regel mindestens dem Bafög-Höchstsatz für Studierende von derzeit 992 Euro entspreche, sagt der Autor Thorsten Schulten.

Tarifverträge machen oftmals den Unterschied

Problematisch sei die Situation in Bereichen, in denen keine Tarifverträge existieren. „Hier erhalten die Auszubildenden oft lediglich die viel zu niedrige Mindestausbildungsvergütung von 682 Euro im Monat“, moniert der Leiter des WSI-Tarifarchivs. Der Gewerkschaftsbund fordert deshalb, dass die Mindestausbildungsvergütung mindestens auf 80 Prozent der durchschnittlichen tarifvertraglichen Vergütungen angehoben wird, was derzeit 834 Euro entsprechend würde.

Die Ausbildungsvergütungen werden üblicherweise bei regulären Tarifverhandlungen gemeinsam mit den Entgelten der Beschäftigten verhandelt. Je nach Branche, Region und Ausbildungsjahr zeigen sich bei große Niveauunterschiede.

Im ersten Jahr werden die höchsten tariflichen Vergütungen in den Pflegeberufen des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen mit 1416 Euro sowie bei den Ländern mit 1381 Euro gezahlt. Es folgt das private Bankgewerbe mit bundeseinheitlich 1350 Euro, sodann der öffentliche Dienst von Bund und Kommunen mit einheitlich 1293 Euro und bei den Ländern mit 1237 Euro.

Metall- und Elektroindustrie liegt gut im Rennen

Sehr gut liegen auch die Deutsche Bahn mit bundesweit 1275 Euro und die Textilindustrie in Baden-Württemberg mit 1270 Euro sowie die Metall- und Elektroindustrie im Südwesten mit 1267 Euro – ferner das Versicherungsgewerbe mit bundeseinheitlich 1205 Euro und die chemische Industrie im Tarifbezirk Nordrhein mit 1204 Euro.

In etwa der Hälfte der untersuchten Tarifbranchen liegt die Ausbildungsvergütung zwischen 1000 und 1200 Euro pro Monat. Hierzu gehören das Backhandwerk, das Bauhauptgewerbe, die Druckindustrie, der Einzelhandel, das Gastgewerbe, die Gebäudereinigung, die Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie und das private Verkehrsgewerbe. Auch das Kfz-Handwerk in Baden-Württemberg liegt mit 1129 Euro im Mittelfeld.

Friseurhandwerk am unteren Ende der Skala

Die Unterschiede zwischen den Branchen setzen sich im zweiten und dritten Ausbildungsjahr fort. So variieren die Vergütungen im zweiten Jahr zwischen 830 Euro im Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen und 1477 Euro in der Pflege bei Bund und Kommunen. Im dritten Ausbildungsjahr wird eine Bandbreite zwischen 955 Euro im Friseurhandwerk und 1578 Euro in der Pflege festgestellt. Auch hier rangiert die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg mit 1443 Euro in der Spitzengruppe. Das Kfz-Handwerk zahlt 1294 Euro. Mit sehr wenigen Ausnahmen liegen im dritten Jahr alle Vergütungen oberhalb von 1000 Euro.

Im Laufe des aktuellen Ausbildungsjahrs von September 2024 bis September 2025 sind die tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen in den berücksichtigten Tarifbranchen im ersten Jahr um 6,4 Prozent gestiegen. Im Ausbildungsjahr 2023/2024 wurde noch ein besonders hoher Zuwachs von 9,0 Prozent errechnet. Die Ausbildungsvergütungen steigen weiterhin schneller als die regulären Tarifvergütungen der Beschäftigten, die 2024 um 5,5 Prozent zugelegt haben.

Die Dynamik hat allerdings schon früher eingesetzt: Während die Tarifentgelte für die Beschäftigten in den letzten fünf Jahren im Schnitt um etwa 17 Prozent angestiegen sind, lag der Zuwachs der Ausbildungsvergütungen in den meisten Tarifbranchen deutlich darüber. Die höchsten Steigerungsraten gab es im Backhandwerk – mit rund 66 Prozent seit 2020.

In ungefähr der Hälfte der untersuchten Tarifbereiche legten die Azubientgelte binnen fünf Jahren zwischen 20 und 35 Prozent zu. „Insgesamt kam es in Branchen zu besonders starken Erhöhungen, in denen traditionell eher niedrigere Ausbildungsvergütungen gezahlt werden“, resümiert Schulten. Dort gebe es wegen des zunehmenden Fachkräftemangels einen besonders hohen Anpassungsbedarf.

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