Tarifrunde für Fast-Food-Ketten Weg vom Niedriglohn bei Bulettenriesen

Der Mitarbeiter eines Schnellrestaurants bereitet Burger zu. Foto: Adobe Stock/Franziska Gabbert

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) strebt in der Tarifrunde für die Beschäftigten der Fast-Food-Ketten einen satten Lohnsprung auf zwölf Euro pro Stunde an – also 30 Prozent mehr. Drei Viertel der Beschäftigten verdienen unter zehn Euro.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Das Aufeinandertreffen ist eher zufällig: Kurz vor Beginn der Intergastra – der großen Gastromesse mit etwa 100 000 erwarteten Fachbesuchern auf dem Stuttgarter Messegelände – besteht die Chance eines Tarifabschlusses für die rund 120 000 Beschäftigten der Systemgastronomie. Gemeint sind Fast-Food-Restaurants wie McDonald’s, Burger King, Starbucks, KFC, Nordsee, Vapiano, Tank & Rast und Pizza Hut. Über deren Einkommensgefüge wird am Donnerstag und Freitag in dritter Runde in Stuttgart-Möhringen verhandelt.

 

Wer in einem der Schnellrestaurants arbeitet, gehört eher zu den Niedrigverdienern. Die Mitarbeiter bekommen meist nur den gesetzlichen Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde, moniert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Nach ihren Schätzungen verdienen drei Viertel der Beschäftigten unter zehn Euro. Die NGG will aber möglichst rasch auf einen Einstiegslohn von zwölf Euro kommen – also auf den Wert, den die SPD als neues politisches Mindestlohnziel ausgegeben hat. Allein vier von zwölf Tarifgruppen in der Branche sind niedriger als diese zwölf Euro. Von der bisher untersten Tarifstufe (9,25 Euro) aus gerechnet verlangt die NGG ein Plus von fast 30 Prozent. Das wirkt gewaltig, doch weiß die Gewerkschaft genau: Die Arbeitgeber müssen mehr tun, um attraktiv zu sein und ihren Personalbedarf zu decken.

Arbeitgeber bieten nur „minimale Anhebungen“

Aktuell reichten die Löhne kaum, um ohne Zweitjob oder staatliche Stütze den Lebensunterhalt zu finanzieren. „So zahlt der Kunde praktisch dreimal: den bestellten Burger, die Aufstockung der Löhne und später die Grundsicherung der Beschäftigten in der Rente“, sagt der NGG-Landesvorsitzende Uwe Hildebrandt. „Dennoch wollen die Arbeitgeber an zwölf Euro nicht ran.“ Bisher hätten sie lediglich „minimale Erhöhungen“ angeboten – demnach sollen die Einstiegslöhne auf 9,48 Euro pro Stunde steigen. Die Forderungen lägen noch zu weit auseinander, als dass eine Einigung überhaupt in Sicht wäre, heißt es aufseiten des Bundesverbandes der Systemgastronomie (BdS).

Die Systemgastronomie ist ein personalintensives Geschäft: Allein der Marktführer McDonald’s betreibt fast 1500 Filialen bundesweit mit 60 000 Mitarbeitern – der Umsatz kletterte 2018 auf einen Rekordwert von rund 3,5 Milliarden Euro. In Baden-Württemberg hat der Branchenprimus 164 Restaurants, allein in Stuttgart sind es zwölf. Insgesamt sind im Bundesverband 830 Firmen mit mehr als 3000 Restaurants organisiert.

Fast Food Worker“ müssen hart im Nehmen sein

Wegen der Vielfalt der Branche hat die Gewerkschaft große Mühe, ein Bein auf den Boden zu bekommen. Warnstreiks sind kaum möglich. Strukturen der Mitbestimmung, mit Einfluss auf die Arbeitszeiten, gibt es kaum. Die hohe Fluktuation verhindert, dass sich Betriebsräte bilden können. Wo es der Gewerkschaft mal gelungen ist, wie in Reutlingen, hat sich das Gremium wieder aufgelöst. Hildebrandt zufolge will man sich in Stuttgart zunächst auf Flugblattaktionen vor zentral gelegenen Schnellrestaurants beschränken.

Fast-Food-Worker müssen hart im Nehmen sein: Ständig pendeln sie zwischen Küche und Ausgabe, stets auf den Füßen, oft in Wechselschichten von frühmorgens bis in die Nacht, immer umgeben vom Küchengeruch. Befristete, unsichere Jobs sind Standard. Aufgrund der Arbeitsbedingungen ist der Durchlauf groß: Der BdS gibt an, dass 37 Prozent der Beschäftigten maximal ein Jahr im Betrieb arbeiten, weitere 20 Prozent zwischen einem und drei Jahren. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten sind jünger als 30 Jahre.

McDonald’s hat seit 2015 gut 5000 Flüchtlinge eingestellt

Übrig bleiben in hoher Zahl Migranten, die keine große Auswahl haben – auch Asylbewerber mit Arbeitserlaubnis: McDonald’s hat seit 2015 mehr als 5000 Flüchtlinge eingestellt, meist ohne Qualifikation und Sprachkenntnis, aber mit dem festen Willen, ihren Unterhalt allein zu bestreiten. Sie hätten im Unternehmen Deutsch gelernt und eine Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten, dürften oft aber nicht im Land bleiben, klagt Deutschland-Chef Holger Beeck. Es sei „das Schlimmste“ für ihn, „wenn dann gut integrierte Menschen wieder abgeschoben werden“.

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