Tarifrunde IG Metall Wie lange haben die Kunden Geduld?
Die Auftragsbücher der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie sind gut gefüllt. Doch es ist eine Frage der Zeit bis erste Stornierungen kommen, meint Inge Nowak.
Die Auftragsbücher der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie sind gut gefüllt. Doch es ist eine Frage der Zeit bis erste Stornierungen kommen, meint Inge Nowak.
Bei einer Inflationsrate von mehr als sieben Prozent sind die Erwartungen der Metallbeschäftigten an die nächste Tarifrunde hoch – trotz Ukraine-Krieg, Corona und gestörter Lieferketten. Schließlich sitzen viele Unternehmen auf vollen Auftragsbüchern, die nur wegen fehlender Teile nicht abgearbeitet werden können. Wo die Teile vorhanden sind, fällt allzu häufig Mehrarbeit an. Doch Vorsicht. Denn nicht nur Krieg, Pandemie und Materialverfügbarkeit bergen Risiken – sondern auch der Faktor Zeit.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Metall-Beschäftigte hoffen auf mehr Gehalt
Eines vorab: Bis jetzt gibt es offensichtlich keine oder kaum Stornierungen von Aufträgen. Die Kunden kennen die aktuellen Schwierigkeiten und warten ab. Doch wie lange hält diese Geduld an? Wie lange wartet der Verbraucher auf sein neues Auto, das er bestellt hat, wenn vielleicht der Leasingvertrag demnächst ausläuft? Wie lange wartet der Unternehmer auf die bestellte Maschine, wenn die eigene Produktion vielleicht nur deshalb ins Stocken gerät? Wenn alle Autobauer und Maschinenbauer – um beim Beispiel zu bleiben – gleichermaßen Lieferschwierigkeiten haben, gibt es keine Alternative. Doch was ist, wenn weltweit dann doch einige liefern können – selbst wenn es andere Modelle sind?
Doch es besteht nicht nur die Gefahr, dass Kunden abspringen – es geht auch um den Unternehmer selbst. Was nützt ein dickes Auftragspolster, wenn die Materialpreise derart in die Höhe schießen, dass die bisherige Auftragskalkulation obsolet ist? Klar kann man Nachverhandlungen anstreben – ein gutes Ende aus Sicht des Auftragnehmers ist jedoch beileibe nicht garantiert.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Das verdienen die Menschen in der Region