Tarifrunde zur Pflegemisere Unikliniken setzen Verdi rote Linien

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Nach ungewohnt heftigem Streit zwischen den Universitätskliniken in Baden-Württemberg und der Gewerkschaft biegen die Tarifpartner auf den Weg der Verständigung ein. Bei einigen Verdi-Wünschen legen die Arbeitgeber weiterhin ihr klares Veto ein.

An zwei Warnstreiktagen Mitte Dezember haben nach Verdi-Angaben insgesamt 1700 Beschäftigte der Unikliniken Tübingen  und Freiburg die Arbeit niedergelegt. Foto: dpa
An zwei Warnstreiktagen Mitte Dezember haben nach Verdi-Angaben insgesamt 1700 Beschäftigte der Unikliniken Tübingen und Freiburg die Arbeit niedergelegt. Foto: dpa

Stuttgart - Mächtig aufgeheizt hatte sich der Tarifkonflikt zwischen Verdi und den vier Universitätskliniken im Südwesten. Nicht nur auf der Straße, auch vor Gericht setzten sich die Verantwortlichen hart auseinander. Bei den nächsten Verhandlungen am Montag wollen es beide Seiten konstruktiver angehen. „Verdi hat positiv vermerkt, dass die Arbeitgeber bemüht sind, zu einer Lösung zu kommen“, sagt Gabriele Sonntag, kaufmännische Direktorin des Uniklinikums Tübingen. „Wir sind guter Hoffnung, dass wir zu einer Lösung kommen“, ergänzt Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor in Ulm, der ebenso dem Arbeitgeberverband vorsteht.

Feste Personalschlüssel „praxisuntauglich“

Die Tarifrunde tangiert 27 000 Beschäftigte in Ulm, Heidelberg, Freiburg und Tübingen. Ziel von Verdi ist eine Entlastung des Pflegepersonals. Die Initiative ist Teil einer bundesweiten Kampagne. Die Arbeitgeber bedauern, dass sie von der Gewerkschaft in einen „Einheitsbrei“ mit den anderen Kliniken gesteckt werden, „obwohl wir viel besser dastehen“. Damit werde dem Berufsbild massiv geschadet, Bewerber würden abgeschreckt. Flächendeckend gesundheitsgefährdende Bedingungen entsprächen trotz zeitweiser Engpässe nicht der Realität, weil die Unikliniken angemessen ausgestattet seien. „Wir sind attraktiv“, so Kaisers. Den Tarifvertrag nenne selbst Verdi vorbildlich. Und „um die Schwächen kümmern wir uns“.

Die Gewerkschaft fordert Mindestbesetzungen auf den Stationen und ein „Konsequenzenmanagement“ für den Fall, dass die Standards unterschritten werden – die Verschiebung von Operationen etwa. Aus Arbeitgebersicht macht Verdi den Fehler, lediglich die examinierten Pflegekräfte zu betrachten, obwohl es zahlreiche unterstützende Berufsgruppen auf den Stationen gebe – Versorgungsassistenten etwa. Pauschale Personalschlüssel in der Krankenpflege (eine Pflegekraft für sieben Patienten auf der Normalstation oder Eins-zu-eins-Vorgaben auf High-End-Intensivstationen) würden dieser Tatsache nicht gerecht. Sie könnten zudem zum Abbau beim Unterstützungspersonal führen – von fast 50 Kräften allein in Heidelberg.

„Keine Bettenschließungen in den Tarifvertrag“

Ein Konsequenzenmanagement gebe es heute schon, versichert der dortige Pflegedirektor Edgar Reisch. Doch seien dies dann unternehmerische Entscheidungen. „Wir haben die organisatorische Verantwortung.“ Praxisuntauglich sei speziell der Verdi-Wunsch nach Bettenschließungen bei großer Personalnot: Diese könnten „mit Sicherheit nicht“ im Tarifvertrag festgelegt werden, sagt Gabriele Sonntag. „Das behalten wir uns als Management vor.“ So bleiben noch fundamentale Meinungsunterschiede: „Verdi will die Kontrolle über Art und Umfang der Krankenversorgung“, moniert Kaisers. Den Wunsch nach einem Systemwechsel „können wir nicht erfüllen“.

Bei der Verhandlungsrunde am 18. Dezember hatten die Arbeitgeber ihr Angebot verbessert. Demnach gestehen sie 120 neue Stellen zu und erklären sich zu einer Regelbesetzung von zwei Kräften im Nachtdienst bereit. Vor Ort sollen Verbesserungen in Intensivbereichen erzielt werden.