Tat-Serie in Ludwigsburg Ist der 20-Jährige für alle Brände verantwortlich? – Polizei vor Puzzle-Arbeit

Die Feuerwehr hat am Wochenende unter anderem diesen Mülltonnen-Brand in der Elmar-Doch-Straße gelöscht. Foto: Feuerwehr Ludwigsburg

Endet die Serie von Mülltonnen-Bränden in Ludwigsburg nun? Die Polizei muss klären, ob und für welche Brandstiftungen der verhaftete 20-Jährige verantwortlich ist.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Nach erneuten Brandstiftungen an Mülltonnen in Ludwigsburg an diesem Wochenende hat die Polizei einen 20-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Über die möglichen Tatmotive des Verdächtigen wollte sich die Polizei am Montag unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Unklar ist vor allem auch, ob er für alle Brände der vergangenen Wochen verantwortlich ist.

 

Die Liste der Müllcontainer-Brände seit dem 20. März ist lang. Sie umfasst mehr als zehn Feuer, die von den angezündeten Containern zum Teil auf Gebäude übergriffen und erheblichen Schaden anrichteten. Der jüngste Vorfall in der Nacht auf Sonntag könnte nach der Verhaftung des 20-Jährigen der vorerst letzte in der Serie sein.

Der Brand eines Müllcontainers griff in der Nacht auf Samstag auf ein Firmengebäude über. Foto: Feuerwehr Ludwigsburg

Die Feuerwehr löschte den Brand von zwei Mülltonnen in der Elmar-Doch-Straße gegen 1.40 Uhr. Kurz darauf verhaftete sie den jungen Mann und führte ihn dem Haftrichter vor, der ihn in eine Justizvollzugsanstalt einwies. Wie die Polizei gerade auf ihn gekommen sei, wollte sie am Montag nicht kommunizieren. „Es war ein Zusammenspiel aus Ermittlungen der Kripo und den Geschehnissen der Nacht“, sagte Joas Rau, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg.

Die Feuerwehr in Ludwigsburg hatte bereits am frühen Samstagmorgen gegen 3.15  Uhr wegen einer brennenden Mülltonne ausrücken müssen. Am Ende stand ein Schaden von etwa 5000 Euro, weil das Feuer an der Saarstraße auf eine benachbarte Firma übergegriffen hatte.

Erst Ende März war es zu einem verheerenden Brand gekommen, als ein Wohnhaus an der Stuttgarter Straße durch einen brennenden Müllcontainer im Hinterhof in Flammen geriet. Die Feuerwehr konnte eine Katastrophe gerade noch verhindern. Zwei Garagenbrände vor wenigen Tagen liefen nach einem ähnlichen Schema ab.

Die Reste des Müllcontainers am Firmengebäude werden gesichtet. Foto: Feuerwehr Ludwigsburg

Was psychisch als Motiv hinter den Taten steckt, könnten die weiteren Ermittlungen zeigen. Bereits in den Nächten zum 20., 27., 28. sowie am 29. März waren mehrere Papiermüllcontainer in Ludwigsburg in Brand gesetzt worden.

Schon vorher war ein Werbeschild in Brand geraten

Für die Kripo dürfte die Vorgeschichte in der Nacht auf Samstag interessant sein. Feuerwehr und Polizei waren nämlich schon um 2  Uhr zu einem Kleinbrand an der Osterholzallee gerufen worden, berichtet die Stadt Ludwigsburg in einer Pressemitteilung. Ein Werbeschild war angezündet worden. Beim Eintreffen der Kräfte war der Brand bereits erloschen, sodass kein Eingreifen erforderlich war.

Die Feuerwehr sei laut Pressemitteilung der Stadt dann gegen 3.17 Uhr an der Siegesstraße, also in der Nähe der Saarstraße, zum Löschen des Mülltonnenbrandes im Einsatz gewesen. Vor Ort habe sich herausgestellt, dass eine 1000-Liter-Papiermülltonne an der Gebäudefassade in Brand geraten war. „Durch die Hitzeeinwirkung war eine Fensterscheibe geplatzt, und es kam zu einem Raucheintrag in das Gebäude.“

Die Feuerwehr löschte den Brand unter Atemschutz. Parallel dazu seien weitere Einsatzkräfte nachalarmiert und das Innere des Gebäudes kontrolliert worden. Anschließend habe die Wehr es belüftet. Rund 50 Einsatzkräft und neun Fahrzeugen seien rund eine Stunde im Einsatz gewesen.

Brandstiftung gilt in Deutschland als schwere Straftat. Schon das Anzünden einer Mülltonne kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, sobald fremdes Eigentum beschädigt wird. Wer das Feuer absichtlich legt, riskiert eine Freiheitsstrafe von mehreren Jahren.

Auf einen Täter kämen hohe Kosten zu

Neben der strafrechtlichen Verfolgung kommt auf Täter auch eine finanzielle Verantwortung zu: Der Sachschaden müsste in voller Höhe ersetzt werden, weil Versicherungen bei Mutwilligkeit nicht zahlen. Zu den Schäden zählen in der Regel die Reparaturkosten am Gebäude, Aufwendungen für die Feuerwehr und mögliche Folgeschäden wie etwa Betriebsunterbrechungen.

Ein Beispiel aus Waiblingen zeigt, wie drastisch die Folgen sein können: Dort warf im Jahr 2017 ein Mann aus Frustration über seine Lebensverhältnisse ein brennendes Stück Pappe in einen Müllcontainer des Bürgerzentrums. Bei dem anschließenden Großbrand war die Feuerwehr zwei Tage lang beschäftigt – es entstand ein Schaden von zwei Millionen Euro. Der Mann wurde später in die Psychiatrie zwangseingewiesen, weil das Gericht davon ausging, er könne jederzeit wieder Feuer legen.

Fahrlässiges „Mülltonnen-Spiel“ kann also schnell in ein juristisches, finanzielles und persönliches Desaster münden. Schon kleine Brände bergen erhebliche Risiken, selbst wenn niemand verletzt wird.

Zeugen, die Hinweise zu den Brandereignissen in Ludwigsburg machen können, werden gebeten, sich unter der Nummer 0800 / 110 02 25 oder per E-Mail an hinweise.kripo.ludwigsburg@polizei.bwl.de zu melden.

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