Tatort aus der Schweiz Wenn Schweigen wehtut

Die Ermittlungen führen die beiden Beamten in den Wald. Foto: SRF/Daniel Winkler 9 Bilder
Die Ermittlungen führen die beiden Beamten in den Wald. Foto: SRF/Daniel Winkler

Darüber spricht man nicht – so lautet die Devise im neuen Tatort aus der Schweiz. Dabei wird klar: Auch in Zeiten von vermeintlicher Aufgeklärtheit ist der Umgang mit dem Thema Sexualität immer noch schwierig.

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Stuttgart - Verschämtes Schweigen, kollektives Schweigen, verleugnendes Schweigen: Wann immer das Thema Sexualität angesprochen wird, wird es ziemlich schnell recht still – erst recht, wenn dabei etwas im Argen liegt. Ganz nach der Devise: Darüber spricht man nicht. Auch in Zeiten von vermeintlicher Aufgeklärtheit, Büchern wie „Feuchtgebiete“ und Internetpornografie hat sich dieses Tabu gehalten, auch wenn es sich jetzt eher in Nischen versteckt. Einer solchen ist Regisseur Tobias Ineichen im neuen Schweizer Tatort „Skalpell“ (Pfingstmontag, 28. Mai, um 20.15 Uhr in der ARD und in der ARD-Mediathek) auf der Spur – und schafft es, quasi nebenbei einen recht passablen Krimi zu inszenieren.

Doch zuerst einmal startet „Skalpell“ mit einem hübschen Alpenpanorama: Bei einem Benefiz-Lauf durch die Berge rund um Luzern wird der Kinderchirurg Dr. Peter Lanther (Benedict Freitag) ermordet, der Täter rammt ihm ein Skalpell in den Hals. Die Ermittler Reto Flückinger (Stefan Gubser), Liz Ritschard (Delia Mayer) und ihr Team finden heraus, dass Dr. Marco Salimbeni (Thomas Sarbacher) – Lanthers Stellvertreter in der Klinik - ein Verhältnis mit dessen Frau hat. Natürlich profitiert er auch beruflich vom vorzeitigen Ableben seines Chefs. Hat er also zum Skalpell gegriffen?

Ein sturer Choleriker

Vielleicht ist der Täter ja auch eher in der Klinik zu suchen. Kinderchirurg Lanther wird von seinen Kollegen als Choleriker beschrieben, der stur auf seinen Methoden beharrt und keinerlei Kritik duldet. Ist er jemandem zu oft auf die Zehen getreten? Oder hat sein Tod etwas mit seinen Patienten zu tun? Ein Verwirrspiel beginnt, bei dem Flückinger und Ritschard ziemlich lange im Dunkeln tappen. Erst als eine weitere Leiche auftaucht, kommen sie dem wahren Motiv und damit auch dem Täter auf die Spur.

Fettnäpfchen, Stolperfallen und moralische Dilemmata: Filmemacher müssen ziemlich behutsam vorgehen, wenn sie so ein delikates Thema wie Sexualität angehen. „Skalpell“ merkt man diesen Drahtseilakt aber nicht an, im Gegenteil. Regisseur Tobias Ineichen schafft es, ein Tabuthema offen, mit Respekt für die Betroffenen und trotzdem spannend abzuhandeln – und zeigt dabei, dass Schweigen manchmal schlimmer ist als das vermeintliche Problem selbst.

Schönste Krimifloskel: „Dieser Anblick, da muss ich mich erst noch dran gewöhnen“, sagt Brigit Bürki über die blutige Leiche– und Flückinger antwortet: „Daran gewöhnt man sich nie.“

Heimliche Stilikone: Auch wenn man nicht auf Autos steht – der senfgelbe Schlitten, den Liz Ritschard fährt, ist einfach cool.

Gefühlter Moment, in dem der Fall gelöst ist: In Minute 54 könnte man meinen, dass die Beamten ganz kurz vor des Rätsels Lösung stehen. Doch weit gefehlt.




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