Tatort aus Köln Wie ein altes Ehepaar

Von Kai Rixecker 

Die Tatort-Ermittler Max Ballauf und Freddy Schenk aus Köln lösen ihren 50. Fall. Dieser ist sicher nicht ihr aufregendster.

Freddy Schenk und Max Ballauf haben in ihrem Fall Altes Eisen nicht mit der Suche nach dem Mörder zu kämpfen.  Foto: dapd
Freddy Schenk und Max Ballauf haben in ihrem Fall "Altes Eisen" nicht mit der Suche nach dem Mörder zu kämpfen. Foto: dapd

Stuttgart –  Am Ende ihres neuesten Falls "Altes Eisen" bringt es Tatort-Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) selbst auf den Punkt. "Und am Ende sitzen wir hier wie ein altes Ehepaar", sagt er zu seinem Kollegen Max Ballauf (Klaus J.Behrendt). Mehr ist dem eigentlich nicht hinzuzufügen. Einen soliden Auftritt zeigen die beiden Kölner Ermittler. Für mehr reicht es allerdings nicht. Vieles hat sich im mittlerweile 50. Fall von Schenk und Ballauf eingespielt - wie in einer alten Ehe eben.

In ihrem aktuellen Mordfall wird das weltoffene Image der Stadt Köln auf die Probe gestellt. Im Fokus steht dabei die Transsexuelle Trudi (Edgar Selge). Trudi hieß früher Arno und war mit Gerda (Heide Simon) verheiratet, die im gleichen Haus eine Etage tiefer wohnt. Zudem kümmert sich Trudi liebevoll um Gerda, wenn diese Hilfe braucht.  Seit 30 Jahren lebt die heute Transsexuelle  in dem Mehrfamilienhaus. Doch damit soll nun Schluss sein. Das Viertel, in dem das Haus steht, befindet sich im Wandel. Es soll moderner und angesagter werden. Und Trudi scheint dort nicht mehr reinzupassen.

Das sieht auch Vermieterin Erika Roeder (Anne Marie Flieger) so. Sie weiß um die gute Lage ihres Hauses und will es sanieren lassen. Zudem stört sie die Transsexualität Trudis. Schließlich will Erika Roeder ihre ungeliebte Mieterin loswerden. Doch plötzlich wird die Vermieterin ermordet.

Als Verdächtige kommen eine Reihe von Leuten in Frage: neben Trudi, die ihren Rauswurf verhindern möchte, hat auch Erika Roeders Sohn Frank (Aljoscha Stadelmann) ein Motiv. Er will seinen schlecht laufenden Eisenwarenladen abstoßen. Mit dem Erbe seiner wohlhabenden Mutter könnte er sich zusammen mit seiner Freundin Sophie (Henny Reents) eine neue Existenz aufbauen. Doch auch Sophies Ex-Freund Peter Stamm (Tobias Oertel), ein Wettladen-Besitzer und Vertrauter von Erika Roeder, kommt als Mörder in Frage.

Ballauf wird erneut von einer Frau enttäuscht

Grundsätzlich birgt dieses zunächst undurchsichtige Geflecht der Verdächtigen Potenzial für einen spannenden Kriminalfall. Dass der Film allerdings dann eher vor sich hinplätschert, liegt einerseits an Ballaufs verkorkstem Liebesleben und den daraus resultierenden Unstimmigkeiten der Ermittler untereinander. 

Max Ballauf ist wie schon so oft auf der Suche nach der Frau seines Lebens. Nachdem er in früheren Fällen auf seine alte Jugendliebe und seine Ex-Freundin getroffen ist, soll dieses Mal Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliana Köhler) die Richtige für ihn sein. Schließlich hat er sein möbiliertes Zimmer gegen eine Kölner Stadtwohnung mit Domblick eingetauscht. Allerdings ist es schon zu erahnen: Der Kommissar wird wieder enttäuscht. Wie er damit umgeht, erinnert allerdings eher an einen pubertierenden Teenie als einen erwachsenen Mann. Beispielsweise wenn er Lydias Anruf aus Trotz wegdrückt.

Wegen seiner gescheiterten Bemühungen um Lydia kommt Ballauf das Angebot, zum Bundeskriminalamt in Wiesbaden zu wechseln, gerade recht. Sehr zum Ärger seines Partners Freddy Schenk. 

Die Sticheleien zwischen den Kommissaren sowie Ballaufs Liebesleben wirken bemüht dargestellt und lenken von den eigentlichen Ermittlungen ab. Wenigstens kommen die Ermittler in den zwei brenzligen Situationen des Films (einer Schlägerei zwischen Frank Roeder und Peter Stamm sowie zwischen Peter Stamm und Trudi) gerade noch einmal rechtzeitig - und das zumindest stilsicher in einem Cadillac Eldorado. Begeistern kann das ganze Schauspiel letztlich aber nicht, auch wenn am Ende ein nicht vermuteter Täter überführt wird. 

Schönste Krimi-Floskel: "Max! Ich glaub’, ich hab’ was."

Stil-Ikone: Tobias Oertel als Peter Stamm - gut aussehend und immer gut gekleidet.

Schlimmster modischer Fehlgriff: Sophie erinnert mit ihrem Jeanskleid an die Nena der Achtziger Jahre.

Heimliche Stilikone: Edgar Selge als Trudi. Er schafft es, die Figur einer Transsexuellen so zu spielen, dass sie weder billig noch überdreht wirkt.

Gefühlter Moment, in dem der Fall gelöst ist:  Als die Kommissare bei Frank Roeder, dem Sohn des Opfers, belastendes Material finden, scheint der Schuldige gefunden.

Und es hat doch was mit Stuttgart zu tun: Freddys Liebe zu den Autos dürfte auch das Herz eines jeden Schwaben höher schlagen lassen

Der Tatort "Altes Eisen" läuft am Sonntag, 4. September, ab 20.15 Uhr in der ARD. Zudem ist er in der ARD-Mediathek zu sehen.