Tatort "Der illegale Tod" Inga Lürsen gegen die Festung Europa

Von Marc Hippler 

Stedefreund betrinkt sich, Lürsen muss aufräumen. Die Rollenverteilung ist im Bremer Tatort klar. Statt Spannung gibt es Politik.

Nach einer durchzechten Nacht müssen Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) und Inga Lürsen (Sabine Postel) herausfinden, warum Stedefreunds Kumpel Peer Förden verschwunden ist. Foto: dapd 10 Bilder
Nach einer durchzechten Nacht müssen Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) und Inga Lürsen (Sabine Postel) herausfinden, warum Stedefreunds Kumpel Peer Förden verschwunden ist. Foto: dapd

Stuttgart – Manchmal geht die Tagesschau nach dem Wetter einfach weiter. Dann ist im Tatort das Kriminelle politisch und die Geschichte auch eine Nachricht. Am Sonntag ist das wieder so. Der Tatort „Der illegale Tod“ dreht sich im Kern um afrikanische Flüchtlinge, die ihr Leben riskieren, um nach Europa zu kommen und darum, wie der reiche Norden sich systematisch dagegen abschottet.

Einen lockeren Krimiabend aus Bremen sollte man diesmal also besser nicht erwarten. Schon die Einführung des Themas wirkt ein bisschen bemüht. Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) trifft nach Jahren seinen Kumpel Peer wieder („Du hast dich doch verändert“), geht mit ihm trinken („Tequila ist out. Schon seit den 90ern.“), erneuert einen albernen Blutsschwur („Für das Gute. Das Gerechte. Für einander. Für immer.“) und versackt.

Lürsen mit mütterlichem Charme

Am nächsten Morgen sind sowohl Peer, als auch die Afrikanerin Amali verschwunden, die den Rest des Abends mit den beiden Männern verbracht hat. Jetzt muss Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) eingreifen – und macht das mit einer Prise strenger Mütterlichkeit, wie immer, wenn Stedefreund etwas angestellt hat. Es stellt sich heraus, dass Amali Peer und drei seiner Kollegen beobachtet hat. Die Wasserschutzpolizisten arbeiteten für die europäische Agentur Frontex, sicherten auf dem Mittelmeer die Grenze gegen illegale Einwanderung ab.

Einer ihre Einsätze ging schief, 14 Afrikaner wurden tot an Land gespült, über 50 vermisst. Gut möglich, dass Amali auf einem Rachefeldzug ist. Dass die Polizisten etwas zu verbergen haben, ist einem auch dann schnell klar, wenn man mal eine Viertelstunde nicht so richtig aufpasst. Richtige Spannung kommt ohnehin in den 90 Minuten nicht auf.

 Wichtiges Thema auf Kosten der Spannung

Das Anliegen des Films ist allerdings zweifellos löblich. Und dabei ist das Thema im Laufe des Films durchaus plausibel mit der Handlung verknüpft. Lürsen gibt die Alt-68erin, die gegen die "Festung Europa" kämpft ("Outsourcing der Verantwortung so lange, bis sie verschwunden ist in der Bürokratie"), Stedefreund muss dagegen halten ("Guck dich doch mal um, was soll man denn machen?").

Einzige Nebenhandlung ist ein Konflikt zwischen Lürsen und ihrer Tochter, die plötzlich ihre Vorgestzte ist. Zum Glück bleibt dies das einzig wirklich Unglaubwürdige an diesem soliden Tatort, der sich gut für einen Themenabend eignen würde. Worüber redet eigentlich Anne Will am Sonntagabend?

Schlimmster modischer Fehlgriff: Gerichtsmediziner Katzmann trägt ein Sweatshirt mit der Aufschrift "V. B. B. Verband Bremer Boßler". Er habe den Seniorenpokal zu verteidigen.

Heimliche Stilikone: Die Barkeeperin in der Bar, in der sich Stedefreund mit Peer Förden betrinkt. Sie trägt ein gewaltiges Tattoo auf dem Rücken. Dezenter wurde nie eine gewisse "From Dusk Til Dawn"-Haftigkeit angedeutet.

Schönste Krimifloskel: "Auf dem Sofa sind auch noch Blutspuren."

Gefühlter Moment, in dem der Fall gelöst ist: Minute 57. Je nachdem, welchen Fall man meint.

Tatort "Der illegale Tod" läuft am Sonntag, 15. Mai, um 20.15 Uhr in der ARD und in der Mediathek.

Ab 21.45 Uhr gibt es auf tatort.de einen Chat mit dem Regisseur, dem Autor und den Hauptdarstellern.