Herr Klare, wie lebt es sich als Schauspieler in Zeiten von Corona?
Ende Februar haben wir gerade noch einen „Tatort“ abdrehen können. Als ich damals im Hotelzimmer Nachrichten geschaut habe, war Corona noch relativ weit weg.
Aufgrund der Corona-Einschränkungen wurden anschließend alle Dreharbeiten abgesagt. Waren Sie auch betroffen?
Ja. Im April wäre ich Teil eines Projektes gewesen, das abgesagt wurde. Ein weiterer Dreh ist auf August verschoben. Den nächsten „Tatort“ drehen wir zum Glück erst im November.
Einige Produktionsfirmen haben die Dreharbeiten inzwischen wieder aufgenommen. Wie funktioniert Schauspielern in Zeiten von Corona?
Das weiß ich noch nicht. Eine Redakteurin hat mir von einem Ampelsystem erzählt: Das Team, das direkt am Set arbeitet, erhält die Farbe Rot. Gelb sind die, die rund um das Set unterwegs sind, und Grün steht für die Kollegen im Produktionsbüro. Alle werden regelmäßig getestet. Sollte es einen positiven Test geben, betrifft das nur das Team der jeweiligen Farbe.
Und was passiert, wenn der Hauptdarsteller Covid-19 bekommt? Müssen die Dreharbeiten dann von vorne beginnen?
Das ist eine gute Frage. Wenn der Dreh bereits begonnen hat und dann passiert etwas, kann man eine tragende Rolle nicht einfach neu besetzen.
Haben Sie selbst Angst vor dem Virus?
Ich lasse mich nie von Angst leiten.
Und wie bewerten Sie die Maßnahmen, die gegen die Verbreitung des Virus ergriffen wurden?
Auch wenn ich ein freiheitsliebender Mensch bin, finde ich die Maßnahmen okay. Der fehlende soziale Austausch bereitet mir allerdings Sorgen. Seelische Probleme werden durch Einsamkeit größer.
Wie haben Sie die Monate während der strengen Corona-Beschränkungen ohne soziale Kontakte außerhalb der Familie erlebt?
Wir haben vier Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren. Das beinhaltet einiges an sozialen Kontakten . . . Meine Frau Zora Thiessen und ich kümmern uns gemeinsam um das Homeschooling. Bei der Siebenjährigen stehen gerade neue Buchstaben an, heute war das W dran . . .
. . . wie Wind und Wetter?
Genau. Meine Kinder besuchen eine Waldorfschule: Die Praxis, das Handwerkliche, vermissen sie natürlich, aber am meisten ihre Freunde, die echten sozialen Kontakte.
Haben Sie sich die Zeit daheim auch durch Serien und Filme verkürzt, wenn Sie gerade mal nicht als Hauslehrer aktiv waren?
Wir sind mit den Kindern ganz gut ausgelastet. Dazu hat der Osterhase Hühner gebracht, was dazu führte, dass ich eine Woche lang einen Stall gebaut habe. Jetzt ist auch noch die Katze schwanger. Da bleibt nicht viel Zeit für Serien oder Filme.
Sie haben nicht einmal heimlich einen alten Stuttgart-„Tatort“ mit Ihnen und Richy Müller in den Hauptrollen geschaut, um auf andere Gedanken zu kommen?
Nein, wirklich nicht.