Tatort-Kritik Borowski und die Zecken-Mörderin

Von Marc Hippler 

Update. Der Kieler Tatort verrät die Mörderin gleich am Anfang. Spannend wird es trotzdem - und Borowski sieht noch ein bisschen älter aus.

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Stuttgart - Wenn ein Fall beim Tatort von Beginn an gelöst ist - wenigstens zur Hälfte - dann muss das nicht unbedingt schlecht sein. Oft ist es mit einem entlarvten Mörder ja nicht anders, als auf einer Silvester-Party: Wenn der rituelle Anteil nach Mitternacht abgehakt ist, geht die Fete erst richtig los. Oder ist abrupt vorbei, und alle gehen müde nach Hause. Dem Tatort aus Kiel „Borowski und die Frau am Fenster“ hat es jedenfalls nicht geschadet, dass der Zuschauer die Mörderin von Beginn an kennt. Der Film bleibt überraschenderweise trotzdem spannend. Und nimmt sich Zeit, die Charaktere mal ein bisschen tiefer herauszuarbeiten, als es in 90 Krimiminuten sonst üblich ist.

Das heißt: Es hätte ruhig noch ein wenig tiefer sein können. Zumal Kommissar Borowski (Axel Milberg) mit Sarah Brandt eine neue Partnerin bekommt. Sibel Kekilli spielt die junge Polizistin keck, schlitzohrig und respektlos. Andererseits hätte eine Portion weniger Klischee dem Film hier und da gut getan, wenn Borowski, der im alten Passat-Kombi und Handy mit Ausziehantenne ohnehin anachronistisch wirkt, auf eine junge Dame trifft, die Sätze sagt wie „Hab’s ihnen auf den Stick gezogen“ oder „Das ist ’n Trojaner“. Das wirkt dann doch arg gewollt und, nun ja, oberflächlich.

Die Zecke in der Mikrowelle

Subtiler hätte man sich auch die Figur der Mörderin gewünscht. Sibylle Canonica gibt sich zwar alle Mühe, Tierärztin Delius, die ihren Nachbarn liebt und ihm doch das Liebste nimmt, zwei Gesichter zu verleihen. Aber musste sie dafür wirklich eine Zecke in der Mikrowelle zerplatzen lassen? Und war es unbedingt nötig, zu klassischer Musik zu starren - wie es die handelsübliche „Tatort“-Psychopathin eben so macht?

Borowskis wunderbar unaufgeregte Art, die guten Schauspieler und das norddeutsche, fast skandinavische Flair machten den Film aber doch sehenswert. Sieht so aus, als könnten wir uns auf das Duo Milberg-Kekilli richtig freuen.

Update: Falls Ihnen Sibel Kekilli an der Seite von Axel Milberg bekannt vor kam: Erst im Oktober 2010 spielte sie eine Gastrolle in einem Borowski-Tatort. Damals war Sarah Brandt allerdings Automechanikerin und Vegetarierin. Inzwischen ist sie also Polizistin und isst Schnitzel in der Kantine. So viel zum Thema Continuity.

"Borowski und die Frau am Fenster" in der ARD-Mediathek.