Tatort-Kritik Ermittlungen im Kugelhagel

Von Rebecca Müller 

Der neue „Tatort“ aus Wien entartet zu einer Art Gangsterfilm – komplett mit blutigem Massaker, fiesen Gangstern und wilden Schießereien.

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Stuttgart - Das Schönste an einem Krimi, das ist die Knobelei – wer ist der brutale Mörder, der hier sein Unwesen treibt? Und Otto Normalzuschauer kann sich daheim auf der Couch im Glanz seiner eigenen Intelligenz sonnen, wenn er den Bösewicht früher entlarvt als der TV-Kommissar.

Der neue ORF-Tatort „Kein Entkommen“ ist da jedoch erstmal eine Enttäuschung. Denn wer die Killer sind, die einen Studenten vor einem Kaufhaus mit Kugeln regelrecht durchlöchern, das haben Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ziemlich schnell raus: serbische Gangster. Eigentlich hatten die es auf Mirko Gradic (Christoph Bach) abgesehen. Der war früher Teil einer serbischen paramilitärischen Einheit namens „Sveti Tigar“, die nicht gerade zimperlich mit ihren Opfern umging („Die anderen ließen wir Löcher graben. 400 Leichen brauchen Platz“, plaudert Gradic aus dem Nähkästchen.). Nun haben sich seine alten „Killer-Kumpane“ an seine Fersen geheftet und schießen alles über den Haufen, was ihnen in die Quere kommt.

Bruce Willis wäre stolz

Und so entartet dieser Tatort irgendwie zu einer Art Gangsterfilm, in dem der Zuschauer am Ende den Überblick über die Leichen verliert – bei 13 hört man einfach auf zu zählen. Auch schön: die Szene, in der ein in die Enge getriebener Bösewicht mit einer Maschinenpistole rumballert und sich die Kommissare ganz in „Stirb langsam“-Manier hinter eine Ecke kauern. Auf die Zielsicherheit eines Moritz Eisner wäre sicher auch Bruce Willis mächtig stolz.

Bloß: Mit Krimi hat das Ganze nichts zu tun. Und als diese blutgetränkte Tatort-Folge auch noch mit einem missglückten Cliffhanger endet – ja, dann fragt man sich, ob man an diesem Abend nicht sogar bei Unsere größten Fastnachtshits besser aufgehoben gewesen wäre.

Tatort: Kein Entkommen (ARD), zu sehen auch in der ARD-Mediathek.