Endlich ein Berliner „Tatort“, der seinen Namen verdient: Der Relaunch mit Meret Becker und Mark Waschke ist ein rasanter Hauptstadt-Thriller.
Berlin – Leichenteile im Müll, Gedärme auf dem Badezimmerboden – und Drogenhändler, die, wenn’s die Geldgier erfordert, einem Mädchen den Bauch aufschlitzen und es regelrecht ausweiden, um an das von ihr in Beuteln verschluckte Kokain zu kommen: die erste Folge des runderneuerten Berlin-„Tatorts“ hat Schockerqualitäten. Aber „Das Muli“ zeigt lediglich die Realität, die zur Hauptstadt genauso gehört, wie die vergnügungssüchtigen Touristenhorden, die sich wie Kleister über die schönsten Viertel ergießen.
Verschnarcht, wirklichkeitsfern – was auf die dreizehn Jahre währende Ritter-und-Stark-Ära zutraf, kann man dem Relaunch nicht vorwerfen. Dem Regisseur Stephan Wagner und dem Autor Stefan Kolditz gelingt ein formal hervorragender Großstadtthriller, mit extrem schnellen Schnitten und einem knappen Erzählmodus, der die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers fordert.
Langatmige Erklärdialoge à la „Fassen wir zusammen“ und Dienststellen-Muff gibt es nicht – und keiner vermisst es. Vor allem: endlich ein Berlin-„Tatort“, der diesen Namen verdient – die Hauptstadt ist in all ihren Farben in fast jeder Einstellung präsent. Dazu kommen die sehr überzeugenden Hauptfiguren, so gewollt ihre Gegensätzlichkeit auch sein mag: Meret Becker nimmt einen sofort für ihre authentisch berlinernde, straighte Nina Rubin ein; Mark Waschke versteht es, seinen Robert Karow mit der Aura des sozial unterbelichteten Hochbegabten-Freaks zu versehen.
Dicht, spannend, atmosphärisch – aber ebenso sind es die Leerstellen, die an diesem Auftakt fesseln. Was hat Karow mit dem Drogenkartell, was mit dem Tod seines Kollegen zu tun? Während manche Kritiker die einst von ihnen gerühmte horizontale Erzählweise ja wieder schmähen: hier macht sie unbedingt Lust auf mehr!