Tatort-Kritik Verdrießliche Ermittler

Von Michael Werner 

Der Wiener „Tatort“ hat diesmal Grauen in Tirol gezeigt. So entschieden hat schon lange kein deutschsprachiger Krimi mehr Idylle zerfurcht.

Der mazedonische Bauarbeiter Dimitar (Branko Tomovic, rechts) und sein Vater (Mustafa Nadarevic) werden verhaftet.  Foto: ARD 6 Bilder
Der mazedonische Bauarbeiter Dimitar (Branko Tomovic, rechts) und sein Vater (Mustafa Nadarevic) werden verhaftet. Foto: ARD

Stuttgart - So entschieden hat schon lange kein deutschsprachiger Krimi mehr die Idylle zerfurcht wie dieser "Tatort" aus Tirol: In den Bergen hungern mazedonische Bauarbeiter, die man um ihren Lohn geprellt hat, und am Kran hängt ein erschlagener Bauunternehmer. Das Opfer kommt genauso unsympathisch rüber wie die meisten Verdächtigen - die gierige Witwe, der gierige Sohn, der gierige Subunternehmer und so weiter. Auch die Guten sind in der "Tatort"-Folge "Lohn der Arbeit" meist verdrießlich gestimmt, haben sie doch ihr Packerl zu tragen: Der Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) schleppt sich auf Krücken durch die Gegend; sein Assistent, der Inspektor Franz Pfurtscheller (Alexander Mitterer), hat dauernd seine demente Mutter am Telefon. Zu alldem pochen aus dem Off ebenso düstere wie spannende Elektronikbeats, während martialisch gekleidete Spezialeinheiten Bürokammern hinter pittoresken Fassaden stürmen.

Dieser "Tatort" will vieles sein: Sozialdrama und Sittengemälde, Krimi irgendwie auch und gelegentlich Heimatkundestunde: "Die meisten Vatermörder gibt es in Tirol", sagt der lokale Polizist zum angereisten Kollegen, und dass das an der Macht der Patriarchen läge. Die Melange gelingt ganz vorzüglich, weil das Grauen alles zusammenhält. Bloß wenn dieser "Tatort" zudem noch Museumskunst sein will, wenn sich dubiose Erben im Swimmingpool und in Glasfassaden spiegeln, dann wird es ein bisschen viel der Ambition.

Dafür wird man mit der vielschichtig formulierten Erkenntnis entschädigt, dass wenig so ist, wie es scheint. Ehrenmann oder Abzocker? Menschenrechtler oder Totschläger? Heimat oder Hölle? Dieser "Tatort" widmet sich den Zwischentönen, plausibel und unterhaltsam noch dazu.

Den Tatort "Lohn der Arbeit" gibt es in der ARD-Mediathek zu sehen.