Sebastian Bootz (Felix Klare, links) und Thorsten Lannert (Richy Müller) ermitteln im neuen Tatort „Vergebung“. Foto: SWR/Christian Koch/d:light| Christian Koch
Ob Bahnhof, Weinsteige oder Solituderennstrecke: die Stadt Stuttgart spielt in den Stuttgarter Tatort-Folgen mal eine größere, mal eine kleinere Rolle. Im neuen Tatort rückt am Sonntag eine bekannte Imbissbude ins Rampenlicht.
Wenn die Stuttgarter Tatort-Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) in der ARD ermitteln, werden auch regelmäßig Teile der Landeshauptstadt ins Rampenlicht gerückt. Seit das Ermittler-Duo im März 2008 an den Start ging, waren sie bereits in 30 Filmen zu sehen.
Typisch für die populäre Krimireihe der ARD ist es, die jeweilige Charakteristik der Stadt oder Region, in der die Kommissare und Kommissarinnen ermitteln, darzustellen. Und so ist auch bei den Stuttgarter Tatorten die Stadt oft der heimliche Star. „Ganz grundsätzlich ist es das Anliegen der Redaktion, dass Stuttgart in seinen Eigenarten rüberkommt, auch in den Motiven“, erklärt Annette Gilcher, Pressesprecherin beim zuständigen Sender SWR.
Dabei gehe es nicht um Standardpostkartenmotive, sondern darum, die typische Topografie, wie Straßen- oder Staffelführung oder beispielsweise die Mischung aus Industrie und Weinbau zu zeigen. Nur wenn es inhaltlich und ästhetisch passe, werde auch mal ein für Stuttgart offensichtlicher Ort gezeigt. So wie beispielsweise im Film „Der Inder“ aus dem Jahr 2015, als es um den Bahnhofsumbau ging. „Da wurden natürlich der Bahnhof und die Baugrube ins Bild gesetzt“, sagt Gilcher.
Tatort „Stau“
Am originellsten und prägnantesten in Bezug auf den Drehort war wohl der Tatort „Stau“ aus dem Jahr 2017. Dieser fand fast ausschließlich an dem vermeintlichen Drehort Weinsteige statt – und wurde doch nie an der Weinsteige gedreht. Da diese aus nahe liegenden Gründen nicht tagelang gesperrt werden konnte, wurde sie – samt Aussicht – in einer Freiburger Messehalle nachgebaut.
Der Tatort Stau spielt auf der Weinsteige, ist dort aber nicht gedreht worden. Foto: SWR/Andreas Schäfauer
„Die Motive müssen nicht nur zur jeweiligen Geschichte und ihrer Umsetzung passen, sondern auch logistisch machbar sein. Und die Dreherlaubnis brauchen wir natürlich auch“, erklärt Gilcher.
Tatort „Die Nacht der Kommissare“
Den Tatort-Fans dürfte der 30. Fall des Stuttgarter Ermittler-Duos, der direkt vor der Sommerpause ausgestrahlt wurde, noch am besten in Erinnerung sein. In „Die Nacht der Kommissare“ wurde Kommissar Lannert in einer Kneipe unter Drogen gesetzt. Diese Kneipe heißt im Film „Wilder Mann“, doch in Wahrheit handelt es sich um die Bar „Eagle“ in der Stuttgarter Mozartstraße. „Dort wurde an vier Tagen, beziehungsweise vor allem in den Nächten gedreht“, sagt Gilcher.
Diese Kneipe heißt im Tatort „Wilder Mann“,... Foto: SWR/Christian Koch
...in der Wirklichkeit „Eagle“ und ist in der Mozartstraße zu finden. Foto: SWR//Christian Koch
Passend zu dem Tatort – in dem Tiger eine Rolle spielen – haben sich Regie und Szenenbild, als eine Bushaltestelle gebraucht wurde, für die echte Haltestelle „Tigerstraße“ entschieden und diese in Szene gesetzt.
Wissen vermutlich gar nicht so viele Stuttgarter: Die Haltestelle „Tigerstraße“... Foto: SWR /Christian Koch
...gibt es wirklich. Foto: SWR //Christian Koch
Tatort „Der Mörder in mir“
Der zweite Tatort aus Stuttgart im Jahr 2022 hieß „Der Mörder in mir“ und handelte von einem Anwalt, der einen obdachlosen Radfahrer überfuhr und Fahrerflucht beging. Die Anwaltskanzlei, in der die Episodenhauptfigur (gespielt von Nicholas Reinke) arbeitete, war im „Haus der Architekten“ in der Danneckerstraße angesiedelt, das mit seiner Aussicht und einer Terrasse punkten kann. Dort war das Filmteam an zwei Drehtagen innen und außen in Aktion.
Diese Terrasse gehört... Foto: SWRD/Benoît Linder
...zum Haus der Architekten. Foto: SWR/ Benoît Linder
Bei der Solituderennstrecke, wo der Unfall mit Fahrerflucht und unterlassener Hilfeleistung geschah, wurde allerdings getrickst: für die nächtlichen Szenen des Unfalls hätte die Strecke länger gesperrt werden müssen, als es möglich gewesen wäre. Deswegen wurden diese Szenen woanders gedreht. Lediglich die Anfahrten der Kommissare zum Tatort und die Szene, in der sich Rechtsmediziner Dr. Daniel Vogt (Jürgen Hartmann) den Berg mit dem Fahrrad hoch kämpft, wurden tatsächlich an der Solituderennstrecke gedreht.
Tatort „Der Mann, der lügt“
In dem Stuttgarter Tatort „Der Mann, der lügt“ können die Fans gleich mehrere Schauplätze wiedererkennen. Die Tennisplätze an der Waldau, das Oberlandesgericht, der Club Schocken in der Hirschstraße und das Café Kaiserbau am Marienplatz waren zu sehen.
Die Tennisplätze auf der Waldau bilden hier den Rahmen. Foto: SWR/Christian Koch
„Auf mich wirkte aber vor allem unser zentrales Foto am Olgaeck mit Manuel Rubey, der die Episodenhauptfigur darstellte, sehr charakteristisch“, sagt Gilcher. Daran könne man sehen, dass es manchmal gar nicht so sehr die von langer Hand ausgewählten Motive sind, die für einen Film stehen, sondern auch Momente, die so dezidiert gar nicht auf der Motivliste zu finden seien. In der Justizvollzugsanstalt in Stammheim, die in dem Film ebenfalls eine Rolle spielt, bekam das Filmteam keine Drehgenehmigung, weshalb nur die Anfahrten zu sehen waren.
Olgaeck und Dobelstraße sind nicht spektakulär, aber sehr charakteristisch für Stuttgart. Foto: SWR/Christian Koch
Tatort „Vergebung“
Im neuen Stuttgarter Tatort wird der Rechtsmediziner Dr. Daniel Vogt, gespielt von Jürgen Hartmann, eine größere Rolle spielen. Er war auch Ideengeber für die Handlung. Für diesen Tatort wurde einen Tag lang am Neckar gedreht, weil die Leiche laut Drehbuch am Wasserwerk angetrieben und aus dem Fluss geholt wird. Wer gut aufpasst, kann die bekannte Stuttgarter Imbissbude „Brunnenwirt“ und die Gegend drum herum am Leonhardsplatz erkennen. Einen halben Drehtag verwendete das Filmteam dort, um eine Situation am Imbissstand zu filmen. Auch auf der Wächterstaffel und rund um Dannecker- und Alexanderstraße wurde gedreht.
Die Imbissbude Brunnenwirt ist ein Schauplatz im neuesten Tatort. Foto: SWR/Christian Koch
Foto: SWR//Patricia Neligan
Wie die Motive in Szene gesetzt wurden, können die Zuschauer und Zuschauerinnen in „Tatort – Vergebung“ am Sonntag, 19. November, um 20.15 Uhr in der ARD verfolgen.