Tatort Wohnungen Werden Einbrecher in der Ferienzeit wieder öfter zuschlagen?
In Sachen Wohnungseinbruch gibt es in Stuttgart bisher gute Nachrichten: Die Täter sind in diesem Jahr zurückhaltender unterwegs. Das muss aber nicht so bleiben.
In Sachen Wohnungseinbruch gibt es in Stuttgart bisher gute Nachrichten: Die Täter sind in diesem Jahr zurückhaltender unterwegs. Das muss aber nicht so bleiben.
Mit dieser Dreistigkeit hat ein Bewohner eines Mehrfamilienhauses in der Hohenheimer Straße in der Innenstadt nicht gerechnet. Bei einem der ersten Sommerferien-Einbrüche scheuen sich die Täter nicht davor, die Scheibe der Wohnungstür lautstark zu zertrümmern und dann nach Beute zu suchen. Und das nachts zwischen 1 und 3.30 Uhr. Muss man da nicht die Anwesenheit vom Wohnungsinhaber oder wenigstens den Nachbarn befürchten?
Der Trend der ersten Sommerferientage ist auffällig. Die Wohnungseinbrecher scheinen derzeit bevorzugt in Mehrfamilienhäusern in den Innenstadtbezirken zuzuschlagen. Anfang August ist es mal eine Dachgeschosswohnung im vierten Stock an der Türlenstraße im Norden, mal eine Wohnung an der Böblinger Straße im Bezirk Süd, mal ein Wohnhaus an der Schwabstraße im Bezirk West. In allen Fällen bleiben die Täter unbekannt.
So auch im Fall Hohenheimer Straße. Obwohl die Bewohner eigentlich hellwach waren – oder gerade deshalb. „Vor dem Haus gab es ein kleines Fest“, sagt die Polizeisprecherin Charlotte Weller, „und daran hat der betroffene Bewohner teilgenommen.“ Zwischen eins und halb vier – und das müssen die Täter ausgenutzt haben. Das Klirren der Glasscheibe dürfte wegen der Musik vorm Haus daher auch von niemandem bemerkt worden sein.
Der Fall zeigt jedenfalls: Man muss nicht auf Urlaubsreise sein, um in der aktuellen Ferienzeit von Eindringlingen heimgesucht zu werden. Für die Betroffenen ist es dann ein schwacher Trost, dass die Wohnungseinbrecher auch nicht unbedingt in den Sommerferien bevorzugt zuschlagen. Eine Monatsauswertung der Einbrüche des Jahres 2023, die die Stuttgarter Polizei auf Anfrage unserer Zeitung vorgelegt hat, zeigt einen klaren Schwerpunkt – im Dezember, mit 109 registrierten Fällen.
Das ist eigentlich auch nachvollziehbar. Zwar sind in den Sommerferien viele Bewohner abwesend – aber in der Winterzeit ist das für die Täter besonders gut sichtbar, weil es früher und länger dunkel ist. Sind die Wohnungslichter aus, ist vermutlich niemand da. In der Sommerzeit liegen die Zahlen bislang eher im Durchschnitt.
Die Zahl der Wohnungseinbrüche hatte im Land und in der Landeshauptstadt im vergangenen Jahr deutlich zugenommen – in Stuttgart um fast 30 Prozent. Und die Aufklärungsquote hatte mit 7,6 Prozent eher bescheidene Ausmaße. In diesem Jahr scheint die Entwicklung eher wieder erfreulicher zu sein: „Die Anzahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle für das erste Halbjahr 2024 ist im Vergleich deutlich rückläufig“, stellt Polizeisprecherin Weller fest.
Und es gehen im ersten Halbjahr auch gehäuft tatverdächtige Eindringlinge ins Netz. Ein 28 und 30 Jahre altes Paar, das im März in einem Mehrfamilienhaus in Weilimdorf Beute gemacht hatte, wurde in Ludwigshafen ermittelt und verhaftet. Ebenso gingen zwei 44 und 45 Jahre alte Männer ins Netz, die in Häusern im Stuttgarter Osten und in Bad Cannstatt von Anwohnern überrascht worden waren. Besonders schmerzhaft wurde dies allerdings für einen 43-jährigen Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Gablenberg, der zwei Eindringlinge verfolgte. Er stürzte und brach sich den Arm. Immerhin wurde ein wohnsitzloser 29-Jähriger gefasst und in Untersuchungshaft genommen.
Allerdings landen längst nicht alle Täter hinter Gittern. Ein 35-Jähriger, der im Juli von Zeugen auf einem Balkon eines Hauses in Untertürkheim erwischt wurde, und ein 22-Jähriger, der sich im Stuttgarter Süden an der Terrassentür einer Bewohnerin zu schaffen machte, wurden am Ende auf freien Fuß gesetzt. „Es lag jeweils kein Haftgrund vor“, sagt Staatsanwaltssprecherin Stefanie Ruben über die in der Region wohnhaften Männer. Haftgründe wären Fluchtgefahr oder die Möglichkeit, Beweismittel beiseite zu schaffen. In einem der Fälle habe außerdem kein dringender Tatverdacht begründet werden können.
Auch deshalb gilt für Wohnungsinhaber: Vorbeugen ist besser als der Ärger danach. Bei einer Urlaubsreise sollten Bekannte oder Nachbarn Briefkästen leeren und Rollläden bedienen. Auf dem Anrufbeantworter und in sozialen Netzwerken sind Nachrichten, dass man längere Zeit abwesend ist, eher schlecht. Organisierte Banden nutzen auch solche Quellen zum Ausspähen. Grundsätzlich sollten Fenster und Türen mit mechanischen Sicherungen versehen sein. Immer mehr leisten sich auch eine Meldeanlage, die per Smartphone über das Heimnetzwerk zu steuern ist.