Tattoo-Festival in Esslingen Eine Tätowierung muss sein – oder auch zwei

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Manche schauen nur, doch etliche Besucher beim Sensation Tattoo Festival Esslingen lassen sich gleich an Ort und Stelle ein Motiv in die Haut stechen – Tätowierungen sind mehr als nur Mode, sie verkörpern einen Lebensstil.

An Ort und Stelle werden in Esslingen Tattoo-Wünsche erfüllt. Die Vorstellungen sind dabei sehr individuell. Foto: Michael Steinert 10 Bilder
An Ort und Stelle werden in Esslingen Tattoo-Wünsche erfüllt. Die Vorstellungen sind dabei sehr individuell. Foto: Michael Steinert

Esslingen - Tätowierungen liegen nach wie vor im Trend. Gefühlt jeder zweite Fußballprofi hat eine, und beim Sensation Tattoo Festival, das am Samstag und Sonntag im Esslinger Neckar Forum stattgefunden hat, trägt wohl jeder Besucher eine Verzierung auf seinem Körper – mindestens eine. Denn etliche scheinen fast jeden Quadratzentimeter Haut zu nutzen, um sich mit Tätowierfarbe die unterschiedlichsten Motive stechen zu lassen. Oberkörper, Rücken, Arme, Wade und sogar Gesicht – bei eingefleischten Tattoo-Fans ist keine Körperpartie tabu.

Tätowierungen können ästhetisch sein und gelten als cool

Eine die sich am Samstagnachmittag gleich an Ort und Stelle tätowieren lässt, ist Andrea. In der Szene duzt man sich. Die 32-Jährige aus Esslingen hat bereits Tätowierungen an den Armen. Jetzt kommt eine neue hinzu. Sie hat sich für ein Blumenornament auf der Schulterpartie entschieden. Diesen Entschluss hat sie nicht spontan gefasst, sondern bereits längere Zeit davor. Bei den Anbietern auf der Messe weiß sie sich in guten Händen.

„Ich mache das, weil ich es ästhetisch und cool finde“, sagt Andrea. Mit ihren Tattoos fühle sie sich einfach gut. Hat sie keine Sorge, dass ihr irgendwann einmal in ein paar Jahren die Motive nicht mehr gefallen könnten? Diese Frage bekommen Menschen mit Tätowierungen immer wieder zu hören. „Nein“, sagt die Esslingerin entschieden. Sie habe sich diesen Schritt sehr gut überlegt und mache sich daher keine Gedanken über die Zukunft.

„Believe in yourself and stay strong“ – eine Maxime für’s Leben

Für viele Messebesucher – und für die Aussteller sowieso – sind Tätowierungen weit mehr als eine Mode. Sie spiegeln eine Lebenseinstellung wider. Nicht umsonst wirbt das Tattoo-Festival mit dem Begriff „Lifestyle“. An Motiven herrscht kein Mangel, an den einzelnen Ständen kann der Besucher in Katalogen mit Vorlagen stöbern. Totenköpfe, Tiger, Schildkröten, Adler, Eule und Wolf – die gesamte Tierwelt inklusive vieler Fabelwesen ist vertreten. Oder darf es lieber ein Indianerkopf, ein Buddha oder ein Tribal sein?

Die Motive sind auch Ausdruck der Persönlichkeit ihrer Träger. Bei dem Körperkult gibt es neben Bildern freilich auch verbale Botschaften. „Believe in yourself and stay strong“ (Glaub an dich selber und bleib stark) – diesen Spruch hat sich eine Frau im Nacken tätowieren lassen, und er dient als Maxime für alle Lebenslagen.

Tattoos und Rock’n’Roll gehören zusammen

Bei der Esslinger Tattoo-Messe gibt es nicht nur Tätowierungen als Dienstleistung und Zubehör wie Tinten oder „Tattoo Professional Butter“ zum Kaufen, sondern auch ein buntes Angebot an Piercings, Schmuck und T-Shirts. Eine große Bekleidungsauswahl bietet Martina Koschkar, die Inhaberin des „Rock’n Rolla Shop“. Für viele gehören Tattoos, Rock’n’Roll und Subkultur untrennbar zusammen, so auch für Martina Koschkar. Das Tattoo-Model bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Tattoo-Kunst, Textilien und Musik. Für letztere sorgt im Neckar Forum Naked Hazelbeard. Der Sänger und Frontmann der Band, der Esslinger Jan Weitzenbürger, und seine Mitstreiter bringen mit Acoustic-Grunge die passende musikalische Untermalung in die Halle.

Der Gletschermann Ötzi hatte 61 Tätowierungen

Eine lange Tradition haben Tätowierungen in Japan. Ein Merkmal ist es dort, sich von einem einzigen Künstler tätowieren zu lassen. So entstehen über Jahre hinweg großflächige Gemälde auf dem ganzen Körper. Signiert werden diese dann vom Künstler. Im Westen hatten zunächst Matrosen und Sträflinge Tätowierungen. In den 90er-Jahren wurden Tattoos dann populär. Tätowiert war übrigens schon Ötzi, die 1991 in den Ötztaler Alpen gefundene Gletschermumie wies sage und schreibe 61 Tätowierungen auf.