Taube in Kornwestheim erschlagen Sind Tierquäler gleich eine Gefahr für Menschen?
Ein Mann erschlägt in Kornwestheim eine Taube. Die Tierschützer von Peta machen daraufhin ein ganz großes Fass auf – ein zu großes?
Ein Mann erschlägt in Kornwestheim eine Taube. Die Tierschützer von Peta machen daraufhin ein ganz großes Fass auf – ein zu großes?
An Tauben scheiden sich die Geister: Die einen sehen sie als höchst missverstandene Geschöpfe an, die anderen finden sie einfach nur nervig und ärgern sich über den Dreck, den sie hinterlassen.
Zu letzteren gehört offenbar auch ein Mann, der in der vergangenen Woche einen Vogel, der sich in ein Treppenhaus in Kornwestheim verirrt hatte, erschlagen hat. Zeugen meldeten den Vorfall der Tierschutzorganisation Peta und erstatteten Anzeige bei der Polizei.
Das Ehepaar, das beobachtet hatte, wie der Tierquäler mit einem Stock nach dem Vogel schlug und wohl auch auf ihn einstach, stellte ihn direkt danach zur Rede. Wie das Tier da tot in seinem eigenen Blut gelegen habe, das sei kein schöner Anblick gewesen. „Man hätte ja einfach auch das Fenster aufmachen können“, sagt der Zeuge.
Der Mann – nach Angaben der Polizei ein 35-Jähriger – habe zunächst behauptet, der Vogel hätte im Treppenhaus ein Nest gebaut, was sich als Lüge entpuppte. Damit, dass es ja „nur eine Taube“ gewesen sei und es davon „sowieso zu viele“ gebe, habe er versucht, seine Tat zu rechtfertigen. Er bat die Zeugen, einfach zu gehen, sie blieben aber.
Tierquälerei ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes, und kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Genau deshalb ermittelt die Polizei nun gegen den 35-Jährigen. Das allein dürfte für den mutmaßlichen Tierquäler schlimm genug sein. So sieht es im Übrigen auch der Zeuge. Er und seine Frau hätten lange überlegt, ob sie sich überhaupt an Peta wenden. Sie entscheiden sich letztlich dafür.
Die Tierschützer schlachten den Fall nun regelrecht aus – und machen ein ganz großes Fass auf. Monic Moll, Fachreferentin bei Peta sagt: „Wer Tiere quält, schreckt möglicherweise auch nicht vor Gewalttaten an Menschen zurück.“ Der 35-Jährige müsse „zur Rechenschaft gezogen werden“. Die Tierschützer berufen sich dabei auf Aussagen von Aggressionsforscher Christoph Paulus von der Universität des Saarlandes. „Geschätzte 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter haben vorher Tiere gequält“, wird Paulus in der zugehörigen Mitteilung zitiert. Was Peta verschweigt: Die Aussage steht im Kontext von Paulus Forschungen zu Serienmördern, die mehr als zehn Jahre zurückliegt. „Dabei ging es um Pferde, nicht um Tauben“, sagt Paulus heute. Demnach würden spätere Mörder teils an Tieren, die relativ gut an Menschen gewöhnt seien, üben, und sich so quasi immer weiter vortasten – von Hühnern, über Schafe bis hin zu Pferden und letztendlich Menschen. Aus einem Mann, der eine Taube erschlägt, automatisch einen Gewalttäter zu machen, hält Paulus für weit hergeholt.
Peta hebt hervor, dass der Fall nur einer unter vielen sei und Tauben öfter brutal gequält würden. Die Organisation verweist auf einen besonders krassen Fall aus Heidelberg, wo ein Mann einer Taube den Kopf abgerissen haben soll und dafür vom Amtsgericht verurteilt wurde. Die Polizei hat im Kreis Ludwigsburg in den vergangen drei Monaten insgesamt acht Fälle wegen Verstoßes gegen den fraglichen Paragrafen im Tierschutzgesetz bearbeitet – darunter etwa auch verletzte Rehe. Der Fall in Kornwestheim war dabei der einzige, bei dem ein Tier sein Leben ließ.
Der Mann, den Peta in die Nähe von anderen Gewalttätern rückt, war im Übrigen vor dem vergangenen Wochenende noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Auch die beiden Zeugen sagen: Ihnen gegenüber sei er nicht aggressiv gewesen.