Tauben in Stuttgart Tierschützer fordern weitere Taubenschläge

Von Iris Frey und Eva Funke 

Im Stuttgarter Norden gibt es bislang keinen Ort, an dem die Taubeneier gegen Attrappen ausgetauscht werden können. Und in Bad Cannstatt sind zu viele Vögel im Schlag.

Unterhalb der Hängebrücke im Höhenpark wäre ein Taubenturm denkbar. Foto: /Eva Funke
Unterhalb der Hängebrücke im Höhenpark wäre ein Taubenturm denkbar. Foto: /Eva Funke

S-Nord - Stuttgart-Nord / Bad Cannstatt - Nach der Sintflut kehrte eine von Noah ausgesandte Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel zur Arche zurück: ein Zeichen des Friedens zwischen Gott und Mensch. Der Maler Pablo Picasso brachte mit schnellen Strichen diese biblische Szene mehrfach auf Papier und nannte seine Tochter Paola (Taube). „Ich kann nicht verstehen, dass so symbolische Tiere in Misskredit geraten sind“, sagt die Taubenbeauftragte des Tierschutzvereins, Silvie Bruck­lacher.

Darüber, dass es mit dem neuen Taubenturm an Gleis 12 am Bahnhof in Zuffenhausen seit vergangenem Jahr jetzt zwei Taubentürme und neun Taubenschläge im Stadtgebiet gibt und im Dachgeschoss vom Alten Rathaus in Wangen um Pfingsten rum ein weiterer Schlag gebaut werden soll, freut sie sich. Doch an anderen Orten stagniere die Planung. Brucklacher fordert an mindestens zwei weiteren Standorten Taubenhäuser: einmal in Stuttgart-Nord. Dort gibt es bislang weder einen Taubenturm noch Schlag für die Vögel. Und in Bad Cannstatt gibt es zwar einen Turm, der sei aber „völlig überfüllt“. Im Norden kann sich Brucklacher einen Standort im Höhenpark Killesberg oder an der Roten Wand vorstellen. Die Taubenschützerin verweist auf einen Artikel in dem Heft „Deutsche Gartenschau Stuttgart“ aus dem Jahr 1950. Darin wird beschrieben, wie Bundespräsident Theodor Heuss am 3. Juni im Höhenpark die erste Gartenschau nach dem Krieg unter „strahlend blauem Himmel“ eröffnet hat und das zu den neuen Bauten im Park auch „ein heiterer Taubenschlag mit Friedenstauben“ gehörte. Einen Taubenturm hat es im Park laut Brucklacher bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben. Deshalb plädiert sie dafür, dort oder im Bereich der Roten Wand einen Turm aufzubauen. Vor rund sieben Jahren sei Letzteres schon einmal im Gespräch gewesen. „Es gab Ortsbesichtigungen mit Grünen-Stadträtinnen und dem Ordnungsamt. Ist aber im Sande verlaufen“, erinnert sich Brucklacher und gibt zu bedenken, dass das Nahrungsangebot durch die Schließung von Cafés und Restaurants während der Coronakrise stark zurückgegangen ist: „2000 Tauben füttern wir in den Schlägen, doch 8000 müssen sehen, wo sie bleiben.“

Zurückhaltung bei den Behörden

Mit Sabine Mezger hat sie in Nord eine Mitstreiterin an ihrer Seite. Die Bezirksvorsteherin hält einen Standort im Park in der Nähe der Hängebrücke auf der Rückseite des Höhencafés oder auch bei der Roten Wand für ideal. Mezger: „Beide Standorte sind weit weg von einer Wohnbebauung. Dadurch werden die Anwohner nicht von den Tauben und die Tauben nicht von den Anwohnern gestört.“ Der Kritik, dass Tauben ihr Umfeld verschmutzen, hält Mezger entgegen, dass Müllsünder die Stadt wesentlich stärker verunreinigen. „Die Taubentürme werden regelmäßig geputzt und durch den Austausch der Eier gegen Attrappen wird die Population auf Dauer reduziert“, ist sie überzeugt. Immerhin haben die Taubenschützer in elf Jahren 40 000 Eier ausgetauscht und die Population so reduziert.

In Bad Cannstatt, wo es einen Taubenturm am Seilerwasen gibt, schlägt Brucklacher einen weiteren Turm direkt daneben vor. Alternativ kommen für sie auch die Marktstraße oder das Rathaus in Frage. Auf dem Parkhaus Mühlgrün ist der Schlag nach mehr als zehn Jahren abgebaut worden. Nötig sei ein weiterer Schlag in Cannstatt, weil das Taubenhaus am Seilerwasen mit 150 statt 80 Tieren zu voll ist. Das Ergebnis: In der Marktstraße haben sich die Vögel Bäume als Quartier ausgesucht. Ihre Hinterlassenschaften sind auf Straße und Bänken zu sehen.

Weder das Rathaus noch die Marktstraße hält Bad Cannstatts Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler für einen geeigneten Standort. Über den Seilerwasen könne man dagegen reden. Allerdings müsse hierbei das städtische Ordnungsamt die Initiative ergreifen. Keinen Anlass jetzt zu handeln sieht Volker Schirner, Chef des Garten-, Friedhofs- und Forstamts und für den Höhenpark zuständig: „Wir betrachten solche Überlegungen mit Abstand“, stellt er fest und sieht ebenfalls die Ordnungsbehörde in der Pflicht. Auch dort reagiert man derzeit mit Zurückhaltung auf die Forderungen.

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