Tauben in Stuttgart Verein Stadttauben rettet Küken

Von Armin Friedl 

In einem Parkhaus in Stuttgart-Zuffenhausen sind in der vergangenen Woche junge Tauben aus ihren Nestern entfernt worden. Für die Taubenschützer gibt es nur eine Lösung des Problems.

Diese geretteten jungen Tauben aus Zuffenhausen werden nun aufgepäppelt Foto: Verein Stadttauben
Diese geretteten jungen Tauben aus Zuffenhausen werden nun aufgepäppelt Foto: Verein Stadttauben

Stuttgart - In der vergangenen Woche klingelte das Notfalltelefon des Vereins Stadttauben Stuttgart: In einem Parkhaus in Zuffenhausen haben Zeugen beobachtet, wie auf brutale Weise gegen Tauben vorgegangen wurde. „Etliche Nester wurden entfernt und die zahlreichen Küken einfach draußen auf der Straße abgeladen“, so Susanne Müller vom Verein Stadttauben Künzelsau, die viel in Stuttgart unterwegs ist: „Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt völlig schutzlos. Für einige unbefiederte, nackte Taubenbabys kam jede Hilfe zu spät, sie verstarben durch die Kälte. 13 Küken im Alter zwischen zehn Tagen und drei Wochen wurden von einem Paar auf unsere Bitte hin schon mal in einem gepolsterten Karton gesichert und gewärmt.“Für die Taubenschützerin, die in engem Kontakt zu den Vereinskollegen in Stuttgart steht, ist klar: „Das ist nicht nur ein grober Verstoß gegen geltendes Recht, sondern moralisch dazu noch mehr als zu verurteilen. Wir sind sprachlos und uns fehlen noch immer die Worte, um unsere Gefühle und Gedanken zu beschreiben.“

Doch die Vereinsschaffenden blicken auch nach vorne: „Inzwischen geht es den meisten dieser Jungtiere etwas besser. Sie wirken zwar verstört und traumatisiert, doch scheinen vorerst stabil“, berichtet Müller. „Zwei weitere Küken sind noch immer sehr schwach, zu sehr haben die Wintertemperaturen an ihren ohnehin nicht vorhandenen Reserven gezerrt. Sie benötigen intensive Betreuung. Außerdem ist ein Küken dabei, das durch Trichomonaden den Hals voller dicker Beläge hat“, so Müller.

Taubenpaste: Hersteller sagt nichts

Die Konsequenzen sind für Taubenschützer klar: Nur mit kontrollierten Taubenschlägen kann solch ein Tierleid verhindert werden. Wie unsere Zeitung berichtete, hat die Stadt Stuttgart zehn solcher Schläge vor allem in der Innenstadt errichtet. Gerne wird da auf den Taubenschlag am Marienplatz verwiesen: 70 bis 80 Prozent des Tierkots landen nicht mehr auf der Straße oder an Fassaden, die Tauben drängen sich kaum noch in die Laufwege der Fußgänger. Das Amt für öffentliche Ordnung will gerne weitere einrichten, doch dazu benötigt sie die Zustimmung der Hauseigentümer.

Taubenschläge könnten auch die Verwendung so genannter Vergrämungsmittel verhindern. In Form von Strängen aufgetragen, soll dies Tauben am Landen an bestimmten Plätzen hindern. Wie schon berichtet, kann diese zu viel Taubenleid führen, wenn sie nicht ganz sachgemäß aufgetragen wird. Der Hersteller dieser Paste namens Nopaloma ist auch nach mehreren Anfragen zu keiner Stellungnahme bereit. Auch die Firma Ströer, an Stuttgarts S-Bahn-Stationen für Werbeplakatierung und Reinhaltung zuständig, will sich nicht zu Nopaloma äußern. An der S-Bahn-Sation Stadtmitte wurden verklebte Tauben entdeckt. Dort wurde Nopaloma nicht korrekt angebracht und inzwischen entfernt. Verwendet wird das Mittel noch vom Einkaufszentrum Milaneo und vom VfB Stuttgart. „Wir wollen die Tauben nicht komplett verjagen, verwenden das Mittel nur in bestimmten Bereichen“, so VfB-Sprecher Tobias Herwerth. Dort müsse dies aber regelmäßig kontrolliert werden. Sowohl auf dem Milaneo- wie auf dem VfB-Areal habe es bisher keine verklebten Tauben gegeben. Die Grünen im Stuttgarter Rathaus und die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus wollen wie in den Städten Leipzig und Nürnberg die Verwendung dieses Mittels verbieten.

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