Die Stadt befreit Tauben aus einer misslichen Lage, in die sich die Vögel vermutlich selbst gebracht haben. Wie die Tiere hinter das Gitter kamen bleibt ein Rätsel, doch ohne die Feuerwehr wären sie verhungert, soviel ist sicher.

Filder-Zeitung: Rüdiger Ott (ott)

Vaihingen - Vermutlich waren es mal wieder diese militanten Taubenschützer. Meint zumindest der Mann am Telefon. Sein Name sei nicht so wichtig, sagt er. Aber er habe beobachtet, dass unter einer Brücke in Vaihingen erst kürzlich angebrachte Lochbleche verbogen wurden. Nun würden die Tauben wieder wie eh und je dort nisten und umherflattern. Ein Besuch vor Ort verfestigt die erste Vermutung. In regelmäßigen Abständen wurde der Taubenschutz an zwölf Stellen aufgebrochen. Die Tiere sitzen besser vor Wind und Wetter geschützt als zuvor in dem Spalt zwischen Pfeiler und Decke darüber. Dabei hätten die Metallplatten sie doch gerade davon abhalten sollen. Nun zeichnen sich die Kleckse ihrer Hinterlassenschaften deutlich sichtbar an den Wänden und auf dem Asphalt ab.

Jungtiere wurden von der Feuerwehr gerettet

Wären Tierschützer tatsächlich für die Tat verantwortlich gewesen, sie hätten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit langen Leitern anrücken müssen. Denn immerhin hausen die Tauben in knapp vier Metern Höhe. Und die Stelle an der Ecke Liebknecht- und Robert-Koch-Straße ist eine viel befahrene, auch bei Dunkelheit. Über die Brücke führen die Gleise der S-Bahn. Es ist eben jenes Bauwerk gegenüber der Sporthalle des Hegel-Gymnasiums. Die Tierschützer sind nur deshalb niemandem aufgefallen, weil sie es nicht waren – sondern die Feuerwehr.

Die war in der vergangenen Woche im Auftrag der Stadt mit schwerem Gerät angerückt. Das bestätigt Stefan Kinkelin vom Ordnungsamt. „Die Lochbleche hat unser Vollzugsdienst weggemacht, nachdem wir dahinter Jungtiere gefunden haben“, sagt er. Wie sie dahin kamen, weiß er nicht. Aber „sie wären dahinter verhungert“.

Nun ist es nicht die Art der Stadt, Maßnahmen gegen Tauben rückgängig zu machen. Schließlich versucht sie selbst, der Flattergeister Herr zu werden und hat dafür zum Beispiel eigens einige Taubenhäuser eingerichtet. „Seit 2009 haben wir dort mehr als 8500 Eier ausgetauscht“, sagt Kinkelin. Die Tauben brüten stattdessen Attrappen aus, was ihre Population niedrig halten soll.

Aber wie es dazu kommen konnte, dass sich die Vögel hinter die Lochbleche verirren konnten, „ist uns momentan auch noch ein Rätsel“, sagt der Mann vom Ordnungsamt. „Mit Taubennetzen gibt es manchmal das Problem.“ Das Material würde irgendwann spröde und breche. Die Tiere würden durch die Löcher schlupfen und anschließend nicht mehr heraus finden.

Nun wird der Einsatz zu einer Frage der Kosten

Die Brücke gehört der Bahn. Und vor knapp drei Monaten waren im Auftrag des Schienenkonzerns Arbeiter angerückt und hatten die Platten angebracht. „Das war eine Maßnahme zum Schutz der Brückenwiderlager“, sagt ein Bahnsprecher. „Der Taubenkot ist aggressiv und greift Metall und Beton an.“ So etwas macht die Bahn vielerorts, in Bahnhöfen und unter Bahnsteigdächern etwa. Die Sache mit den gefangenen Tauben kann er sich nicht erklären. „Die Tiere werden vor der Montage der Lochbleche vertrieben“, sagt er. Und selbst wenn das aus Unachtsamkeit nicht geklappt hätte, „dürften das keine eingekerkerten Tiere aus dem November sein“. Er tippt auf ein Loch, durch das die Vögel gekrabbelt sind. Ob die Tafeln falsch angebracht wurden, wird sich zeigen.

Die Bahn will jedenfalls zügig Kontakt mit der Stadt aufnehmen. Dabei wird es auch darum gehen, wer die Kosten übernimmt. Schließlich hat die Stadt nicht nur eine Einrichtung der Bahn beschädigt. Irgendjemand muss auch für den Einsatz der Feuerwehr aufkommen. „Mal schauen, wo wir das Geld herbekommen“, sagt Kinkelin.