In der Komödie „Familie ist ein Fest – Taufalarm“ im Ersten kracht es in einer deutsch-persischen Familie. Aber es kracht halt doch nicht so richtig.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Das Problem mit den durch und durch netten Leuten ist ihre Verlässlichkeit. Ja, auch sie haben ihre Macken, können nervig sein, sich mal ein wenig verrennen. Aber weil sie es im Grunde nur immer gut meinen, werden ihre Konflikte nie unüberschaubar. Das Happy-End bleibt stets in Sicht. Im echten Leben, wo solche Menschen leider so rar sind wie Albino-Einhörner, wären sie ein wunderbares Geschenk. Für Fernsehfilme in den öffentlich-rechtlichen Abendprogrammen, in denen solche Figuren dicht an dicht stehen, können sie ein Problem werden.

Mit ihnen entsteht keine rechte Spannung, auch wenn es kracht. Krisen haben höchstens den Dramenwert von Schokoklümpchen im Kaba-Glas, und auch die Komik hält sich in Grenzen. Man kann kaum lachen, weil zum Lachen die Überraschung, das Unpassende, das Verrückte gehören. Aber unter netten Leuten verlaufen eben auch die weniger netten Momente nach einem gut erkennbaren Plan.

Zank und verliebte Blicke

In der Kulturkonflikt-Komödie „Familie ist ein Fest – Taufalarm“ im Ersten gibt es ein paar Szenen, die andeuten, wie lustig und rührend eine Geschichte, wenn schon nicht am Abgrund, so doch wenigstens am Fallgrubenrand sein könnte. In der Beziehung von Viola (Amelie Kiefer) und Faraz (Reza Brojerdi) ist schon eine Weile der Wurm drin. Und nun endlich mal, in einer der besten Szenen, wirft man einander nicht mehr nur immer weiter verliebte Blicke zu, während man über die unterschiedlichen Wünsche und Empfindlichkeiten zankt.

Faraz reißt in fast schon bedrohlicher Wut die arg geblümten Vorhänge herunter, die Violas Familie in ihre neue gemeinsame Wohnung gehängt hat. Viola wirft mit beinahe schon unversöhnlicher Gereiztheit den arg traditionellen Teppich aus dem Fenster, den Faraz’ persische Familie beigesteuert hat.

Alles bloß Folklore für Instagram?

Begonnen hat der Zwist mit dem ersten Kind des Paars. Erst wird man sich über den Namen des Buben nicht einig, was viel mit den Erwartungen der Großeltern des neuen Erdenbürgers zu tun hat. Dann wird es noch happiger: Taufe oder Beschneidung? Und egal, wofür man sich entschiede: Wäre damit jeweils ein Bekenntnis zu tieferen Werten verbunden, oder wäre das alles sowieso nur noch Folklore-Brimborium für einen Tag und Instagram?

Ein tolles, sehr zeitgemäßes Thema also. Aber sehr zeitgemäß ist auch die Furcht der Filmemacher, die Empfindlichkeiten von irgend jemandem zu verletzen. Sprich, es soll zwar um Verbohrtheiten und Feindseligkeiten gehen, aber die Protagonisten dürfen keinesfalls verbohrt oder feindselig sein.

Das geht wohl noch weiter

Die Autorinnen Julie Fellmann und Stefani Straka sowie der Regisseur Sebastian Hilger achten brav darauf, dass die deutschen Großeltern ein bisschen bigotter herüber kommen als die persischen. Man will ja keinesfalls auch nur in die Nähe des Verdachts kommen, ein Vorurteil zu schüren. Aber wirklich bigott ist hier eben keiner, böse auch nicht. Selbst als sich Faraz und Viola vorübergehend trennen, bleibt der Film ein großes Schaumbad. Der umständliche Titel „Familie ist ein Fest – Taufalarm“ deutet es an: Hier wird eine Reihe geplant.

Familie ist ein Fest – Taufalarm. ZDF, Freitag, 20.15 Uhr. Bereits vorab in der Mediathek.