In Grafenau zogen neulich Kinder von Tür zu Tür, die offenbar Blumen verschenkten. Im Internet sorgten sich manche vor einer fiesen Masche. Ein Beitrag aus unserer Humorkolumne.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Bildungsbürger und Asterix-Leser kennen den Spruch von den Danaern, die man fürchten muss, auch wenn sie Geschenke bringen. Gemeint sind hier die alten Griechen, die der Sage nach mit einem geschenkten Holzpferd die Trojaner übers Ohr hauten.

 

Auch der moderne Mensch fürchtet sich, wenn jemand vor der Türe steht und ihm etwas andrehen will – zum Beispiel eine Patenschaft für ein Zirkus-Meerschweinchen oder eine Spendenmitgliedschaft im Verein für fairen Rentierdunghandel in Lappland. Oft, allzu oft, meinen die Menschen, die so etwas anbieten, es nicht gut mit einem. Deshalb ist es nur vernünftig, eine gewisse Vorsicht walten zu lassen, wenn man die Türe für fremde Leute öffnet.

Aktion im Rahmen der örtlichen Sommerferienfreizeit

Dass man es mit Furcht und Vorsicht aber auch ein bisschen übertreiben kann, zeigte vor einigen Tagen ein kurioser Fall in Grafenau. Ein aufgebrachter Facebook-Post spricht von Kindern, die durch den Ort laufen und vermeintlich Blumen im Blumentopf verschenken. Offenbar hatten sie an der Tür geklingelt, als die Eltern gerade abwesend und die eigenen Kinder alleine im Haus waren. In kurzer Zeit sammeln sich zahlreiche Kommentare unter dem Post. Es ist von „Drückerbanden“ die Rede und davon, in so einem Fall am besten immer gleich die Polizei zu rufen.

Zum Glück ist die Sache ziemlich schnell geklärt: Offenbar handelte es sich um eine Aktion im Rahmen der örtlichen Sommerferienfreizeit: In einer sogenannten „Tausch-dich-reich-Challenge“ waren Kinder von Tür zu Tür gegangen, um vergleichsweise wertlose gegen immer wertvollere Gegenstände einzutauschen. Angeblich haben Menschen sich auf diese Weise schon vom Luftballon zum Gebrauchtwagen oder von der Büroklammer zum Eigenheim „hochgetauscht“.

Sehr viel Mut

Irgendwann meldet sich auch die mutmaßliche Besitzerin der Blumen zu Wort: „Also bei mir waren gestern drei Kinder von der Ferienfreizeit“, schreibt die Anwohnerin. „Die hatten einen lila Plastikbecher, den sie tauschen wollten. Mir ist in dem Moment nichts besseres eingefallen, als eine gelbe Chrysantheme mit einem Übertopf dagegen zu tauschen“, löst sie das Mysterium auf.

Die ganze Aufregung um die hausierenden Blumenkinder sieht die Dame offenbar eher entspannt: „Wenn Sie die Kinder unterstützt haben, dann haben Sie jetzt meine Pflanze“, schreibt die Grafenauerin und drückt den Kindern gegenüber ihre Anerkennung aus, weil diese, wie sie findet, „sehr viel Mut aufgebracht haben, um bei wildfremden Menschen zu klingeln.“