Startklar: Am Wochenende setzt sich Team Stuttgart in Bewegung. Foto: cf/sto
Acht Stuttgarter machen sich auf eine ungewöhnliche Reise. In betagten Mercedes-Kombis fahren sie tief nach Afrika, was jeden 6000 Euro kostet. Wie kommt man auf so eine verrückte Idee?
Für die vier Fahrzeuge mit der Typenbezeichnung S 211 ist es die letzte Ölung. Die erhalten die Mercedes-Kombis in einer Werkstatt im Stuttgarter Westen. Ihnen steht deshalb aber nicht die Abschiedsfahrt in Richtung Autofriedhof bevor, ganz im Gegenteil. Diese E-Klassen-Vorgänger aus den frühen 2000er-Jahren werden für den Höhepunkt ihrer bisherigen Laufzeit präpariert. Und dazu gehört unter anderem auch, noch einmal Öl nachzufüllen.
Weitere Flüssigkeit muss noch an Bord. Schließlich steht den vier Mercedes und ihren acht Piloten eine echte Durststrecke bevor: Bei der an diesem Wochenende startenden Rallye Dresden-Dakar-Banjul, die auch über Wüstenpisten führt.
7200 Kilometer im alten Mercedes für den guten Zweck
Am Zielort in Gambia geht es aber nicht um den Sieg, sondern um etwas Wichtigeres, um den guten Zweck. In Banjul werden die Fahrzeuge versteigert, die bis dorthin 7200 Kilometer zurückgelegt haben. Und wenn man den Stuttgarter Teilnehmern glaubt, gehört diese Autobörse zu den gesellschaftlichen Höhepunkten des Jahres in der gambischen Hauptstadt.
7200 Kilometer von Stuttgart bis Banjul Foto: Taxi to Dakar/Lange
Aber zurück nach Stuttgart: Für ihr Alter und ihre Tachostände um die 300 000 Kilometer sehen die Mercedes noch ziemlich gut aus. So wie ihre ebenfalls jung gebliebenen Fahrer im Alter zwischen 50 und 60. Abgesehen von einem Ausreißer nach oben mit 67.
Gemeinsam haben sie die Autos gerade in eine hobbymäßig betriebene Gemeinschaftswerkstatt gebracht und lassen jetzt den Schrauber ihres Vertrauens noch einmal Hand an legen. Das ist Orhan Caglar, und der sagt vorsichtshalber als Erstes: „Ich gehöre aber nicht zu den Verrückten, die mitfahren.“ Das tun stattdessen Peter, Ralf, Zeljko, Florian, Marcus, Michael, Fritz und Jürgen – alles Freunde, die sich lange kennen – etwa von der Kita, die ihre Kinder einst zusammen besuchten.
Vor dem Rallye-Start geht es für die Fahrzeuge noch einmal auf den Prüfstand. Foto: cf/sto
Aber warum verrückt? Da wäre zum einen das fehlende technische Know-how, das den Acht vom Experten Caglar attestiert wird. „Man wächst mit der Aufgabe“, sagt Peter Lähr, der im Vertrieb eines Logistik-Unternehmens arbeitet, und spricht damit für die ganze Gruppe, in der es Designer, Banker, Produktmanager und Werbestrategen gibt. Mittlerweile könne man sich bei Pannen auch mal selbst behelfen. Dabei kann auf vor zwölf Jahren gesammelte Erfahrungen zurückgegriffen werden. 2012 nahmen die Freunde schon einmal an einer Rallye teil, die vom Allgäu aus nach Baku in Aserbaidschan führte.
Seitdem wissen die acht Stuttgarter, was bei einem Riss der Ölwanne zu tun ist, aber auch, was unbedingt zu unterlassen ist. Man dürfe niemals untereinander schlecht über Einheimische reden – in der Annahme, sie verstünden einen nicht. In Jordanien haben sie Leute getroffen, die hervorragend Deutsch sprachen. In Georgien wurde ihnen damals eine besondere Ehre zuteil, als die Gruppe in einem Dorf von einer Schulklasse begrüßt worden war, die mit Inbrunst die deutsche Nationalhymne intonierte.
Kopfschütteln wiederum löst die Stuttgarter Mercedes-Fernreisegruppe teilweise auch deshalb aus, weil sie sich die Benefiz-Tour ganz schön was kosten lässt. Die vier Daimler hat sie sich für Preise zwischen 2000 und 2800 Euro auf dem Gebrauchtwagenmarkt gekauft, um sie gleich wieder in Afrika zu veräußern. Der Erlös aus der Versteigerung fließt dann komplett vor Ort in soziale Projekte. Obendrauf müssen die fahrenden Wohltäter auch den Heimflug bezahlen, dazu gesellen sich noch weitere Kosten, etwa für Verpflegung, Benzin und diverse Impfungen. So kommen für jeden Ausgaben in Höhen von gut 6000 Euro zusammen, verbucht unter dem Verwendungszweck „Gemeinsamer Spaß und gute Tat“.
Warum das Projekt „Taxi to Dakar“ genannt wird
Auch das Risiko scheint kalkulierbar. In der als unsicher geltenden Westsahara beispielsweise wird der Tross von Polizei und Militär begleitet. Auf dass das „Taxi to Dakar“, wie die Stuttgarter ihr Projekt nennen, auch sicher am 29. November ankommt – allerdings nicht in Dakar. Senegals Hauptstadt sei zwar nur die letzte Zwischenstation, „Taxi to Dakar“ klinge aber einfach besser als „Taxi to Banjul“. Banjul kenne ja hierzulande kaum jemand, so die Erklärung. Den Rallye-Fahrern kann man deshalb unter dem werbewirksameren Namen „Taxi to Dakar“ auf Instagram folgen.