Manhattans Taxifahrer bekommen Konkurrenz. Mintfarbene Hybridautos sollen die Außenbezirke besser mit dem Zentrum verbinden.
New York - Jeder New Yorker kennt das Problem. Man besucht einen Bekannten, der in Harlem oder in Brooklyn lebt, es ist spät geworden, die U-Bahn fährt nur noch in riesigen Abständen. Man geht auf die Straße und hält verzweifelt Ausschau nach dem Blinklicht auf dem Dach eines gelben Taxis, das Fahrbereitschaft anzeigt. Meistens kann man auf diese Weise locker eine halbe Stunde zubringen. Dafür kommen im Minutentakt dunkle Limousinen vorgefahren, die einen anhupen und eine Fahrt anbieten. Man weiß, es ist illegal, aber irgendwann steigt man dann trotzdem ein.
Seit Jahrzehnten ist das jetzt schon so: Die Gebiete außerhalb des Kerns von Manhattan sind mit gelben Taxis notorisch unterversorgt. Kein gelbes Taxi mag eine Fuhre dorthin mitnehmen, weil die Fahrer Angst haben, aus den Gegenden, in denen niedrigere Einkommensschichten leben, unbesetzt zurückfahren zu müssen. Doch jetzt soll es in diesen Bezirken, die sieben Achtel des Stadtgebiets von New York ausmachen, besser werden. Ab Juni werden die Straßen von Harlem, Brooklyn, Queens, Staten Island und der Bronx mit 18 000 mintgrünen Hybridautos bevölkert, die jeder heranwinken kann. Wie jedes ordentliche gelbe Taxi haben sie einen Taxometer und sogar ein Kreditkartengerät.
Raus aus der Illegalität
Bürgermeister Michael Bloomberg ist stolz auf diese Errungenschaft. Tausende von hart arbeitenden Fahrern in diesen Gegenden würden aus einer illegalen Schattenwirtschaft heraus in die legitime Geschäftswelt der Stadt integriert. Weniger glücklich über die neue grüne Flotte sind unterdessen die Fahrer und Besitzer der alten gelben Taxis. Sie fürchten, dass die Flitzer aus den Außenbezirken nicht nur Passagiere in ihrem Revier abladen, sondern auch welche wieder mitnehmen und ihnen somit das ohnehin schon schwere Geschäft verderben. Die berühmten „Medaillons“ der Stadt, die ein New Yorker Taxi als legitim ausweisen, sind auf dem freien Markt mittlerweile so teuer wie ein Apartment an der Fifth Avenue. Eine Million Dollar wurde jüngst für eine solche Plakette bezahlt, ohne die man keinen Taxibetrieb in Manhattan führen kann.
Selbstverständlich schlagen sich diese Kosten auf den Verdienst der Fahrer nieder. Die Pacht für ein Taxi ist teuer, die Chauffeure haben oft Schwierigkeiten ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Lizenzen für die grünen Taxis kosten derweil gerade einmal 1500 Dollar. Deshalb hat nun eine Interessengruppe der Taxibetriebe, die „Metropolitan Taxicab Board of Trade“ Klage gegen die neue Flotte eingereicht. Die Konkurrenz, so die Befürchtung, werde die teuren Medaillons entwerten und den gelben Taxis die Existenzgrundlage entziehen. Tatsächlich überlegen jetzt schon viele Fahrer der gelben Taxis auf Grün zu wechseln. „Wenn die grünen Autos lukrativer sind, dann steige ich um“, sagt Jim McCanaughy, ein irischer Fahrer, der seit 30 Jahren im Geschäft ist.
Lieber schwarze Limousine als Froschauto
Ironischerweise sind auch die Fahrer der neuen Wagen nicht glücklich über die neue Regelung. Zum einen glauben viele, dass sie illegal besser verdienen könnten als mit Lizenz und der damit verbundenen Regulierung. Vor allem aber missfällt ihnen das Quietschgrün ihrer neuen Gefährte. „Wenn Leute sich chic machen, um abends auszugehen, wollen sie eine schwarze Limousine und kein Froschauto“, sagte José Trivino, der in Queens fährt. Er würde sich schämen mit so einem Wagen. „Das ist ja auch mein Privatauto. Glauben Sie, ich kann damit nach Hause kommen?“