Wer lebt, macht Fehler. Wer arbeitet, wohl erst recht. Auch da, wo sie gerade nicht passieren sollten: in Arztpraxen oder Krankenhäusern zum Beispiel. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr besonders viele Verdachtsfälle auf medizinische Behandlungsfehler erfasst. Das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) berichtet unter Berufung auf Zahlen der Techniker Krankenkasse (TK), dass 6431 der Versicherten im vergangenen Jahr einen entsprechenden Verdacht meldeten. Das ist der zweithöchste Wert der vergangenen zehn Jahre.
Das klingt nach einer alarmierenden Entwicklung. Allerdings werden die Fälle nur erfasst, wenn sich die Patienten selbstständig bei ihrer Krankenkasse melden. Wenn die Zahl steigt, kann das entweder bedeuten, dass es mehr Behandlungsfehler gab. Oder aber, dass mehr Patienten ihre Rechte einfordern.
Meldepflicht nie eingeführt
Das Problem liegt deshalb woanders. Viele Krankenkassen und auch der Medizinische Dienst Bund fordern schon seit Jahren eine sanktionsfreie Meldepflicht für Behandlungsfehler. Eingeführt wurde sie aber nie – und das ist der eigentliche Fehler.
Dass man sich vor einer Meldepflicht scheut, liegt wohl an Bedenken vor weiterer Bürokratie in einem System, das ohnehin unter zahlreichen Dokumentationspflichten leidet. Doch dass es einige unsinnige Vorgaben gibt, sollte nicht dazu führen, dass man sich die sinnvollen spart. Beim oft angekündigten Bürokratieabbau sollte man auch in die Kliniken schauen. Das darf allerdings kein Argument gegen die zurecht geforderte Meldepflicht sein.
Klar ist: Fehler wird es immer geben – auch im Krankenhaus. Doch zu verstehen, woher sie kommen und was dagegen hilft, könnte dazu beitragen, dass es weniger werden. Es heißt oft, dass man aus Fehlern lernt. Das stimmt in vielen Fällen. Aber dazu muss man sich mit ihnen auseinandersetzen. Dafür wäre die Meldepflicht ein wichtiger Schritt.