Technikführung im Fildorado Unterwegs zwischen Rohren und Pumpen

Von Tilman Baur 

Das Freizeitbad Fildorado in Filderstadt hat seinen Technikbereich für eine Führung geöffnet.

Andreas Troschinski ist Herr der Technik in den Eingeweiden des Erlebnisbads. Foto: Tilman Baur
Andreas Troschinski ist Herr der Technik in den Eingeweiden des Erlebnisbads. Foto: Tilman Baur

Bonlanden - Tausende Badegäste strömen Tag für Tag ins Fildorado. Nur selten jedoch haben sie die Möglichkeit, hinter die Kulissen eines Badezentrums dieser Größenordnung zu blicken. Eine Ausnahme gab es am Freitag, als das Erlebnisbad die Pforten zu seinem Technikbereich öffnete. Dort greifen unzählige Rädchen ineinander, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Allein die Wartung der wassertechnischen Anlagen im Technikbereich kostet jährlich 30 000 Euro, sagt Andreas Troschinski, Bereichsleiter Technik im Fildorado. Die Gesamtkosten des technischen Bereichs belaufen sich jährlich gar auf 430 000 Euro. Laufend müssen zum Beispiel neue Maschinen beschafft werden, denn der Verschleiß ist hoch und die Geräte teuer. „Das zahlt das Fildorado alles selbst“, sagt Troschinski auch angesichts häufiger Beschwerden über die angeblich zu hohen Eintrittspreise des Erlebnisbades.

Drei Blockheizkraftwerke sorgen für 3,2 Millionen Kilowattstunden

3,2 Millionen Kilowattstunden verbraucht das Bad im Jahr. Dafür stehen drei Blockheizkraftwerke zur Verfügung. Trotzdem kaufe das Fildorado noch Strom hinzu. Ein hoher Kostenfaktor: „Wir sind nicht, wie viele private Unternehmen, von der EEG-Umlage befreit, sondern zahlen sie komplett“, sagt Troschinski. 300 000 Euro kostet der Zukauf im Jahr, allein die Betriebsstoffe kommen auf mehr als eine Million Euro. Zusammen mit den Wartungskosten gibt das Fildorado für den technischen Bereich insgesamt also gut und gerne eineinhalb Millionen Euro jährlich aus. „Ein Drittel der Einnahmen durch Eintrittspreise fließt in die Instandhaltung der Technik“, sagt der Geschäftsführer Felix Schneider. „Wir verdienen uns hier eindeutig keine goldene Nase.“

Die Besuchergruppe, ein Dutzend Interessierte, folgt Troschinski durch das stickige Kellergewölbe. Überall hängen Messgeräte, auf einer Palette liegen weiße Plastiksäcke. „Darin lagert das Salz für die Saunaaufgüsse“, sagt Schneider. Es ist heiß. „Das ist die Abwärme“, sagt Schneider. Eine Klimaanlage zu installieren sei aber unverhältnismäßig. Zu wenig Personal hält sich dafür im Technikbereich auf.

Mit Wasser spielt man nicht

„Wasser ist unser Kernprodukt, damit spielen wir nicht rum“, sagt Schneider. Das Gesundheitsamt prüfe regelmäßig die Wasserwerte, die ein unabhängiges Labor in regelmäßigen Abständen ermittelt. Damit das Wasser sauber bleibt, gibt es Filteranlagen. Befindet sich zu wenig Chlor darin, öffnet sich ein Ventil, die Anlage steuert nach und lässt mehr Chlor in die Leitung. Im Filter landen alle möglichen Substanzen: Sonnenöl oder Dreck zum Beispiel. „Irgendwann ist der Filter dann voll“, sagt Troschinski. 16 Kubikmeter Wasser werden für einen Spülvorgang fällig. Allein fürs Freibad gebe es vier große Filter, die jeden Tag durchgehend in Betrieb sind.

Doch wie kommt das Wasser überhaupt in die Filteranlage, und wie gelangt es nach der Reinigung wieder in die Becken? Die Antwort geben blaue Geräte in allen möglichen Größen, die im Technikkeller verteilt sind. Umwälzpumpen heißen sie. Ein Sieb hängt in ihnen. Wer meint, nur Hautpartikel und Haare blieben daran hängen, der irrt. Zahnspangen, Bälle, Ringe – all das hat sich schon darin verfangen. „Ein Gebiss hat sich auch schon darin verirrt“, sagt Schneider.

Die Wellenmaschine dröhnt durch die Kellerdecke

Vorbei an Schaltschränken der Lüftungs- und Gebäudereinigungstechnik geht es zur Wellenmaschine, die man oberhalb der Kellerdecke dröhnen hört. Der 38-Kilowatt-Motor presst Luft in eine Kammer. Dort öffnen und schließen sich pneumatische Klappen in regelmäßigen Abständen und erzeugen die Wellen. Je nachdem, wie man die Frequenz einstellt, ändert sich deren Beschaffenheit. „Es ist so, wie wenn man in der Badewanne mit beiden Händen das Wasser nach vorne drückt“, erklärt Schneider – nur eben mit Luft, und nicht durch die Kraft der Hände.




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