Stuttgart - Eigentlich hätte an der Stuttgarter Hochschule für Technik (HFT) der Vorlesungsbetrieb bereits Mitte März beginnen sollen. Dann kam Corona. Und das Land verfügte, dass die Hochschulen ihren Präsenzbetrieb runterfahren müssen. „Wir haben sofort einen Krisenstab gebildet und alle Studierenden informiert, dass wir ab 23. März mit Online-Vorlesungen loslegen – erst mal bis 20. April“, sagt Rektor Rainer Franke. „Wir haben einen stark eingeschränkten Betrieb, aber wir sind nicht zu. Die Lehre im Sommersemester ist zu vermitteln.“
Doch das sei gar nicht so einfach, räumt der Rektor ein, der mit einer Kernmannschaft aus der Verwaltung in dem Hochschulgebäude am Stadtgarten arbeitet. Die Professoren bereiten ihre Vorlesungen zuhause vor – in sehr unterschiedlicher Art. Es gebe affine Studiengänge wie etwa Informatik – „da läuft das Onlineangebot schon flächendeckend“. Nun zahle sich aus, dass die HFT vor zehn Jahren ein Didaktikzentrum gegründet habe, das die Dozenten beim E-Learning unterstütze. „Wir mussten nicht bei Null anfangen“, so Franke. „Das Problem sind der Massenbetrieb und integrierte Projekte.“ Hinzu komme: „Wir sind keine Videoprofis.“ Nun gehe es darum, 3900 Studierende in 32 Studiengängen mit Lehre zu versorgen. „Da braucht man den gesamten didaktischen Werkzeugkasten, nicht nur den digitalen“, so der Rektor. „Wir leben von kleinen Gruppen, vom direkten Austausch – alles kann man nicht elektronisch machen.“
Student spricht von „krasser Umstellung“
Für Henrik Müller ist das Fernbleiben von seiner Hochschule jedenfalls „eine krasse Umstellung“. Er studiert im vierten Semester Bauingenieurwesen. Das mit der Ansprache laufe sehr unterschiedlich, je nach Professor. Manche stellten ihre Video-Vorlesung auf die Plattform Moodle, manche ermöglichten auch interaktive Lehrformen, andere laden einfach nur ihre Skripte zum Abruf hoch. „Bei Rückfragen schreiben wir dem Professor eine E-Mail“, berichtet er. Auch Projekte würden über E-Mails organisiert.
Claudius Düster, der gerade seine Bachelorthesis in Wirtschaftspsychologie schreibt, fühlt sich sehr gut betreut. Die Professoren seien „unglaublich engagiert“, auch wenn es mal technische Probleme gebe. „Ich wüsste nicht, wie man da mehr rausholen könnte – außer durch Präsenzveranstaltungen“, meint Claudius Düster, der auch Semestersprecher ist.
Rektor: Am wichtigsten ist, dass das Semester nicht verloren geht
Unterdessen tüfteln Franke und seine Kollegen an Plan B. Zwar habe man die Prüfungsphase gleich nach hinten geschoben und die Prüfungsvorbereitungswoche gestrichen. Aber „die Pfingstwoche ist kassiert, da wird was stattfinden“, kündigt der Rektor an: reguläre Präsenzvorlesungen, wie früher. Geprüft werden soll auch abends und an Samstagen. Vorausgesetzt die Coronalage lässt dies zu. Und falls nicht? Dann denke man bereits über zwei Alternativen nach, so Franke. Entweder über eine Prüfung in einem Saal, in dem nur jeder dritte Platz besetzt sei. Oder über ein Referat oder eine Hausarbeit als Leistungsnachweis. Pech könnten Fünftsemester haben, die gerade ihr Praxissemester haben. „Das wird auch nicht mehr immer klappen“, weiß auch Franke.