Technischer Ausschuss Böblingen A 81: CDU erlebt Debakel mit dem Deckel

Im Jahr 2024 wurde mit dem Bau des Deckels begonnen. Foto: Eibner-Pressefoto

Aus der CDU-Vision eines lebendigen Begegnungsortes über der A 81 wird im Ausschuss rasch Ernüchterung – am Ende überwiegen Kosten, Zuständigkeiten und Zweifel.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Er ist fünf Meter hoch, 850 Meter lang und wird „Deckel“ genannt. In Wirklichkeit ist es eine gigantische Halle aus Beton, sechs Autobahnspuren breit, welche die Städte Sindelfingen und Böblingen vor Lärm und Staub der Autos schützen soll. Dieser Deckel ist eines der Kernbauwerke bei der Verbreiterung der Autobahn 81 von vier auf sechs Spuren, die im Jahr 2027 abgeschlossen sein soll.

 
Der 850 Meter lange Deckel wird in Stahlbeton ausgeführt. Foto: Eibner-Pressefoto

„Da knallt die Sonne, da braucht es Bäume, da muss es ein bisschen heimelig werden.“

Markus Helms, Grünen-Gemeinderat, mahnt an, für Schatten zu sorgen

Doch für die CDU in Böblingen wäre der Deckel auch eine Chance, die beiden Städte zu verbinden. Also brachte sie in die jüngste Sitzung des Technischen Ausschusses einen Antrag ein, diesen Deckel für die Bürger zu nutzen und hier Sport oder Begegnung zuzulassen, statt einer Photovoltaik-Anlage auf Magerrasen. Betrachtet man Böblingen und Sindelfingen aus der Luft, sind beide Städte dicht an die Autobahn gerückt, und tatsächlich liegt der Schluss nahe, aus dem neu gewonnenen Gelände mehr zu machen als den geplanten Magerrasen und Verbindungen für die beiden Städte zu schaffen, und sei es nur eine Wegeverbindung für Spaziergänger und Radfahrer.

Die Bedenken überwogen

In der anschließenden Diskussion im Ausschuss blieb von der Idee wenig übrig, denn die Bedenken überwogen und der Vorschlag zerfaserte. Ralf Sklarski (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass das Erdreich, das den Deckel überdecken soll, schon an der Baustelle gebunkert sei, und dass es erhebliche Mehrkosten bedeuten würde, es anders zu verwenden.

Das Bauamt der Stadt Böblingen gab zu bedenken, der Deckel befinde sich auf Sindelfinger Markung, der Einfluss Böblingens auf die Oberflächengestaltung bleibe folglich begrenzt.

Der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz warf ein: Wer sich an der Gestaltung beteilige, müsse auch die nötigen Mittel mitbringen, um sie zu bezahlen.

„Da braucht es Schatten“

Markus Helms (Grüne) fügte schließlich hinzu, wenn man einen Biergarten oder ein Basketball-Feld dort bauen würde, dann müsse man auch für Schatten sorgen. „Da knallt die Sonne, da braucht es Bäume, da muss es ein bisschen heimelig werden.“ Nur sei das Erdreich allenfalls hoch genug für Sträucher, und auch Sindelfingen habe signalisiert, die Stadt habe keinen Bedarf an Freizeitanlagen. Deswegen sollte man solche Anlagen eher am Flugfeld realisieren.

Nach all diesen Bedenken war klar, wie die Abstimmung ausgehen würde und tatsächlich wurde der Antrag mit breiter Mehrheit abgelehnt.

Der Oberbürgermeister Stefan Belz unternahm aber einen kleinen Ausblick auf die Zukunft. Wenn, wie geplant, der Deckel mit Magerrasen bepflanzt und mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet werde, „dann ist das sicher keine Jahrhundertbebauung“, und der Weg sei immer offen, dort einmal etwas anderes zu gestalten.

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