Technologie von morgen Trumpf und Sick entwickeln Supersensor

Eine Mitarbeiterin der Trumpf-Tochter Qant überprüft die Signale des Quantensensors. Foto: Trumpf/Martin Stollberg

Der Werkzeugmaschinenhersteller und der Sensorspezialist wollen bereits im nächsten Jahr erste Anwendungen für extrem exakte Messungen an Testkunden ausliefern. Trumpf-Technologiechef Leibinger sieht darin eine Chance für den Standort Deutschland.

Stuttgart - Der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf und der Sensorspezialist Sick haben sich für die Entwicklung einer Zukunftstechnologie zusammengetan: der Quantensensorik. Diese Technologie soll Messungen in einer Genauigkeit ermöglichen, die bisher nicht zu erreichen war. „Der Quantensensor wird in der Lage sein, Partikel, die ein fünftel Mikrometer klein sind, zu messen. Das ist 200-mal kleiner als ein menschliches Haar“, erläutert Sick-Chef Robert Bauer bei der Vorstellung des Projektes. Die Partner haben nun einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Gemeinsam wollen sie die Markt- und Serienreife von Quantensensoren für die Industrie vorantreiben.

 

Trumpf und Sick sind offensichtlich weit bei der Entwicklung eines ersten greifbaren Industrieprojektes. Bereits im nächsten Jahr soll es erste Anwendungen mit Testkunden geben, kündigt Peter Leibinger an, der in der Trumpf-Geschäftsführung für Technologie zuständig ist. Und ein Jahr später erwartet Sick-Chef Bauer die Marktreife des Sensors. Ob die beiden Partner später die Kooperation möglicherweise um die Produktion erweitern werden, wurde nicht gesagt. Ein Gemeinschaftsunternehmen ist bisher nicht geplant.

Allerfeinste Staubpartikel werden erfasst

Nicht genannt wurden auch die Namen der Testkunden, dafür aber mögliche Einsatzgebiete. Und die sieht Bauer etwa in Gebäuden und in U-Bahnen. Dank der neuen Technologie könnte die Einhaltung von Feinstaubgrenzwerten überprüft und die Belüftungssteuerung optimiert werden. Auch die Halbleiterindustrie sieht er als potenziellen Kunden. Chips werden zwar in Reinräumen mit extrem sauberer Umgebungsluft gefertigt. Staubpartikel, die von den im Fertigungsprozess genutzten Geräten und Anlagen ausgestoßen werden, habe man bisher allerdings nicht im Griff, so Bauer. Doch mit Quantensensoren können auch sie erfasst und damit die Fehlerquote bei Halbleitern weiter reduziert werden. Auch Handwerker können die Sensoren einsetzen. Sie könnten in Zimmerwänden Kunststoff-Wasserleitungen erspüren, bevor noch ein Loch gebohrt werde.

Technologie für U-Bahnen

Sick und Trumpf haben bisher jeweils einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag in die Entwicklung investiert. Die Trumpf-Tochter Qant, die die Entwicklung vorantreibt, hat bereits eine einstellige Zahl an Patenten angemeldet, weitere seien in Vorbereitung. Mit welchen Umsätzen die Partner dank der neuen Technologie planen, sagen sie nicht. Bisher gibt es zum Marktvolumen lediglich Schätzungen von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Acatech. Sie erwartet, dass mit Quantensensoren im Jahr 2023 ein Umsatzvolumen von 1,1 Milliarden Euro und bis 2028 1,9 Milliarden Euro möglich sein werden.

Mehr als Sensoren

Quantentechnologie umfasst mehr als Sensoren. Dazu gehören auch Quantencomputer, die vor allem in den USA vorangetrieben werden. Im Frühjahr wurde angekündigt, dass am IBM-Deutschlandsitz in Ehningen ein solcher Rechner stehen soll. Aber auch bildgebende Verfahren wie die Mikroskopie, Nachrichtenverschlüsselung und die Datenübertragung werden von der Quantentechnologie deutlich vorangebracht. Die Bundesregierung stellt im Rahmen des Konjunkturpaktes zwei Milliarden Euro zur Verfügung, damit Deutschland bei dieser Technologie vorne bleibt.

„Quantentechnologie ist für die deutsche und die europäische Industrie eine riesige Chance“, sagt Leibinger. Bei Quantencomputern müsse man zwar zu starken Wettbewerbern in den USA aufschließen. „Doch die anderen Quantentechnologien kann der Industriestandort Deutschland als führende Technologie-Nation mitgestalten“, sagt Leibinger. Er verweist dabei auf das Wissen in der Elektronik sowie im Maschinen- und Anlagenbau, aber auch auf die Innovationskraft in der Auto- und der Pharmaindustrie.

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